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«Es geht nicht mehr nur ums Müllsammeln»
  • Gesellschaft
Die von «Trash Hero» lancierte Chromstahlflasche wird in Thailand in 130 Geschäften verkauft. (Bild: kaa)

«Trash Hero» Roman Peter aus Inwil «Es geht nicht mehr nur ums Müllsammeln»

4 min Lesezeit 01.10.2015, 05:00 Uhr

Noble Absichten, aber kaum Wirkung? Vor einigen Jahren hat sich Roman Peter dem Projekt verschrieben, thailändische Trauminseln von Müllbergen zu befreien – rund 100 Tonnen wurden bereits gesammelt. Doch auch das viele Herzblut und der Aufwand vermögen die Abfallmenge auf in den Weltmeeren nicht nennenswert zu verkleinern. Wieso braucht es also die «Trash Heroes», und wie nachhaltig lebt Roman Peter selbst?

Noch vor wenigen Jahren scherte sich Roman Peter wenig um die Umwelt und gehörte zu denen, die ihre Zigarettenstummel kurzerhand aus dem offenen Autofenster werfen. Heute ist der 32-Jährige kaum mehr zu bremsen, wenns ums Thema Naturschutz geht: «Ich hatte keine Ahnung, dass das Meer förmlich im Plastik erstickt und im Plastik Hormone sind, die uns schaden können.» Wenn der Inwiler nun in die Migros geht, hat er für den Einkauf an der Fleischtheke seine Tupperware-Box dabei – und irritiert so das Verkaufspersonal, wenn er es bittet, sein Fleisch doch bitte da reinzupacken. Sein Ziel: Verpackung sparen.

Nur ein Tropfen auf den heissen Stein

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Der Sinneswandel begann 2013, als Roman Peter ein Jahr nach einer Weltreise an den Ort zurückkehrte, der ihn damals verweilen liess: Koh Lipe, eine kleine Insel im Süden von Thailand. Ein Paradies aus dem Ferienprospekt: Weisse Strände heben sich vom türkisfarbenen Meer ab. Und natürlich Palmen, jede Menge davon. An genau so einem Strand entstand eines Abends die Idee, den Müll, den das Meer tonnenweise an die Ufer der Trauminseln spült, zu beseitigen. Auf Koh Lipe selbst sieht es zwar recht ordentlich aus – wo Touristen sind, kümmert man sich um die Landschaftspflege. Doch an den Stränden der umliegenden Inseln, die Nationalpark-Gebiet sind, bietet sich den Besuchern ein anderes Bild: Bergeweise Plastikflaschen, Flip-Flops, Teile von Fischernetzen, Dosen … Vieles davon seit Jahrzehnten als Fremdkörper Teil der Inseln.

«Ich habe seit einem Jahr kein Wasser mehr aus einer PET-Flasche getrunken.»

Roman Peter, «Trash Hero»

Zusammen mit dem befreundeten Auslandschweizer Darius Vakili und einer Handvoll motivierter Touristen und Einheimischer machte sich Roman Peter in jenem Jahr auf, den Abfall auf den umliegenden Inseln einzusammeln. Erstaunt, wie viel man in wenigen Stunden erreichen kann, breitete sich rasch Euphorie aus. Immer mehr Helfer schlossen sich an, immer mehr sogenannte «Cleanups» fanden statt – «Trash Hero» war geboren. Auch wenn viele Strände gesäubert werden konnten – bisher trugen 5’000 Helfer etwa 100 Tonnen Müll zusammen –, sieht Peter das Ganze heute nüchterner: «Angesichts der geschätzten 270’000 Tonnen Abfall, die in den Weltmeeren schwimmen, ist das buchstäblich ein Tropfen auf den heissen Stein.»

Umdenken fördern

Das ist aber keineswegs das frustrierte Statement eines desillusionierten Aktivisten, sondern vielmehr eine wichtige Erkenntnis: Es geht nicht primär um den gesammelten Müll, denn der kommt unaufhaltsam wieder – die gesäuberten Strände werden nicht allzu lange so malerisch bleiben. «Die eigentliche Veränderung findet im Bewusstsein der Tausenden von Helfern statt», erklärt Roman Peter eifrig; man spürt, wie er für die Sache brennt. 

Die Veränderung, die Roman Peter selbst durchlebt hat, soll dank den Cleanups auch bei anderen stattfinden. Ausschlaggebend für Peters plötzliches Umweltengagement war damals das Tauchen. «Wenn man eine Schildkröte entdeckt, die sich in einem Fischernetz verheddert hat, hat das eine ganz andere Wirkung, als wenn man nur ein Bild davon sieht.» Seiner Passion kann er während sechs Monaten im Jahr frönen, denn die verbringt er seit einigen Jahren in Thailand. Als Barpianist lebt er dort den Inseltraum.

In der «Elephant Bar» auf Koh Lipe arbeitet Roman Peter als Barpianist.

In der «Elephant Bar» auf Koh Lipe arbeitet Roman Peter als Barpianist.

(Bild: trash hero)

 

Gelernt hat Roman Peter aber Informatiker. Die andere Hälfte des Jahres lebt er in der Schweiz und verdient sich damit den Lebensunterhalt. Seine Informatik-Skills und einen grossen Teil seiner Freizeit setzt er nun für Trash Hero ein – an Bekanntheit gewann die Non-Profit-Organisation denn auch durch Social Media, ein Spezialgebiet des Inwilers. Doch nicht nur er engagiere sich, betont Roman Peter. Über 40 Helfer aus der ganzen Welt setzen für «Trash Hero» ehrenamtlich ihr Expertenwissen ein – darunter Grafiker, Journalisten und Übersetzer.

Trash Hero wird global

Spendengelder fliessen also weder in Löhne noch in Werbung, auch nicht in die «Cleanups». Stattdessen werden damit Projekte vorangetrieben, die das Müllproblem an der Wurzel packen sollen. So soll eine Chromstahlflasche den immensen Verbrauch von Plastikflaschen einschränken: Anstatt sich immer wieder eine neue PET-Flasche zu kaufen, kann man die Chromstahlflasche an den Verkaufsstellen gratis wieder mit Trinkwasser auffüllen. «Ich habe seit einem Jahr kein Wasser mehr aus einer PET-Flasche getrunken», sagt Roman Peter nicht ohne Stolz. Noch in der Entwicklungsphase steckt ein Projekt, das dem Verschleiss von Plastiksäcken den Garaus machen soll: eine faltbare, kompakte Tasche, die man als eine Art Schlüsselanhänger immer bei sich tragen kann.

Trash Hero hat es längst über die Landesgrenzen von Thailand geschafft – auch in Indonesien wird mittlerweile eifrig gegen das Müllproblem im Paradies angekämpft; in Ecuador, Neuseeland und Malta laufen zurzeit Gespräche über einen Start. Roman Peter freut sich zwar über diesen Erfolg; gleichzeitig wünscht er sich aber wieder mehr Ausgeglichenheit in seinem Privatleben: «Momentan stecke ich meine gesamte Freizeit und Energie in dieses Projekt.»

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