Das Kaffeeangebot am Bahnhof Luzern ist gross. Doch nicht alle vermochten zu überzeugen. (Bild: bic)
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Das Kaffeeangebot am Bahnhof Luzern ist gross. Doch nicht alle vermochten zu überzeugen. (Bild: bic)

Kaffee «To Go» am Bahnhof: Der Beste und der Günstigste

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An praktisch jeder Ecke im Bahnhof Luzern gibt es heute Kaffee zum Mitnehmen. Folglich hat man die Qual der Wahl. Wir wissen, wo es besonders schnell geht, wo der Kaffee kultig daher kommt – und wo der Take Away-Kaffee am günstigsten zu haben ist.

Die Schweizer, ein Volk von Pendlern. 14,8 Kilometer legen die Schweizer jeden Tag im Durchschnitt für ihren Arbeitsweg zurück. 17 Prozent benutzen dafür die Eisenbahn. Und die Anzahl Zugpendler nimmt gemäss den Statistiken stetig zu.

Dass sich mit Pendlern, oder besser gesagt mit deren Bedürfnissen, gerade an Banhhöfen ein Geschäft machen lässt, ist wohl hinlänglich bekannt. Und wo eine Nachfrage besteht, wird meist sogleich ein Angebot geschaffen. So auch am Bahnhof Luzern. Hier gibt es zahlreiche Angebote für Take-Away-Kaffees. Für viele Pendler ist der morgendliche Koffeinschub aus dem Becher heute kaum mehr wegzudenken. Doch für welchen Kaffee soll man sich nun entscheiden?

zentralplus hat am Bahnhof Luzern acht verschiedene Milchkaffees in einem nicht repräsentativen Test auf Herz und Nieren geprüft. Schlaftrunken an einem kalten Wintermorgen. Über Geschmack lässt sich zwar bekanntlich streiten. Nichtsdestotrotz offenbaren sich grosse Unterschiede. Genauso wie beim Preis.

Bäckerei Hug: Der Schnelle

Die Schale der Bäckerei Hug vermochte die nach Koffein Lechzenden an diesem Morgen nicht zu überzeugen. Zwar ist der Kaffee mit 3,60 Franken relativ günstig, der Becher dafür aber vergleichsweise klein. Den Geschmack empfinden wir als eher wässrig und Schaum sucht man auf dem Kaffee vergeblich. Unter einer Schale stellen wir uns etwas Anderes vor.

Dafür ist das Personal hier sehr flott unterwegs. Kurz nach 7 Uhr morgens dauert es vom Betreten des Geschäfts bis zur Herausgabe des Kaffees nur 1 Minute und 10 Sekunden. Wenn's wirklich schnell gehen muss, ist Hug eine sehr gute Wahl.

Tibits: Der Kräftige

Im morgendlichen Stress ist das Restaurant Tibits im OG des Bahnhofes für viele Pendler wohl nicht erste Wahl. Wer sich aber die Zeit nimmt, mit der Rolltreppe nach oben zu fahren, wird dafür entsprechend belohnt. Auch wenn der Kaffee hier teurer ist als an allen anderen Orten im Bahnhof Luzern. Mit 4,60 Franken bezahlt man im Tibits sogar für die kleine Schale noch über einen Franken mehr, als beim günstigsten Anbieter. Mit 5,70 Franken für eine grosse Schale schwingt das Vegi-Restaurant deutlich oben aus. Dafür ist das Trinken ein Genuss. 

Unter dem schönen Schaum gibt es einen kräftigen und aromatischen Milchkaffee. Wer den Kaffee sehr heiss mag, kommt zusätzlich auf seine Kosten. Gesamthaft betrachtet nimmt man auch die vergleichsweise lange Wartezeit von 2,5 Minuten gerne in Kauf. Vielleicht auch für eine kurzen «small talk» mit dem sehr freundlichen Personal.

Der war lecker:

Coop: Der Nichtganzdichte

Bei Coop muss man den Milchkaffee in Eigenregie herstellen. Dies dauert zwar relativ kurz, jedoch verlieren wir beim Self-Checkout viel Zeit, da wir das Produkt auf dem Bildschirm erst suchen müssen. Unter «Backwaren» werden wir eher zufällig fündig. Als Resultat stehen wir rund zwei Minuten im Laden. Doch das grösste Ärgernis folgt noch. Der Deckel scheint irgendwie nicht wirklich auf den Becher zu passen.

Nach einer halben Minute geben wir es auf und verlassen das Geschäft mit dem halbherzig verschlossenen Milchkaffee, der im Gegensatz zu anderen Angeboten eher dünn und wässrig wirkt. Zudem gibt es fast keinen Schaum. Mit 2,90 Franken ist er dafür einer der günstigsten Milchkaffees am Bahnhof Luzern.

Confiserie Bachmann: Der Dunkle

Bei der Filiale am Kopf des Gleis 3 geht's auch kurz nach 7 Uhr morgens und einigen anstehenden Kunden rasch voran. Auch wenn noch etwas Zeit für das Auswählen des Produktes drauf geht. Das Personal ist aufgestellt. Bei Bachmann kann man zwischen einer dunklen und einer hellen Schale wählen. Trotzdem ist man nach gut 1,5 Minuten bereits wieder draussen.

Die gute Mischung aus Milch und Kaffee der dunklen Schale erfreut den Kaffeeliebhaber. Der relativ schöne Schaum rundet den durchaus gelungenen Milchkaffee für 3,90 Franken ab.

Zum Glück pendeln nicht alle mit dem Zug:

Brezelkönig: Der Günstige

Der billigste Milchkaffee am Bahnhof Luzern kostet gerademal 2,30 Franken. Zudem ist der Stand sehr günstig gelegen, wenn man vom Bahnhofplatz her kommt. Es geht auch zügig vorwärts. Weniger als 1,5 Minuten brauchen die zwei Mitarbeiter, um den Kaffee herzustellen und einzukassieren. Obwohl sich ein halbes Dutzend Leute vor der Theke tummeln.

