FCL-Teammanager Dante Carecci hat in den Tagen vor dem Trainingslager in Andalusien viele Kisten schleppen müssen. (Bild: ain)
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FCL-Teammanager Dante Carecci hat in den Tagen vor dem Trainingslager in Andalusien viele Kisten schleppen müssen. (Bild: ain)

So organisiert die gute Seele des FCL das Trainingslager

9min Lesezeit

Am Freitag verreisen René Weiler und seine Mannen nach Andalusien, um sich für die zweite Saisonhälfte in der Super League in Schwung zu bringen. Acht Tage dauert das Trainingslager. Schon seit Monaten ist FCL-Teammanager Dante Carecci kein Aufwand zu viel, damit vor Ort alles reibungslos funktionieren wird.

Es ist Mittwoch, die Mittagszeit naht. Unmittelbar vor dem Spielereingang der Swissporarena steht ein Kleinlastwagen eines Logistikunternehmens. Dante Carecci wuchtet Kisten und Taschen auf die Ladefläche, ein Helfer verstaut alles. So, dass es sicher und schadlos transportiert werden kann. Auf «700 bis 900 kg» schätzt der 53-jährige Teammanager des FCL das Gewicht der Fracht.

Auf den Fahrer wartet eine lange Reise. Es geht nach Andalusien. Ins La Cala Resort in Mijas, zwischen Fuengirola und Marbella gelegen. Gut 2’000 Kilometer von Luzern entfernt. Dort bereitet sich der derzeit Fünfte der Super League intensiv auf die Rückrunde vor. Der Kleinlastwagen hat alles geladen, was der FC Luzern für seine Arbeit in den acht Tagen bis zum 18. Januar benötigt. «Zielvorgabe für den Fahrer ist, dass er am Freitagmorgen zwischen 8 und 9 Uhr beim Hotel ablädt», sagt Carecci.

2’035 Strassenkilometer liegen zwischen Luzern und dem andalusischen Mijas.
2’035 Strassenkilometer liegen zwischen Luzern und dem andalusischen Mijas. (Bild: Screenshot Google Maps)

Die Prioritätenliste der Luzerner

Vom FCL wird zu dieser Zeit noch niemand vor Ort sein. Der Linienflug mit der 45-köpfigen Luzerner Delegation landet voraussichtlich erst am Freitagmittag in Malaga. Aber das spielt keine Rolle. Carecci hat alles bis ins kleinste Detail organisiert. «Im Hotel wissen sie, was mit unserem Material zu tun ist. Und sie haben für uns auch einen Materialraum mit Gestellen und Tischen vorbereitet.» Das in den Bergen gelegene Resort hat Erfahrung mit der Beherbergung und Betreuung von Profimannschaften. Zwei Tage, bevor der FCL einchecken wird, endet das Trainingslager des holländischen Erstligisten PEC Zwolle.

Die Nobelherberge haben sich die Luzerner zum zweiten Mal in Folge für die Durchführung ihres Trainingslagers ausgesucht. Weil alles geboten wird, was in der Prioritätenliste von Cheftrainer René Weiler aufgeführt ist. Carecci erläutert: «Das Wichtigste ist ein Fussballplatz in einem sehr guten Zustand, der uns exklusiv zur Verfügung steht.» So muss der FCL auf niemanden sonst Rücksicht nehmen. Kann trainieren, wann und so oft er will. Und die Assistenten von Weiler haben genügend Zeit, um eine Trainingseinheit vorzubereiten. «Weil der Fussballplatz in der Nähe des Hotels liegt, können sich die Spieler in ihrem Zimmer umziehen.»

Testspiel-Gegner muss verfügbar sein

Auf Platz 2 der Prioritätenliste ist der Komfort, den das Hotel bietet. Es grenzt nicht nur an die mit drei 18-Loch-Plätzen grösste Golfanlage Spaniens, es verfügt auch über Swimmingpools und ein luxuriöses Spa. «Des Weiteren sind uns erstklassiges Essen und ein guter Service wichtig», hält Carecci fest. Einen eigenen Koch haben die Luzerner nicht dabei. Aber Carecci hat dem Chefkoch des Resorts einen detaillierten Menüplan mitgeteilt. Und er kontrolliert vor jeder Mahlzeit die Qualität des Essens. «Ich bin sozusagen der Vorkoster. Für die Spanier ist es nicht immer ein Leichtes, die Teigwaren al dente zu kochen», erzählt der gebürtige Zürcher mit italienischen Wurzeln.

«Ich könnte viele lustige Storys erzählen. Die würden für ein ganzes Buch reichen.»

Dante Carecci, Teammanager des FC Luzern

Wichtig ist den Luzernern auch, dass in der näheren Umgebung von Malaga eine weitere Profimannschaft ihr Trainingslager ausrichtet. «Sonst können wir kein Testspiel, das eine Herausforderung für unsere Spieler ist, abhalten.» Heuer heisst der Gegner Steaua Bukarest. Am Tag vor ihrer Abreise (17. Januar, 15.30 Uhr) messen sich die Luzerner mit den Rumänen im La-Cala-Resort.

