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«Die sind viel offener als wir Schweizer»
  • Regionales Leben
Wollen mit ausländischen Jugendlichen in Kontakt kommen: Konradin, Fabienne, Nicole, Ronit und Dawar.     (Bild: fam) (Bild: fam)

Zuger Jugendliche überwinden Grenzen «Die sind viel offener als wir Schweizer»

4 min Lesezeit 27.05.2016, 17:24 Uhr

Wenn sie schon flüchten müssen, sollen sie auch gut bei uns empfangen werden. Das dachten sich Zuger Jugendliche. Und haben etwas ins Leben gerufen, das Zuger und ausländische Jugendliche begeistert.

Die Bilder haben alle gesehen: Flüchtlinge im Mittelmeer, verstörende Szenen an den Stränden, an den Grenzen, in den Lagern. Auch eine Handvoll Zuger Jugendliche hat sie gesehen. Und beschlossen, etwas zu unternehmen. «Für uns ist das ganz klar», sagt Konradin Franzini, «wir wollen jungen Flüchtlingen und anderen Ausländern eine Gelegenheit geben, sich integrieren zu können. Die führen auch ein Leben, die wollen auch an der Gesellschaft teilnehmen können.» Fabienne Bühler ergänzt: «Wenn wir mal flüchten müssten, wären wir auch froh, jemand würde uns helfen, Kontakt zu schaffen.»

Konradin ist 18 Jahre alt, Fabienne 17, zusammen mit Dawar Husseini (23), Luzian Franzini (20), Ronit Stössel (17) und Nicole Schmid (18) und mit etwas Anstosshilfe von der Jugendanimatorin Sandra Scheuber haben sie nun monatelang geplant und diskutiert, bis es endlich losgehen konnte. Vier Samstage lang sollen sich im Jugendzentrum Industrie45 Jugendliche und junge Erwachsene treffen können, zusammen Spiele spielen und kochen und ganz allgemein «etwas zusammen erleben», sagt Konradin.

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«Wir wollten das so gestalten, dass es auch den ausländichen Jugendlichen gefällt.»

Konradin Franzini

Das Projekt heisst «Jugend überwindet» – und scheint seinem Namen alle Ehre zu machen. Diesen Samstag ist es bereits das zweite Mal so weit; beim ersten Versuch vor zwei Wochen sind 40 Leute aufgekreuzt. «Jetzt hoffen wir, dass es noch mehr werden», sagt Ronit, «wir haben auf Facebook Werbung gemacht.» Fabienne lacht und sagt: «Und damit sogar Leute in England und Indien erreicht.» Die Botschaft ist klar und begeisternd genug, nur an der eigenen Schule hat’s offenbar nicht besonders gut funktioniert. Ronit und Fabienne gehen in dieselbe Klasse. Sie hatten versucht, ihre Schulkameraden zum Kommen zu überreden. «Aber das war eine zu grosse Masse von Leuten, das kam nicht so gut an.» Viel besser funktioniert der Anlass über Flyer und auf Facebook.

Gut angekommen ist die Idee auch bei den ausländischen Schülern der Brückenangebote IBA. «Wir haben sie vorher auch besucht und mit ihnen besprochen, wie das Programm aussehen könnte», sagt Konradin. «Wir wollten das so gestalten, dass es auch den ausländichen Jugendlichen gefällt.» Mit Erfolg: Rund die Hälfte der Teilnehmenden am ersten Event waren Flüchtlinge und andere Jugendliche mit Migrationshintergrund. Die zum Teil gar kein Deutsch sprechen.

Was redet man da miteinander?

Das klingt zwar gut, aber auch anstrengend. Wie überwinden die Jugendlichen die Sprachbarriere? «Mit diesen Menschen ist das gar kein Problem», sagt Konradin und lacht, «die sind viel offener als wir Schweizer, die kommen sofort auf einen zu und fangen an zu erzählen.» Und man fände schnell ein Thema, das beide interessiere, sagt Fabienne: «Es gibt ja immer Dinge, die uns alle betreffen. Das hat letztes Mal sehr gut geklappt.»

Im Video erklären die fünf Jugendlichen, weshalb sie «Jugend überwindet» veranstalten:

Das klappt, auch weil es was zu tun gibt. Die Jugendlichen haben Aktivitäten vorbereitet: Es gibt ein Kochteam, das bis um 17 Uhr für alle Anwesenden das Abendessen kocht. «Das hat Spass gemacht», sagt Dawar. Er war im Team dabei, «wir sind durch die Stadt gezogen und haben zusammen eingekauft». Und nachher gekocht und aufgetischt. Für alle anderen gibt’s Spiele: Diesmal ein Quiz mit Musik, «damit wir die Leute packen können», sagt Konradin. Wichtig sei, dass man zusammen etwas zu tun habe, sagt Ronit, eine Aufgabe. «Dann kommt man automatisch ins Gespräch.»

Alles ganz legal

Für die zweite Ausgabe gibt es nicht nur Spiele, sondern auch einen Graffiti-Workshop – alles ganz legal. Die fünf Jugendlichen sind keine heimlichen Sprayer oder geben es zumindest nicht zu. Aber die Idee ist gut angekommen. «Die Industrie45 ist ein sogenannter Hotspot», erklärt Jugendanimatorin Sandra Scheuber, «hier ist es legal zu sprayen. Damit können wir auch gleich die Regeln kommunizieren.» Und beim Sprayen Kontakte schliessen: «Das passt gut», sagt Fabienne, «da können die Leute zusammen malen und sich kennenlernen.»

Wenn alles gut geht, wollen die Jugendlichen das Projekt weiterziehen. «Wir hoffen, dass jedes Mal mehr Leute kommen, damit das weiterleben kann», sagt Ronit. «Wenn sich genug Leute dafür interessieren und wir Unterstützung bekommen, könnte das Projekt auch in Zukunft noch existieren.»

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