Doch der tiefe Preis wirkt sich auf den Milchkaffee aus. Der Becher ist kleiner als die meisten Anderen und es fehlt der Schaum auf dem Kaffee. Zudem schmeckt das Produkt aus unserer Sicht fade und dünn.

Caffè Spettacolo: Der Schaumige

Rein optisch der beste Milchkaffee mit viel Schaum. So stellt man sich eine Schale vor. Dies liegt wohl aber auch daran, dass die Schale ohne Deckel gereicht wird. Den passenden Deckel muss man selber ausfindig machen und aufsetzen.

Verzichtet man jedoch darauf, dauert der Besuch im Lokal nur rund 80 Sekunden. Zudem kann sich auch der Geschmack kann sehen lassen. Der Mix stimmt und der Kaffe ist einigermassen kräftig. Mit 4,80 Franken ist der Milchkaffee im Spettacolo aber vergleichsweise teuer.

Nur schon optisch zeigen sich einige Unterschiede.
Nur schon optisch zeigen sich einige Unterschiede. (Bild: bic)

Kiosk UG: Der Kultige

Trotz seines eher hohen Preises von 4,70 Franken vermag uns dieser Milchkaffee nicht zu überzeugen. Der Milchanteil empfinden wir als zu hoch. Hinzu kommt die lange Herstellungszeit an der Selbstbedienungsmaschine der Kultmarke «Starbucks» von mehr als 2,5 Minuten.

Die sehr aufmerksame Mitarbeiterin, die uns wegen unserer vielen Becher beim Testen ertappt – was wir natürlich abstritten –  überreicht uns einen Kaffeepass (jeder siebte ist gratis). Deshalb kommt uns die Wartezeit trotzdem sehr kurz vor.

Migros: Der Unkomplizierte

Selbst Hand anlegen heisst es auch in der Migros. Das geht mit etwas mehr als 1,5 Minuten inklusive bezahlen am Self-Scanning-Gerät ziemlich zügig. Das problemlose einscannen des Strichcodes auf dem Becher trägt das seine dazu bei. Mit 2,80 Franken gehört der Milchkaffee des Grossverteilers zu den Günstigsten.

Die Schale schmeckt einigermassen ansprechend, obwohl man auch hier den Schaum suchen muss. Der vergleichsweise tiefe Preis von 2,80 Franken sowie die unkomplizierte Handhabung an Kaffeemaschine und Kasse macht die Schale aus der Migros zu einem passablen Angebot.

Praktisch und gut:

Allgemein waren wir überrascht und vor allem erfreut, wie schnell man überall zum ersehnten Koffeinkick kommt. Sogar dort, wo die Herstellung aufgrund der Qualität etwas länger dauert.

Ebenso waren wir aber auch erstaunt, wie gross die Unterschiede bei Qualität und Preis sind. Während einige Produkte einfach für die benötigte Portion Koffein genügen, kommt bei anderen auch im kalten, frühmorgendlichen Bahnhof fast Cafeteria-Stimmung auf.

Unser Fazit: Am Luzerner Bahnhof halten sich die Take-Away-Kaffees bei Preis und Qualität mehrheitlich die Waage.

«Kunden dürfen keine Qualitätseinbussen hinnehmen.»

zentralplus hat die Kaffeeexpertin Beatrice Rast zu ihren Erwartungen bezüglich Qualität von Take-Away-Kaffees befragt. Rast ist Mitglied der Geschäftsleitung der familieneigenen Gourmetrösterei «Rast Kaffee» mit Sitz in Ebikon.

zentralplus: Was darf der Kunde von einem Take-Away-Kaffee erwarten?

Beatrice Rast: Von einem Kaffee muss ein Kunde immer Vollendung erwarten. Kaffee ist ein Produkt, das es verdient, mit grösster Sensibilität und zugleich höchster Ambition behandelt zu werden. Immer und überall! Zu Hause, im Restaurant oder Take Away. Einem Kaffee – egal wo und wie getrunken – muss man immer anmerken, dass er mit Leidenschaft und Überzeugung zubereitet worden ist.

zentralplus: Was sind die entscheidenden Unterschiede zwischen «to go» und in einem Restaurant/Cafeteria?

Rast: Bei «to go» sind Sie beim Kaffeetrinken in Bewegung, im Restaurant sitzen Sie. Unterschiede in der Qualität darf es nicht geben. Kunden dürfen dies auch nicht hinnehmen.

zentralplus:  Sind Sie im Grossen und Ganzen mit dem «to go-Angebot» in der Schweiz betreffend Qualität zufrieden? Trinken Sie selber solchen Kaffee?

Rast: Das Qualitätsbewusstsein beim Kaffee steigt in der Schweiz ganz allgemein. Das ist gut und richtig so. Kunden verlangen nach gutem Kaffee, und die Gastronomen haben verstanden, dass guter Kaffee eine bedeutende Visitenkarte ist. Wenn der Kaffee nicht schmeckt, spricht sich das heute bei den Gästen sehr schnell herum. Wenn ich unterwegs bin, trinke auch ich Take-Away-Kaffee, aber immer nur bei unseren Kunden.

zentralplus: Wieso ist in den vergangenen Jahren ein Hype um Take-Away-Kaffee entstanden?

Rast: Take-Away-Kaffee lässt sich bestens in unser heutiges, rund um die Uhr dynamisches Leben integrieren. Wir sind immer auf dem Sprung, wollen aber auf das Kaffeetrinken als Ritual nicht verzichten.

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