Reiseleiter bringt Zimmerschlüssel an den Flughafen

Es mahnt an eine Generalstabsübung, wenn Carecci skizziert, wie detailliert er die Durchführung eines Trainingslagers vorbereitet und umsetzt. Im Sinne einer Kostenoptimierung bucht er spätestens im Juli die Flugtickets für die Mannschaft, den Staff und die Klubleitung nach Malaga. «Je früher, umso günstiger», weiss er. Im September teilt er dem Hotel haarklein die Bedürfnisse der Luzerner mit (zum Beispiel Materialraum, Essen, Waschen der Trainingsbekleidung usw.). Im November steht die Detailplanung des mitzunehmenden Materials an. «Ich frage den Trainer, die Assistenten, den Goalietrainer, den Kondi-Coach, die Physiotherapeuten und den Arzt an, was sie mit nach Marbella nehmen wollen.» Da kommt eine ganze Menge zusammen. Dinge wie unterschiedlich hohe Hürden, Stangen, Bälle, Elektrogeräte, Pulsuhren, Trikots für Testspiele, um nur eine beliebige Auswahl zu nennen.

Darüber hinaus bespricht er sich mit dem Reiseleiter vor Ort, um ihm die Wünsche der Luzerner durchzugeben. «Stellen Sie sich vor, wie lange es dauert, wenn auf einen Schlag rund 50 Leute in einer Hotellobby zum Einchecken erscheinen. Deshalb wollen wir, dass uns der Reiseleiter die Zimmerschlüssel an den Flughafen in Marbella bringt. Im Car verteile ich sie dann und jeder Spieler kann im Resort sogleich sein Zimmer beziehen», nennt Carecci eine Aufgabe des Organisators, mit dem der FCL schon seit Jahren zusammenarbeitet.

Auch der Platzwart wird über den Trainingsplan der Luzerner in Kenntnis gesetzt. Ergibt sich eine zeitliche Verschiebung, informiert ihn Carecci am Vorabend. Sein grosser Vorteil ist, dass er Spanisch beherrscht und die Mentalität der Spanier kennt. «Es ist ratsam, seine Bedürfnisse rechtzeitig anzumelden. Kurzfristigkeit liegt den Spaniern weniger.»

Vor einem Jahr freute sich Lucas Alves (vorne, neben ihm der damalige Teamkollege Derek Kutesa und hinten Dante Carecci) auf die Trainingseinheit in Mijas.
Vor einem Jahr freute sich Lucas Alves (vorne, neben ihm der damalige Teamkollege Derek Kutesa und hinten Dante Carecci) auf die Trainingseinheit in Mijas. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus)

Schlaflose Nächte plagen Carecci schon lange nicht mehr

Die 700 bis 900 kg Material, die mit einem Transporter nach Mijas verfrachtet werden, muss Carecci fein säuberlich auflisten. Weil die Schweiz nicht EU-Mitglied ist, muss beim Grenzübertritt in Basel alles verzollt werden. «Vier A4-Blätter umfasst das komplette Listing», erzählt er gelassen.

Kurz vor Beginn des Trainingslagers plagen Carecci keine unruhigen Nächte, weil ihm Gedanken, ob er an alles gedacht und nichts vergessen habe, durch den Kopf jagen. «Früher war das schon noch so», gibt er offen zu, «aber dank meiner Erfahrung in diesem Job schon lange nicht mehr. Etwas Wichtiges habe ich noch nie vergessen. Und Kleinigkeiten kann man sich ja auch vor Ort besorgen.»

Es war Ende der 1990er-Jahre, als der technische Kaufmann und Nachwuchstrainer bei den Grasshoppers das Amt des Administrators und Teammanagers der Profimannschaft übernahm. Ab Sommer 2009 arbeitete Carecci für die Mannschaften von Fredi Bobic (Manager von Eintracht Frankfurt) und Krassimir Balakov in Bulgarien. Bei seiner Rückkehr in die Schweiz stellte er sich in den Dienst der AC Bellinzona. Und nun arbeitet er seit fünf Jahren beim FC Luzern.

FCL-Teammanager hat viel Verrücktes erlebt

Das bedeutet während der Saison: Erreichbarkeit rund um die Uhr, meist sieben Tage die Woche. Nur selten kann er sich einen halben Tag frei nehmen, um mit seiner Frau auszuspannen. Gerade auch im FCL-Trainingslager in Andalusien laufen bei ihm die Fäden zusammen. Er kümmert sich um alles, was neu organisiert, überprüft oder beschafft werden muss. «Die Spieler, Trainer und Staffmitglieder wissen, dass sie mit all ihren Wünschen zu mir kommen können. Und ich versuche alles, um sie auch zu erfüllen.» Es ist ein anspruchsvoller und fordernder Job, der ihm aber auch nach 20 Jahren «noch immer viel Spass bereitet», sagt er mit einem fröhlichen Lachen.

Carecci ist die gute Seele im FCL. Die Spieler bedanken sich für seine Dienste schon mal mit einer Einladung zum Mittagessen oder einem Geschenk. «Dabei», bemerkt er bescheiden, «würde mir schon ein Dankeschön völlig ausreichen.»

In seinen 20 Jahren als Teammanager für Trainer wie Marcel Koller, Bidu Zaugg oder Alain Geiger hat er schon viel Verrücktes erlebt. Ein Beispiel dafür möchte Carecci nicht erzählen. Diskretion ist in seinem Job oberstes Gebot. «Ich könnte viele lustige Storys erzählen. Die würden für ein ganzes Buch reichen», sagt er schmunzelnd.

Vielleicht macht ihn ja das FCL-Trainingslager um eine neue Episode reicher. Sicher ist: Carecci würde es nicht aus der Fassung bringen. Dafür ist er schon zu lange im Geschäft.

Hinweis: zentralplus ist Medienpartner des FC Luzern.

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