Gesellschaft
Baustelle Nölliturm

Das Sorgenkind der Luzerner

(Bild: zod)

Er hat einen «Dachschaden», muss «notsaniert» werden oder erhält ein «umfassendes Facelifting». Wer diese Schlagzeilen liest, dem ist klar: Um den Nölliturm steht es schlecht. zentral+ durfte das 500-jährige Sorgenkind der Luzerner besuchen und den Arbeitern über die Schultern schauen.

«Die Sanierungsarbeiten am Nölliturm sind viel aufwendiger als geplant», erklärt Nils Wimmer, der zuständige Bauleiter des Architekturbüros Iwan Bühler GmbH. Sie stünden unter Zeitdruck, denn die Arbeiten an der Fassade seien nur möglich, solange es warm ist. Nach dem jetzigen Zeitplan sollten diese im November abgeschlossen sein.

Vor gut 20 Jahren wurde der Nölliturm das letzte Mal umfassend saniert. Dass nun wieder massive Schäden entdeckt wurden, ist für Wimmer nicht unbedingt überraschend: «Eigentlich kann man nicht ein Mal sanieren und dann mehr als 20 Jahre warten, bis man wieder etwas flickt. Ähnlich wie bei einem Auto, das ab und zu in den Service muss, aber trotzdem immer älter wird. Ein solches Bauwerk muss ständig kontrolliert werden», erklärt Wimmer. Mit der Stiftung für die Erhaltung der Museggmauer, die diese Aufgabe wahrnehme, sei der Unterhalt des Nölliturms gewährleistet. In Zukunft sollen am Turm mithilfe einer Hebebühne periodische Kontrollen und Flickarbeiten durchgeführt werden, damit man auf ein teures Gerüst verzichten könne.

Neue Rinne am historischen Bauwerk

«Es arbeiten zurzeit drei Steinmetze am Turm» erklärt Wimmer. Bald sollen es jedoch sechs Arbeiter sein. Unterstützt werden sie von Experten, die schon am Löwendenkmal und am Berner Münster gearbeitet haben. Die Arbeiter klopfen die hohlen Fassadenteile mit einem Hammer ab. Dabei werde nur so viel abgeklopft wie nötig. «Um auf Ersatzstücke verzichten zu können und möglichst viel Originalsubstanz zu erhalten», erklärt Wimmer. Sobald die bröckelige Schicht weg ist, wird im Anschluss an intakte Stellen und zum Schliessen von Rissen eine Mörtelmischung darauf gegeben. Diese bestehe hauptsächlich aus Kalk und Sand und werde nachträglich eingefärbt. Wimmer fügt hinzu: «Damit die Fassade schön gleichmässig aussieht.»

Ein Teil der Sanierung ist schon abgeschlossen: Das Dach und eine neue Regenrinne konnten an Ostern fertiggestellt werden. Die Rinne sei sehr wichtig: «Bei normalem Regen fliessen 17’000 Liter in der Stunde an der Wand des Nölliturms hinunter», so Wimmer. Jetzt werde der empfindliche Sandstein besser vor Wasser geschützt. Denn vor allem durch Risse eingedrungenes und gefrorenes Wasser führe zu massiven Schäden, weil der Stein so gesprengt werde. «Einem Baudenkmal von nationaler Bedeutung ein neues Element wie eine Dachrinne hinzuzufügen, ist aus denkmalpflegerischer Sicht nicht unproblematisch», so Wimmer. Der Nutzen dieser Massnahme sei aber unbestritten. Wimmer fügt hinzu: «Die enge Zusammenarbeit mit der kantonalen Denkmalpflege und dem Bundesexperten ist unkompliziert und klappt bestens. Ich glaube zudem, dass die Neuerung niemandem gross auffallen wird.»

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