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Die jungen Anständigen
  • Politik
Wollen keine Polemik, sondern Kompromisse: Der Vorstand der JCVP. In der Mitte vorne steht Präsident Christoph Iten. (Bild: zvg )

Eine neue Zuger Partei wurde gegründet Die jungen Anständigen

4 min Lesezeit 06.02.2015, 10:30 Uhr

Entstanden ist sie auf Wunsch der Senioren in der CVP, frech will sie trotzdem sein: Am Wochenende wurde die Junge CVP Zug gegründet. Ihr Präsident erklärt im Interview, warum es schwierig ist, junge Menschen für die politische Mitte zu gewinnen. Und warum seine Jungpartei trotzdem in den Nationalrat will.

zentral+: Herr Iten, was ist von der JCVP zu erwarten – sind Sie die jungen Braven?

Christoph Iten: Nein, das klingt etwas gar langweilig. Wir sind vielleicht die Anständigen. Wir sind nicht so polemisch wie die jungen Links- und die jungen Rechtsparteien. Es geht uns nicht darum, mit dem Finger auf Dinge zu zeigen und zu sagen, das läuft falsch. Wir wollen Kompromisse und Lösungen suchen.

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zentral+: Das klingt sehr erwachsen, kann die Junge CVP auch frech sein? Oder ist sie einfach eine jüngere Ausgabe der Mutterpartei?

Iten: Wir wollen natürlich auch frech sein, das ist von der Mutterpartei auch gewünscht. Als Jungpartei hat man natürlich etwas mehr Narrenfreiheit. Wir wollen die Themen und Ansichten der Jungen vertreten. Aber es ist schon schwierig als junge Mittepartei: Die jungen Linken können einfach noch etwas mehr links sein als ihre Mutterpartei, die Junge SVP noch etwas stärker rechts, die Junge FDP noch etwas liberaler. Wir können schlecht noch etwas stärker in der Mitte sein als unsere Mutterpartei. Oder noch christlicher.

zentral+: Das Christliche, passt das überhaupt zu jungen Leuten?

Iten: Ich glaube die christlichen Grundwerte passen nach wie vor sehr gut, auch für viele junge Leute. Das heisst ja nicht direkt, dass man sehr gläubig sein muss und regelmässig in die Kirche geht.

zentral+: Was sind das für Menschen in der JCVP?

Iten: Das ist eine ganz bunte Mischung, Leute die mit beiden Beinen im Berufsleben stehen, aber auch Studenten. Wir möchten natürlich mit der JCVP auch die Hemmschwelle für Politinteressierte senken, einer Partei beizutreten.

zentral+: Wie kann sich denn die JCVP profilieren?

Iten: Das wird sich zeigen, wir haben die Gründung relativ schnell vorbereitet, jetzt geht es daran, unsere Ausrichtung zu diskutieren. Die Grundwerte der CVP, hinter denen stehen wir alle. Wir wollen in der Mitte sein und echte Lösungen suchen.

zentral+: Was heisst denn Mitte für die Junge CVP? Ihre Mutterpartei ist ja zum Beispiel gerade in Zug sehr wirtschaftsfreundlich.

Iten: Was heisst Mitte? Das ist eine gute Frage (lacht). Es heisst wohl, nicht nur rückwärts zu schauen und das Wachstum zu kritisieren, und auch nicht nur nach vorne zu schauen. Denn dann verliert Zug seine Identität. Es braucht alle Sichtweisen.

«Es wäre sehr cool, wenn wir einen Nationalratskandidaten stellen könnten»

Christoph Iten, Präsident JCVP

zentral+: Die CVP hat ja mit ihren Familienthemen auch eine linke Seite. Spricht vor allem sie die jungen CVPler an?

Iten: Die Familienpolitik ist kein linkes Thema. Auch die SVP hat ja schweizweit unsere Familieninitiative befürwortet. Sie ist aber bestimmt ein Thema, das auch uns Jüngere interessiert: Wir haben zwar noch keine Familien, aber das ist bei vielen der nächste Schritt.

zentral+: Die CVP war jahrzehntelang die Machtzentrale in den Zentralschweizer Kantonen. Können denn die jungen CVPler mit der Konservativität dieser alten Partei etwas anfangen?

Iten: Ich glaube das ist ein falsches Bild der CVP. Wir sind nicht konservativ, sondern offen für neue Ideen. Natürlich gibt es immer einige alte Hasen, die an ihren Rezepten festhalten. Generell ist die CVP aber sehr offen gegenüber den Anliegen der jüngeren Generation. Immerhin ist unsere Partei ja auch wegen eines Inputs der CVP60+ entstanden. Sie wollten einen jungen Gegenspieler haben.

zentral+: Die JCVP ist zwar die jüngste Jungpartei, aber auch die mit den meisten politischen Amtsträgern: Zwei Kantonsrätinnen und mit Ihnen ein Grosser Gemeinderat. Wird es schwieriger für Ihre Mitgleider, solche Ämter in Zukunft zu erreichen, jetzt wo sich die jungen CVPler von der Mutterpartei lösen?

Iten: Entscheidend ist, dass man gute Personen hat. Ob wir dann in vier Jahren mit eigenen Listen antreten können, wird sich zeigen. Aber gerade jetzt im Vorfeld der Nationalratswahlen ist das natürlich für uns ein Thema. Es wäre sehr cool, wenn wir einen Nationalratskandidaten stellen könnten. Ob und wie wir das tun, müssen wir aber erst noch ausdiskutieren.

zentral+: Kaum gegründet, schon wollen Sie einen Nationalratskandidaten stellen?

Iten: Naja, man muss das auch realistisch betrachten, wir haben natürlich kaum eine Chance um ernsthaft an den Stühlen der Bisherigen zu rütteln. Aber es wäre auf jeden Fall wichtig, dass wir einen oder gar mehrere Kandidaten aufstellen könnten. Wir haben gute und sehr engagierte Leute, die etwas drauf haben.

 

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