Diese Firma weiss, wie man Banknoten so sicher wie möglich macht
  • Wirtschaft
Nanu? Eine Fälschung? Vielmehr ein Muster, sagt der Druckingenieur. (Bild: wia)

Goebel Capital eröffnet Produktion in Eschenbach Diese Firma weiss, wie man Banknoten so sicher wie möglich macht

4 min Lesezeit 04.07.2020, 18:00 Uhr

Die Goebel Capital GmbH fasst Fuss im Kanton Luzern. Das Unternehmen baut Maschinen für Banknoten und andere Druckerzeugnisse, die einen sehr hohen Sicherheitsstandard verlangen. Das hehre Ziel der Firma: für die Produktion von Schweizer Banknoten beauftragt zu werden.

Die Goebel Capital GmbH baut derzeit eine Produktionshalle in Eschenbach. Was zunächst nicht sehr spektakulär klingt, ist tatsächlich von grosser Bedeutung. Das Unternehmen hat sich nämlich dem Hochsicherheitsdruck verschrieben. Heisst: Die Firma mit Sitz in Baar baut Maschinen, mit denen beispielsweise Banknoten, Visums-Passaufkleber oder Briefmarken hergestellt werden.

Noch produziert die Goebel Capital GmbH im deutschen Darmstadt, ab September will man mit der Produktion im Kanton Luzern loslegen. Vergangenen Donnerstag wurde in Eschenbach mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft der Spatenstich gefeiert. Diese freuen sich darüber, dass bald 20 neue Arbeitsplätze in der Gemeinde entstehen.

V.l.: Felix Berg, Managing Director der Firma Goebel Capital, Manuel Vogel, Geschäftsführer, CVP-Kantonsrat Josef Wyss, Andreas Zettel, Wirtschaftsförderung Luzern, Damian Müller, FDP-Ständerat, Markus Kronenberg, Gemeindepräsident.

Rollendruck versus Bogendruck

Dass die Herstellung einer modernen Banknote ein komplexes Unterfangen ist, dürfte jedem klar sein, der sich ein neues 10er-Nötli einmal genauer angeschaut hat.

Bloss: Die Firma Goebel Capital ist nicht die einzige auf diesem Gebiet. «Die Maschinen, um Schweizer Banknoten zu drucken, stammen leider von der Koenig und Bauer AG, unserer Konkurrenz aus Deutschland», sagt der Geschäftsführer Manuel Vogel etwas zerknirscht. Er führt aus: «Die Krux für uns ist, dass solche Maschinen viele Jahre halten und nur sehr selten ersetzt werden müssen.»

Vogel ist überzeugt, dass seine Firma das nicht nur genauso gut könnte, sondern gar besser. «Wir sind der einzige Druckmaschinenbauer, welcher das Banknotendrucken mittels Rollendruck ermöglicht. Die aktuellen Schweizer Banknoten werden hingegen im Bogendruck hergestellt», sagt Vogel. Das sei weit weniger effizient und dauere deutlich länger.

Hier sollte bereits im August die neue Produktionshalle stehen.

Der Trend geht in Richtung Kunststoffnoten

Ausserdem seien die Maschinen der Firma Goebel Capital besser geeignet für die Produktion von Polymer-Banknoten, also Noten aus Kunststoff. «Weil solches Geld mehrere Vorteile mit sich bringt, gibt es derzeit einen Trend in diese Richtung.» Die heutigen Schweizer Banknoten sind ein Hybrid aus Kunststoff und zwei Lagen Papier.

Und auch wenn bisher weder die Schweizerische Post noch die Nationalbank ihre Maschinen bei der Baarer Firma bestellt, so hat das Unternehmen doch genügend Arbeit. Wenn auch zu 100 Prozent im Ausland. Die Maschine für die französische Euro-Produktion etwa wurde von Goebel gebaut.

500 Meter Briefmarken innert einer Minute

Ein weiterer Auftrag ist eine Briefmarkenmaschine für die chinesische Post, welche in der neuen Produktionshalle in Eschenbach zusammengebaut wird. Diese soll 30 Meter lang, 7 Meter breit und 5 Meter hoch werden. «Damit können 500 Meter Briefmarken innert einer Minute produziert werden», sagt Vogel stolz.

«Wir bauen die Maschine hier auf, testen das Produkt, und wenn die Tests korrekt ausgefallen sind, bauen wir die Maschine ab, um sie nach China zu transportieren.» Das passiere über den Seeweg ab Genua. «Sofern die Brücken halten», sagt Vogel nur halb im Scherz. Die Druckmaschinen sind tonnenschwer.

Diese handliche Druckerrolle bringt einige Kilo auf die Waage. Grössere Exemplare wiegen 300 Kilo.

Dann zückt er die 25er-Note

Spricht man mit Felix Berg, dem Managing Director der Firma Goebel GmbH, wird’s schnell technisch. Der Druckingenieur spricht von Intaglio-Druck, von Letterset, von Prägehologrammen. Alles Techniken, welche den Zweck haben, eine Banknote in der heutigen Zeit möglichst sicher zu machen.

«Tatsächlich ist das gute Image der Schweiz in Sachen Geld ein wichtiger Grund, warum wir die Produktion hierher verlagern.»

Felix Berg, Managing Director Goebel GmbH

Ein Businesscenter für Home-Office-Geplagte

Neben der Produktionshalle, welche von Frefel Holzbau in Glarus gebaut wird, entsteht ein Businesscenter, welches von der Treuhandfirma A&O Kreston AG betrieben wird und letztlich etwa 30 Co-Working-Plätze und ungefähr 20 unterschiedlich grosse Büroräume bietet. «Arbeitsplätze und Sitzungszimmer sollen längerfristig, aber auch tageweise gemietet werden können. «Gerade in der Coronazeit hat man gemerkt, dass bei Arbeitstätigen mit Kindern das Bedürfnis besteht, einen Ort zu haben, wo man in Ruhe arbeiten kann», sagt Vogel. Ähnliche Modelle hat die Firma bereits in Baar, Horgen und Zürich umgesetzt.

Um seine Ausführungen zu veranschaulichen, zückt er kurzerhand ein Etui aus seinem Veston. Banknoten diverser Länder sind darin zu finden. Kanadische, neuseeländische und auch eine 25-Franken-Note, die sich optisch nahtlos in die neuen Schweizer Noten einreiht. Etwa eine Fälschung? «Es handelt sich um ein typisches Muster», erklärt Berg. «Fühlen Sie? Diese tastbaren Elemente auf der Banknote wurden mittels Intaglio-Druck aufgetragen.»

Wie Manuel Vogel ist auch Felix Berg ein Fan der Polymer-Banknoten. «Nicht zuletzt, weil Noten aus Kunststoff deutlich länger halten und auf dauer ökologischer sind.» Er führt aus: «Pro Person und Jahr werden weltweit durchschnittlich 20 alte Banknoten durch neue ersetzt.» Kunststoffnoten seien sowohl reissfester als auch länger lesbar als Papiergeld, da sie weniger Faltkanten aufweisen würden.

«Herr Berg, wo auf der Welt findet man denn die sichersten Banknoten», fragen wir zum Schluss? Er schmunzelt, sagt: «Spontan fällt mir natürlich die Schweiz ein. Tatsächlich ist das gute Image der Schweiz in Sachen Geld ein wichtiger Grund, warum wir die Produktion hierher verlagern.» Ausserdem erhofft sich die Firma damit, künftig auch Aufträge aus der Schweiz entgegennehmen zu können.

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