Gesellschaft

Bei 34 Grad Unkraut von Hand ausreissen
Landwirtschaftlicher Wettkampf der besonderen Art

  • Lesezeit: 3 min
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Im staubig-trockenen Maisfeld: Die Teilnehmer im Einsatz. (Bild: Manuel Fischer)

Junge Städter erobern den Sieg an den zweiten «Jätmeisterschaften» von Biosuisse. Auf dem Bio-Modellhof Burgrain im luzernischen Alberswil rissen Jätbegeisterte am Samstag-Nachmittag unter Gluthitze rund 173 Kilo Unkraut aus dem Boden. zentral+ verfolgte den speziellen Event und schwitzte mit.

Unweit des Bio-Musterbauernhofs Burgrain machte sich am Samstag eine Gruppe von Tüchtigen in gebückter Haltung ans Werk, Unkraut aus einem Maisfeld auszureissen. Angeleitet wurden sie vom Wettkampfleiter, der mit einem Megafon die Minuten zählte. Von nur noch wenigen Angehörigen und Freunden, die in der Gluthitze ausharrten, wurden die Helden, die es ins Finale schafften, angefeuert. Zwei Frauen am Wegrand trällerten Spontanes vor sich hin: «Jäten, olé. Jäten olé, Jäten, Jäten, Jäten olé.»

Bei dem von Bio Suisse organisierten Wettkampf galt es, so schnell und so sauber wie möglich eine festgelegte Fläche in einer bestimmten Zeit zu jäten. Ein weiteres Kriterium war die Menge des herausgerissenen und gewichteten Unkrauts. Mitmachen durften alle, ob alleine in der Einzelkategorie oder als Team vom fünf Personen in der Gruppenkategorie.

Eine Unmenge an Unkraut

Die Zahlen sind beeindruckend. Bei maximal 33,9 Grad Celsius an diesem heissen Samstag jäteten rund 50 Teilnehmer ein Totalgewicht von 173,236 Kilogramm Unkraut aus einem wenige Meter schmalen Streifen. «Ich hätte nie gedacht, dass ein ganzer Anhänger voller Unkraut wegtransportiert wird. Das ist phänomenal», sagte einer der Teilnehmer nach dem Finale.

Aufgrund des trockenen Sommerwetters ist die Erde zurzeit feinkörnig bis staubig. Die Wettkampfleitung entschied kurzerhand, dass die Teilnehmer auf Werkzeuge verzichten sollten. Mit blossen Händen und nur mit einem grünen Plastiksack ausgerüstet, kämpften sich die Jäter den Ackerrillen entlang.

Sieg geht ans Ausland

Die beiden Bestplatzierten in der Einzelwertung der zweiten nationalen Jätmeisterschaften sind jung, begeistert vom sportlichen Anlass und haben in ihrem Alltag mit wenig bis nichts am Hut. Kommt hinzu, dass die besten sportlichen Unkrautvernichter ihre Wurzeln im Ausland haben. Ana Chiorean, die Siegerin, kommt aus Rumäniens Hauptstadt Bukarest und ist 22 Jahre jung.

Osteuropäer arbeiten in Hochsaison in der Schweiz

«I am a town girl», sagt sie von sich. Ana Chiorean studiert Pharmazie an der Uni Bukarest. Es ist schon das zweite Mal, dass sie während den Sommerferien auf dem Schweizer Biobetrieb Brunner Eichhof in Spins bei Aarberg arbeitet. Mehrere ihrer Landsleute sind ebenfalls in der Hochsaison auf diesem Betrieb tätig, der sich vor allem auf das Anpflanzen und Pflücken von Beeren und auf den Gemüsebau spezialisiert hat. Ohne vife Handarbeit geht da gar nichts. Das regelmässige Jäten gehört dazu, auch als Lohnarbeit für andere Bauernbetriebe.

Spassige Wettkampfidee: Werbagentur kam auf die Idee

Lukas Tauss, die Nummer Zwei, ist von Beruf Grafikdesigner und selbst ein urbanes Gewächs: «Ich arbeite in Zürich und wuchs in Stuttgart auf.» Tauss ist Mitglied des Teams der Leo Burnett Werbeagentur. In den Räumen dieses Unternehmens kam auch die Idee auf, die mühselige Mehrarbeit des Jätens, ein Unterscheidungsmerkmal des Biolandbaus von der konventionellen Landwirtschaft, als sportlich-spassigen Wettkampf auszutragen.

Luzerner Bio-Regionalverband holt Silber

Peter Ett, Mitarbeiter auf dem Bio-Hof Burgrain im Luzerner Alberswil, kam auf den dritten Rang. Bei der Gruppenwertung entschied das Team von Leo Burnett den Wettkampf für sich, gefolgt vom Regionalverband Bio Luzern. Auf dem dritten Platz schaffte es die Equipe vom Biogutsbetrieb Madiswil.
Die Brunner Eichhof-Gruppe aus dem bernischen Seeland, bei der ersten Durchführung Schweizermeister vor einem Jahr, verpassten dieses Mal einen Podestplatz. Der Teamleiter war darüber etwas enttäuscht. Zuhause sind sie allerdings unschlagbar; dort legen sie sich in der Hochsaison bäuchlings auf ihre durch Muskelkraft angetriebenen Jät-Ferraris, einem vollgummi-bereiften Fahrzeug der Marke Eigenbau. Jäten ist eben nicht gleich Jäten, sondern eine Wissenschaft

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