Eluveitie: Wenn die Metalband mit der Drehleier antanzt
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Eluveitie erfuhr im letzten Jahr grosse Veränderungen. Kann die Winterthurer Metalband ihrem Sound von früher noch immer gerecht werden?

Melodic Death & Folk Metal-Meister beehren Zug Eluveitie: Wenn die Metalband mit der Drehleier antanzt

3 min Lesezeit 01.10.2017, 09:22 Uhr

Anlässlich ihrer Tour für das im August erschienene Album Evocation II machten Eluveitie am Samstagabend in der Galvanik Zug Halt. Somit konnte der Club, der erst vor einigen Tagen die neue Saison eingeläutet hat, bereits einen ganz grossen Namen auf der Bühne präsentieren. In der Metalband selbst gab es jedoch kürzlich grosse personelle Umstellungen. Ob sich Eluveitie noch immer behaupten können?

Die Galvanik in Zug steht an diesem verregneten Samstagabend ganz im Zeichen des Metals: 98% der Zuschauer tragen schwarze T-Shirts, dort und da sieht man eine vollbestickte Jeansjacke mit grossen Metalnamen aus aller Welt. Ein ganz grosser Name, sogar aus dem eigenen Land, tritt heute in der Galvanik auf: Eluveitie.

Die neunköpfige Band aus Winterthur mit Frontmann Christian «Chrigel» Glanzmann hatte in den vergangenen Monaten einen grossen Wandel durchlebt. Die langjährigen Mitglieder Merlin Sutter (Schlagzeug), Ivo Henzi (Gitarre) und Sängerin Anna Murphy hatten den Austritt bekannt gegeben. Und dies mitten in den Arbeiten am neuen Album. Wollen wir doch sehen, wie das diese drastischen Veränderungen mit dem typischen Sound der Schweizer Band machen.

Verzerrte Gitarren, ein treibendes Schlagzeug und eine Drehleier

Eluveitie gelten seit vielen Jahren als vielversprechendste Metalband der Schweiz. Die vielen Top-Ten-Platzierungen sprechen für sich selbst. Doch was macht das Spektakel dieser Band aus? Es ist die spezielle Instrumentenbesetzung, die besonders live und an diesem Abend in der Galvanik zum Vorschein kommt.

Denn Eluveitie pimpt die klassische Bandbesetzung, also Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang mit allerlei teilweise mittelalterlich klingenden Instrumenten auf. Sei es eine Drehleier, eine Geige, eine Flöte oder auch ein Dudelsack: Diese Instrumente bringen einen ganz eigenen Sound mit. Besonders die Drehleier klingt stets als roter Faden markant durch die Stücke, begleitet von verzerrten Gitarren und einem treibenden Schlagzeug.

Fabienne Erni ist die neue Sängerin bei Eluveitie. Ihre Feuertaufe in der Galvanik hat sie durchaus bestanden.

Fabienne Erni ist die neue Sängerin bei Eluveitie. Ihre Feuertaufe in der Galvanik hat sie durchaus bestanden.

Doch natürlich stehen auch zwei grosse Stimmen im Vordergrund. Einerseits die von Frontmann Christian Glanzmann, dessen gutturaler Gesang richtig viel Kraft von der Bühne brausen lässt und so besonders die Death-Metal-Seite der Band hervorbringt. Ihm gegenüber singt Fabienne Erni, deren klare, helle, aber trotzdem kraftvolle Stimme den Liedern ebenso viel Power gibt. Und in Kombination beider Stimmen in einem Stück, untersetzt von quirligen Tin-Whistle- und epochalen Drehleierklängen prägen sie so den unverkennbaren Eluveitiesound.

Wer mitsingen will, hat’s schwer

Doch auch die Texte der Band sind sehr speziell: Oftmals sind die Lieder in gallischer Sprache verfasst (auch besonders beim neuen Album), was den Songs auch textlich eine spezielle Note gibt. Interessant zuzuhören, doch live geht die Rechnung nicht ganz auf, da man zwar gerne mitsingen würde, aber den Text nicht verstehen kann. Da ist es denn auch ein Trost, dass viele der Songs zudem auf Englisch oder Schweizerdeutsch gesungen werden.

Die Band bringt die Galvanik sehr schnell zum Kochen, auch wenn sie diese hin und wieder mit eher ruhigeren Stücken vom neuen Album Evocation II abzukühlen weiss. Doch spätestens bei Hits wie «Call Of The Mountain», «Helvetios» oder «A Rose for Epona» bilden sich sehr schnell wieder Moshpits im Publikum und die Devil Horns recken sich einmal mehr zu Dutzenden in die Höhe. Nach einem schweisstreibenden Set hat Eluveitie einmal mehr bewiesen, dass sie eine feste Celtic-Metal-Grösse ist. Die neuen Mitglieder Jonas Wolf (Gitarre), Alain Ackermann (Schlagzeug) und Sängerin Fabienne Erni haben die Feuertaufe durchwegs bestanden.

Für die kommenden Monate war dies der letzte Auftritt in der Schweiz, denn in der nächsten Zeit rocken Eluveitie Bühnen in Deutschland, Russland, Japan und weiteren Ländern.

Insgesamt war der Auftritt von Eluveitie sehr solide, für jeden Metalfan empfehlenswert, da besonders die spezielle Instrumentalzusammensetzung sehr hörenswert ist. Und mit ihrem Auftritt legitimiert die Band definitiv ihren Stand als weltbekannte, erfolgreiche Schweizer Metalband.

Auf Gallisch, Schweizerdeutsch und Englisch wurde die Galvanik gerockt.

Auf Gallisch, Schweizerdeutsch und Englisch wurde die Galvanik gerockt.

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