Gesellschaft

Universität Luzern dementiert kuriose Gerüchte
Einigung gescheitert: Theologie-Professor zieht vor Gericht

  • Lesezeit: 4 min
<p>Der Dekan der Theologischen Fakultät Martin Mark freut sich über das neue Zentrum für Komparative Theologie.</p>
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Der Dekan der Theologischen Fakultät Martin Mark freut sich über das neue Zentrum für Komparative Theologie. (Bild: les)

Die Universität Luzern hält an der Kündigung des Professors Martin Mark fest. Eine einvernehmliche Lösung konnte nicht gefunden werden. Der Theologe will nun Klage einreichen.

Die Vorstellungen lagen zu weit auseinander: Trotz Verhandlungen konnte sich die Universität Luzern nicht mit dem Theologieprofessor Martin Mark auf eine Einigung verständigen, wie die Universität am Dienstag mitteilt. Eine einvernehmliche Lösung hätten der Betroffene, der Präsident des Universitätsrates Reto Wyss und Rektor Bruno Staffelbach gemeinsam gesucht – vergeblich.

«Die angestrebte Einigung konnte nicht erzielt werden», schreibt die Universität in einer Mitteilung. Damit bleibe es bei der ausgesprochenen Kündigung auf den 31. Januar 2019.

Der frühere Dekan und Theologieprofessor Martin Mark ist seit dem 1. September freigestellt. Sein Abgang warf diesen Sommer medial hohe Wellen, unter anderem, weil er Vorwürfe gegen die Universitätsleitung richtete (zentralplus berichtete).

Nun bringt die Universität ihrerseits neue Gerüchte ins Gespräch. In ihrer Mitteilung hält die Universität Luzern fest, dass die Leitung die Kündigung mit einem zerrütteten Vertrauensverhältnis begründet habe. «Zu keinem Zeitpunkt standen oder stehen – entgegen kursierenden Gerüchten – Vorwürfe wegen Verfehlungen oder Grenzüberschreitungen in sexuellem Kontext im Raum.»

Um welche Gerüchte es dabei konkret geht, darauf will Mediensprecher Lukas Portmann nicht näher eingehen. Die Frage, ob sie an der Universität Luzern die Runde machen, dementiert er. Doch wieso macht die Universitätsleitung in einer Medienmitteilung überhaupt eine Aussage über solch heikle Gerüchte? «Wir haben diese Aussage in Absprache mit und auf Wunsch von Martin Mark so kommuniziert», sagt Portmann.

Gerüchte im Zusammenhang mit Missbrauchsskandal

Martin Mark bestätigt das auf Anfrage von zentralplus: «Ich habe die Universitätsleitung schon länger aufgefordert, diesem Gerücht entgegenzutreten.» Dabei handle es sich keineswegs um konkrete, fassbare Vorwürfe, sondern um Gerüchte, die im Zusammenhang mit den Missbrauchsskandalen der katholischen Kirche entstanden seien.

«Es ist für mich ein notwendiger Schutz, sonst bleibe ich in dieser Gerüchteküche hängen.»

Martin Mark, freigestellter Professor

«Ich bin von verschiedener Seite auf diese Thematik angesprochen worden. Offenbar geistert in Deutschland, wo Kündigungen eines Professors als undenkbar erscheinen, das Gerücht herum, meine Kündigung stehe in irgendeinem Zusammenhang mit sexuellen Verfehlungen.»

Da die Universität das Thema «Persönlichkeitsschutz» in den Mittelpunkt ihrer Kommunikation gestellt, aber kaum über die Hintergründe kommuniziert habe und solche Spekulationen im Umfeld der katholischen Kirche in der Luft lägen, habe es ein Rätselraten gegeben. Dem wolle er nun deutlich entgegentreten. «Es ist für mich ein notwendiger Schutz, sonst bleibe ich in dieser Gerüchteküche hängen», sagt Mark.

Überraschender Rückzug der Klage

Der Theologe bedauert das Scheitern der Verhandlungen, wie er weiter festhält. Er will nun gerichtlich gegen seine Kündigung vorgehen. Er werde beantragen, die Kündigung als rechtswidrig aufzuheben. Das habe er dem Universitätsrat bereits Mitte September mitgeteilt.

Ein Gerichtsverfahren hatte es bereits gegeben, denn Mark wehrte sich gegen seine Freistellung. Das Kantonsgericht sah aber keinen Grund, die aufschiebende Wirkung der Freistellung zu verlängern oder den zuständigen Richter in den Ausstand treten zu lassen, wie Mark das forderte (zentralplus berichtete). Im Oktober 2018 zog er seine Beschwerde am Kantonsgericht aber überraschenderweise zurück. Wieso, wollte er zunächst nicht kommentieren. Nun ist klar: Das habe er «als Zeichen des guten Willens» getan, wie er sagt.

Professor fordert Tranparenz

Nun geht es also in die nächste Runde. Mark hält fest, dass er im Rahmen des öffentlichen Gerichtsverfahrens nicht nur Transparenz hinsichtlich seiner Kündigung, sondern auch hinsichtlich seiner Absetzung als Dekan im Herbst 2017 herstellen wolle. «Es soll festgestellt werden, welche Hintergründe und Konstellationen tatsächlich dazu geführt haben.»

Martin Mark hat bereits früher publik gemacht, dass er zu seiner Zeit als Dekan mehrere Reformen forderte und unter anderem höhere finanzielle Transparenz herstellen wollte. In diesem Zusammenhang wurde auch spekuliert, dass diese Kritik zu seiner Kündigung geführt haben soll (zentralplus berichtete).

«Es wurde über die Modalitäten der Trennung diskutiert.»

Lukas Portmann, Mediensprecher Universität Luzern

Martin Mark hält fest, dass er nach wie vor für eine gütliche Einigung einstehen würde. Wie eine solche aussehen könnte, lässt er aber offen. «Da ich von einer widerrechtlichen Kündigung ausgehe, kann ich nicht eine Vereinbarung annehmen, die ausserhalb meiner Vorstellungen von Fairness liegt.»

Auch von Seiten der Universität Luzern will man zu den Details der angestrebten Lösung und zu den Gründen des Scheiterns nichts sagen. Nur so viel: «Es wurde über die Modalitäten der Trennung diskutiert», sagt Sprecher Lukas Portmann. Dabei seien die Meinungen der beiden Seiten zu weit auseinandergegangen.

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