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«Die SVP hat schon recht»
  • Wirtschaft
«Don Feri» hat seinen eigenen Weg gemacht und ist sein eigener Chef: Der Iraner Farhad Enz.

Ehemaliger Flüchtling als Beizer «Die SVP hat schon recht»

6 min Lesezeit 21.12.2015, 10:04 Uhr

Das kleine Luzerner Restaurant «Don Feri» wird von Farhad Enz geführt. Einem ehemaligen Flüchtling, der vom Tellerwäscher zum Millionär wurde – oder zumindest mal sein eigener Chef. Bei einer Tasse Kaffee erzählt er, wie es dazu kam. Und warum er die SVP gut findet. 

Farhad Enz spielt seine Rolle. An der Luzerner Bireggstrasse befindet sich sein Ristorante Don Feri. Er gibt den Gastgeber, der sich vornehm «Don» nennt. Den spanischen Hausherrn, der immer einen Witz parat hat. Der 44-Jährige sieht aus, als käme er gerade von einer andalusischen Fiesta. Sein langes, schwarz-graues Haar hat er zusammengebunden. Dazu trägt er ein weisses Hemd, ein Gilet und einen dichten Bart. In gebrochenem Deutsch fragt er: «Wie heisst ein Spanier ohne Auto? Carlos.» Sein Lachen steckt an.

«Es ist egal, woher du kommst. Was im Menschen drin ist, ist viel wichtiger.»

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Es ist erstaunlich, was man bei einer Tasse Kaffee so alles über einen Menschen erfährt. Wie Farhads Vorname erahnen lässt, hat er mit Spanien eigentlich rein gar nichts am Hut. Das merkt aber keiner. Und das ist ihm recht. Dass er Iraner ist, ehemaliger Flüchtling, wissen hier nur die wenigsten. Sogar die Stammgäste meinen, er müsse irgendwo von der Iberischen Halbinsel herkommen.

Als Tellerwäscher angefangen

Farhad Enz’ Geschichte beeindruckt. Er war Flüchtling, Tellerwäscher, und heute ist er sein eigener Chef. «Früher hatte ich nichts», sagt er. «Gar nichts». Nun hat er sein eigenes Restaurant. Seit Juni 2014 serviert er im Don Feri spanische und italienische Spezialitäten. Es gibt rund 30 Plätze hier. Draussen auf der Strasse stehen seine Werbetafeln: «Feine Pizza und Pasta». Und auf der Speisekarte finden sich Paella, Meeresfrüchte oder Antipasti.

«Alle denken, ich sei Spanier», sagt er und grinst. Es ist kurz vor halb elf. Das Telefon klingelt, und bald kommen Gäste. In der Küche ist soweit alles parat. Farhad findet Zeit für ein Gespräch. «Ich sage immer: Es ist egal, woher du kommst. Der Mensch und das, was im Menschen drin ist, ist viel wichtiger.»

«Ich habe gespart, gespart und gespart.»

Er ist einer, der seine Chance gepackt hat. Damals hätte ihn der Volksmund als «Wirtschaftsflüchtling» bezeichnet. Heute ist Farhad Enz mit einer Schweizerin verheiratet, schweiz-iranischer Doppelbürger und hat den Familiennamen seiner Frau angenommen. «Da geht vieles einfacher in der Schweiz», kommentiert er. Die Einrichtung des kleinen Raucherlokals ist schlicht und funktional. Fahrad hat alles aus seinem eigenen Sack bezahlt. «Ich habe gespart, gespart und gespart», sagt er.

Zwei Franken in der Tasche

Farhad kam hierher, um zu arbeiten. Vor sechzehn Jahren ist er in der Schweiz angekommen. Die Fremdenpolizei habe ihm den Ausweis «N» gegeben. Sein Aufenthaltsstatus war ungeklärt. Er durfte vorläufig bleiben. In seiner Tasche hatte er genau zwei Franken, erinnert er sich. «Ich dachte, ich kann mir kein Busbillett kaufen. Aber der Beamte erklärte mir dann, dass das mit diesem Ausweis geht.» Er bekam eine Bleibe. Und Geld.

«Es gab keine Zukunft. Alles war verboten.» 

