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Der Biernachschub kommt auf dem Lastenvelo
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Das praktischste Transportmittel von der Alt- in die Neustadt: Rathaus-Braumeister Reinhard Knispel auf dem Lastenvelo. (Bild: zvg)

Luzerner Betriebe entdecken das Cargobike Der Biernachschub kommt auf dem Lastenvelo

5 min Lesezeit 1 Kommentar 08.01.2020, 11:30 Uhr

200 Kilogramm Getränkenachschub: Dafür braucht es in der Stadt keinen Lastwagen, das schafft auch ein Cargobike. Gerade innerhalb der Stadt Luzern werden Lastenvelos immer beliebter. Auch dank der Sharing-Angebote.

Kürzlich vor dem Restaurant Helvetia in der Luzerner Neustadt: Vor dem Eingang parkt ein Lastenvelo mit Biertanks beladen und bringt Nachschub. Das Bier kommt aus der Rathaus-Brauerei, zu der das «Helvetia» wie auch der Stadtkeller gehören.

Es ist ein noch ungewöhnliches Bild, denn meist sorgen motorisierte Lastwagen für die Lieferung von Esswaren und Getränken. Doch elektrisch betriebene Lastenvelos sind für die Innenstadt eine valable Alternative – gerade wenn die Distanz zwischen Alt- und Neustadt wie im Fall der Rathaus-Brauerei nur gerade knapp einen Kilometer beträgt.

«Das ist für die Werbung unschlagbar.»

Reinhard Knispel, Braumeister

Das hat auch die Gambrinus-Gruppe gemerkt: Sie liefert ihr Bier von der Brauerei ins «Helvetia» mit dem Lastenvelo. In den nahen «Stadtkeller» führt übrigens eine Bierpipeline – in die Neustadt wär die Distanz dafür aber zu lang. Braumeister Reinhard Knispel fährt darum die Strecke im Schnitt zweimal pro Woche – im Sommer auch öfter – mit dem Lastenrad.

Parkplatzsuche fällt weg

Es sind pragmatische Gründe, die für das Cargovelo sprechen: «Ich muss keinen Parkplatz suchen, kann einfacher in die Altstadt fahren und ich bin sogar schneller», sagt der gebürtige Münchner. Acht 20-Liter-Tanks kann er laden, rund 200 Kilogramm Gewicht. Trotz Elektrounterstützung muss er da ordentlich in die Pedale treten, aber auf der flachen Strecke gehe das.

Die Nachhaltigkeit stand beim Entscheid nicht im Vordergrund, gibt Knispel zu, vielmehr waren es praktische Gründe. Klar ist aber: «Wir generieren dadurch viel mehr Aufmerksamkeit. Das ist für die Werbung unschlagbar», sagt Knispel.

Das Bier-Lastenvelo im Video:

Auch die Sommerbar Nordpol beim Reusszopf lässt sich ihre Menüs klimafreundlich per Velo von der Stadt zur Buvette auf Emmer Boden liefern. Distanz: immerhin gut zweieinhalb Kilometer.

Sowieso setzen die Betreiber auf Nachhaltigkeit, wollen unnötige Transporte vermeiden und rufen ihre Kundschaft auf, mit dem Velo anzureisen. Dafür ist die flache Anfahrt der Reuss entlang geradezu ideal.

Das «Nordpol»-Cargovelo im Video:

Fitter und flexibler

Bei immer mehr (Gastro-)Betrieben kommen Elektrotreter statt motorisierten Lieferwagen zum Einsatz: beim «Dieci»-Pizzakurier an der Obergrundstrasse, in der Zwischennutzung Neubad, als Shopping-Taxi der IG Arbeit, beim Restaurant Libelle an der Maihofstrasse oder beim Quai4-Markt.

«Cargo-Bikes fallen im Strassenverkehr auf – als Vorbild für das Gewerbe und Private!»

Thomas Beck, IG Arbeit

Die IG Arbeit mit ihren verschiedenen Gastro-Betrieben und Dienstleistungen setzt für Lastentransporte in der Stadt schon seit knapp zehn Jahren auf E-Bikes – bisher mit Anhänger. Cargo-Bikes seien der Lösungsansatz für verstopfte Strassen und ein Plus für die Umwelt, ist Thomas Beck, Leiter der Mobilen Dienste bei der IG Arbeit überzeugt. «Unsere Kuriere sind bei dichtem Verkehr viel schneller und effizienter als alle anderen Transportfahrzeuge. Mit dem Auto steht man sehr schnell im Stau.»

