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Doch keine Uhren im alten «Hirschen»
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Der ehemalige «Hirschen» wird im Moment umgebaut. Hier der Hintereingang der ehemaligen Traditionsbeiz. (Bild: lru)

Luzern: Neue Beiz sucht reichen Wirt Doch keine Uhren im alten «Hirschen»

3 min Lesezeit 19.02.2016, 19:00 Uhr

Der ehemalige «Hirschen» wird umgebaut. Aber anders als bisher angenommen soll dort wieder ein Restaurant und kein Laden reinkommen. Ähnlich wie das Bodu soll die neue Beiz werden – doch kann überhaupt jemand den Mietzins bezahlen?

Vor einem knappen Jahr schloss der «Hirschen» in der Luzerner Altstadt. Nach einem Besitzerwechsel gab es in der Luzerner Altstadt keinen Platz mehr für die Traditionsbeiz (zentral+ berichtete). Die neue Besitzerin, die NLU Immobilien AG aus Genf, wollte eher ein gewinnträchtigeres Kleider- oder Uhrengeschäft einquartieren – die neue Nutzung als Ladenfläche war bereits bewilligt.

Neue Besitzerin will nun doch einen Gastrobetrieb

Doch nun wechselt die NLU ihren Kurs: Wie aus einem aufliegenden Baugesuch hervorgeht, wollen die Besitzer jetzt doch ein Restaurant im Haus am Hirschenplatz 2. «Dass im ‹Hirschen› wieder gewirtet wird, war auch ein Wunsch der Stadt», begründet Jacques Mot von der NLU Immobilien AG den Kurswechsel: «Wir haben diesem Wunsch entsprochen.» Der Umbau des Hauses ist bereits im Gange und kostet 3 bis 3,5 Millionen Franken. Der neu geplante Umbau fürs Restaurant kostet nochmals weitere 500’000 Franken.

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«Das Sexgewerbe ist nicht unser Business.»

Jacques Mot, NLU Immobilien AG

Im ersten Stock war unter dem alten Besitzer, «Millieukönig» Urs Gehrig, eine Kontaktbar. Dort sollen nun Lagerräume fürs Restaurant und Büros entstehen. Jacques Mot: «Das Sexgewerbe ist nicht unser Business.» In den Stockwerken darüber entstehen teure Wohnungen «im oberen Segment».

Und was für ein Restaurant schwebt den neuen Besitzern vor? Geplant ist ein «klassisches Speiselokal» mit 54 Plätzen, so steht’s im Baugesuch. Viel mehr sei noch nicht klar, sagt Jacques Mot von der NLU: «Wir sprechen im Moment mit verschiedenen möglichen Betreibern. Das Konzept hängt dann stark vom Betreiber ab.» Preislich solle es für jedes Portemonnaie erschwinglich sein, so Mot: «Aber Fastfood wird es wohl nicht.»

Im Baugesuch lässt sich in Erfahrung bringen, dass ein Grobkonzept «ähnlich wie etwa das in der Nähe liegende Lokal Bodu» geplant sei. Die Brasserie Bodu gegenüber dem Rathaus ist für die klassische französische Küche weitherum bekannt.

«Ich finde es etwas eigenartig, dass jemand das Konzept eines Restaurants nur hundert Meter davon entfernt kopieren will.»

Samuel Vörös, Inhaber Brasserie Bodu

Immobilienkönig aus reichem Genfer Clan

Die NLU Immobilien AG wurde erst vor zwei Jahren gegründet. Neben dem Haus am Hirschenplatz besitzt sie auch am Hirschengraben ein Gebäude. Dort kaufte sie für zehn Millionen Franken ein grosses Geschäfts- und Wohnhaus. «Wir haben grosses Interesse, schöne Häuser mit Wohnungen zu kaufen», sagte Jacques Mot von der NLU letztes Jahr gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung». «Wir stehen in Luzern erst am Anfang.»

Als Präsident der NLU Immobilien AG ist Stéphane Barbier-Mueller im Handelsregister eingetragen. Er ist Spross der Genfer Familie Barbier-Mueller, die ihr Vermögen mit Immobilien gemacht hat. Die Zeitschrift Bilanz schätzt das Vermögen der Barbier-Muellers auf 800 bis 900 Millionen Franken – sie gehören damit zu den 300 reichsten Schweizern. Der Patron der Familie, Stéphanes Vater Jean-Paul Barbier Mueller (86), gilt auch als anerkannter Sammler primitiver Kunst.

Stéphane Barbier-Mueller ist Partner bei der Immobilienfirma Pilet & Renaud, er verwaltet laut Handelszeitung Häuser im Wert von 260 Millionen Franken. Er ist ausserdem Mehrheitsaktionär des Westschweizer Privat-TV-Senders «Léman Bleu». Und er ist auch mit einer Million Franken an der rechtskonservativen Medien-Vielfalt-Holding um Tito Tettamanti beteiligt, die 2011 die «Basler Zeitung» kaufte.

Das lässt vermuten, dass auch die Bodu-Betreiber im Gespräch sind. Inhaber des Bodus ist immerhin der umtriebige Gastronom Samuel Vörös, der kürzlich auch das Millefeuille am Mühlenplatz eröffnet hat (zentral+ berichtete) und mit der «Werkstatt» an der Waldstätterstrasse bald ein weiteres Lokal eröffnen wird (zentral+ berichtete).

Doch bei der Brasserie Bodu weiss man von nichts, das sagt Samuel Vörös auf Anfrage: «Aber ich finde es etwas eigenartig, dass jemand das Konzept eines Restaurants nur hundert Meter davon entfernt kopieren will.» Jacques Mot von der Besitzerfirma NLU beruhigt: «Man sollte sich darauf nicht versteifen, das Konzept ist noch nicht definitiv. Ob es dann französische oder italienische oder indische Küche gebe, ist noch überhaupt nicht klar.»

Grundsätzlich findet es Samuel Vörös vom Bodu eine gute Idee, dass im «Hirschen» bald wieder gewirtet werden soll: «Wenn es in der Altstadt mehr Beizen gibt, ist das auch gut für unser Geschäft.»

Kann ein Restaurant den Mietzins überhaupt bezahlen?

Dass die neue Besitzerin nun doch eine Beiz im alten «Hirschen» eröffnen will, überrascht. Mit einem Gastronomiebetrieb lässt sich normalerweise nicht einmal annähernd soviel Umsatz erwirtschaften wie mit einem Verkaufsladen. Sind die neuen Besitzer also grossherzige Mäzene, die zugunsten einer vielfältigen Altstadt auf Rendite verzichten?

Das wohl doch nicht. Von Insidern weiss zentral+, dass die NLU trotz Restaurantnutzung einen sehr hohen Mietzins verlangt. Die Besitzerin hat das Lokal einigen Gastronomen in der Stadt angeboten – doch ein Szenekenner sagt: «Kein seriös arbeitendes Restaurant kann mit so einem Mietzins wirten.»

Dem widerspricht Jacques Mot von der Besitzerfirma NLU: «Wir haben den definitiven Mietzins gar noch nicht festgesetzt. Aber Luzern ist eine kleine Stadt, da gehen schnell Gerüchte um.» Wie teuer das Lokal ungefähr sein soll, will Mot nicht sagen: «Wir sind aber überzeugt, dass Beizer den Mietzins auch bezahlen können. Sonst würden wir ja kein Restaurant eröffnen wollen.»

Der neue «Hirschen» soll noch dieses Jahr eröffnen.

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