Als iranischer Flüchtling suchte er damals nicht Schutz für Leib und Leben, sondern Arbeit. Er wollte auf eigenen Beinen stehen und nicht vom Staat abhängig sein. In seinem Heimtland hatte er eine Art Matura mit Schwerpunkt Physik abgeschlossen. Danach bei einem Cousin als Schreiner gearbeitet. Das war noch bis kurz vor der Jahrtausendwende. «Dann sind meine Eltern gestorben, und ich hatte keinen Grund mehr, in Iran zu leben. Das Leben dort war scheisse. Es gab keine Zukunft. Alles war verboten.» Er meint damit die strengen Regeln des Islam, die fehlende Freiheit der Frauen, gepaart mit einem harten Regierungsregime. Das alles sei ihm irgendwann auf die Nerven gegangen.

Ein guter Lehrer

In der Schweiz suchte Farhad nach neuen Möglichkeiten. «Ich wollte nicht rumsitzen», sagt er. «Ich bin kein Bettler.» Schon nach ein paar Wochen nach seiner Ankunft fand er im Restaurant Toskana, in der Luzerner Altstadt an der Rütligasse, eine Stelle als Küchenhilfe. Dort hat er gelernt, spanisches und italienisches Essen zuzubereiten. In der Küche hat er das Pizzamachen gelernt. «Ich hatte mit Esteban Gonzales einen sehr guten Chef gehabt. Er hat mit so viel geholfen.» Die Worte auf der Speisekarte habe er anfangs zwar nicht verstanden. Aber Farhad wusste, was er bei welcher Nummer zu tun hatte.

«Ich war in der Küche immer so versteckt. Ich wollte raus zu den Leuten.»

Nach dem Restaurant Toskana folgte eine Anstellung als Koch bei der früheren Bäckerei Meile. Dort blieb Farhad fünf Jahre. Irgendwann habe der dann «die Schnauze voll» gehabt von der Gastronomie, sagt er. «Ich war in der Küche immer so versteckt. Ich wollte raus zu den Leuten.» Er nahm wieder mit Esteban Gonzales vom Restaurant Toskana Kontakt auf. «Diesmal wollte ich im Service arbeiten.» Das entspreche mehr seinem Naturell. Und Gonzalez nahm den fleissigen Schüler gerne wieder bei sich auf. Schliesslich konnte sich Farhad nach fünf weiteren Jahren Arbeit im Toskana selbständig machen. «Das war immer mein Traum», sagt er. 

(Bild: zvg)

 

«Es gibt Terroristen unter den Flüchtlingen»

Wie denkt er als Muslim über die massiven Flüchtlingsströme? Über den IS-Terror? Über Syrien, Irak, den Islam und den IS? Farhad sei alles andere als ein gläubiger Muslim, antwortet er. «Ich trinke Alkohol, esse Schweinefleisch und war noch nie in einer Moschee.»

Wenn er die Bilder sieht, tun ihm die vielen Flüchtlinge leid. Besonders die Familien mit Kindern. Es seien «arme Schweine». Es sei allerdings seltsam, dass in so kurzer Zeit so viele auf einmal kämen. «Man muss gut kontrollieren, wer was vorhat. Die SVP hat schon recht», sagt er überzeugt. Flüchtling sei nicht gleich Flüchtling. «Wenn es um das geht, würde ich SVP wählen. Wir sollten nicht alle aufnehmen. Es gibt viele Faule oder sogar Terroristen unter den Flüchtlingen», erklärt er. Vor allem junge Afghanen und Iraker hätten doch gar kein Geld für eine solch lange Flucht. «Das ist verdächtig. Auf die muss man achten.» 

«Ich trinke Alkohol, esse Schweinefleisch und war noch nie in einer Moschee.»

Er selber sei aus wirtschaftlichen Gründen geflohen. «Ich kenne viele Flüchtlinge, die in der Schweiz sind und nach sieben Jahren noch immer keinen Job haben», sagt er. «Das regt mich auf.» Die Tür öffnet sich. Es kommen die ersten Gäste für das Mittagessen. «Hola, qué tal?», werden sie von Don Feri begrüsst. Sie nehmen Platz. Er gibt ein Zeichen in Richtung Küche. Sein Mitarbeiter, ein spanischer Koch, hat gerade seinen Kopf rausgestreckt. Sie nicken einander zu. Es geht los. Die Arbeit ruft. 

«Meine Arbeit macht mir so viel Spass», schwärmt Don Feri zum Abschied. «Ich kenne so viele Leute, und sie kennen mich. Sie kommen gerne hierher, um zu geniessen. Das ist mein Leben. Ich bin so dankbar.» Der Gastgeber sagt es nicht ohne Stolz, mit seinem freundlichen und schelmischen Lächeln. Es komme nicht darauf an, woher man komme. Sondern was man mache. Dazu gestikuliert er wie ein Spanier. Der Kaffee geht aufs Haus. «Gracias, Don Feri.» 

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