Bald rüstet die IG Arbeit auf und wird ihr erstes «echtes» Cargo-Bike in Betrieb nehmen. Vorteile: Damit lassen sich höhere Gewichte und grössere Volumen transportieren. «Zudem fallen Cargo-Bikes im Strassenverkehr auf. Als Vorbild für das Gewerbe und Private!», so Beck.

Mit Gepäck und Hund

Beim Restaurant Libelle der SAH Zentralschweiz steht das Lastenvelo gleich vor der Haustür – und wird rege genutzt: für Caterings, Botengänge in die Innenstadt oder von Mitarbeitern. Der «Lastenvelo-Delegierte» der «Libelle», John Botzen, ist selber oft mit Hund auf dem Cargobike unterwegs. Die Vorteile liegen für ihn auf der Hand: Es verbessere die Mobilität, reduziere die Umweltbelastung im Quartier, mache fit und flexibel. «Und es bringt die Menschen zusammen», sagte er gegenüber der Migros, die das Cargoangebot unterstützt.

Andere Getränke- oder Gastrobetriebe sind (noch) zurückhaltender und fahren nach wie vor motorisiert. Zwar hat auch die Eichhof-Brauerei ein nichtmotorisiertes Gefährt im Einsatz, dort sorgt aber die nostalgische Pferdekutsche für Aufsehen.

Solche Cargobikes kann man in Luzern an acht Standorten ausleihen – hier demonstriert von der «Neubad»-Co-Leiterin Michelle Grob.

Nachfrage steigt

Auch wer privat etwas transportieren muss – Bierharassen, Grosseinkäufe, Entsorgungen, seine Kinder – muss nicht zwingend auf das eigene Auto oder Carsharing zurückgreifen: Auf Luzerner Stadtgebiet stehen an acht Standorten seit zweieinhalb Jahren Elektro-Cargobikes zum Ausleihen bereit, einen Standort gibt’s in Kriens. Doch kennen immer noch nicht alle dieses Angebot mit Namen Carvelo2Go (zentralplus berichtete). Ähnlich wie bei Mobility kann man die Lastenvelos stundenweise via App buchen.

«Es gibt einige kleine Unternehmen, die Cargovelos für sich entdeckt haben.»

Mirijam Stawicki, Carvelo

Hinter dem Angebot steckt Carvelo, die Schweizer Lastenvelo-Initiative, an der unter anderem der TCS beteiligt ist. Carvelo setzt sich schweizweit für die stärkere Nutzung von Cargobikes ein.

Projektleiterin Mirjam Stawicki sagt auf Anfrage, dass die Transportvelos in Luzern im Schnitt 10- bis 15-mal pro Monat und Standort ausgeliehen würden – Tendenz steigend. Eine durchschnittliche Miete dauere knapp zwölf Stunden, oft sogar mehrere Tage. Mit dieser Auslastung sei Carvelo «sehr zufrieden».

John Botzen vom Restaurant Libelle in Luzern mit seinem Hund auf dem Cargobike.

Was braucht es für den Durchbruch?

In Städten wie Basel, wo Cargobikes schon bekannter sind, erreichen gewisse Standorte 30 Mieten pro Monat oder mehr. Die Cargovelo-Hochburgen sind daneben Zürich und Genf. In Luzern liegt die Auslastung etwas höher als in vergleichbaren Städten wie St. Gallen oder Winterthur.

Hauptsächlich Private nutzen das Angebot der Lastenvelos. «Es gibt aber auch einige kleine Unternehmen, die Carvelo2go für sich entdeckt haben. In diesem Bereich verzeichnen wir ein wachsendes Interesse und grosse Potenziale – Stichwort nachhaltige City-Logistik», sagt Stawicki.

Trotzdem: Biertransporte auf dem Velo sind noch die Ausnahme. Trotz grüner Welle und Greta-Effekt. Was braucht es noch, um dem Cargovelo zum Durchbruch zu verhelfen?

«Wir würden gerne noch intensiver kommunizieren, sind aber mit begrenzten Mitteln konfrontiert», so Stawicki. Jedoch ist sie überzeugt, dass durch Mund-zu-Mund-Propaganda, Social-Media-Kanäle, Anlässe und Medien das Angebot bekannter wird.

Carvelo arbeitet gezielt auch mit Städten zusammen und bietet neu für Siedlungen und KMUs ein Partnerschaftsmodell an, um Cargobikes schmackhaft zu machen. «Ebenso wie Familien mit Kindern oder autofreie Haushalte gehören die Firmen zu unseren Zielgruppen», so Stawicki.

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1 Kommentare
  1. Andreas, 14.01.2020, 08:18 Uhr

    Cool 🙂 Es gibt in der Stadt Luzern sogar die ersten Cargobike Touren der Schweiz

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