Das Riesen-Areal am Chamer Alpenblick: Wo jetzt noch Amag seine Autos abstellt, wird sich Coop weiter ausdehnen mit einem grösseren Bau- und Möbelmarkt sowie mit einem weiteren Lebensmittelangebot. (Bild: woz)
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Das Riesen-Areal am Chamer Alpenblick: Wo jetzt noch Amag seine Autos abstellt, wird sich Coop weiter ausdehnen mit einem grösseren Bau- und Möbelmarkt sowie mit einem weiteren Lebensmittelangebot. (Bild: woz)

Staugefahr? Publikum stellt bohrende Fragen zum Chamer Verkehrskonzept

6min Lesezeit

Um 850 Pendler wächst das Gewerbegebiet Städtler Allmend in Cham und Steinhausen bis Ende 2019. 6000 Personen arbeiten dort jetzt schon. Führt das nicht zu weiteren Staus an der Alpenblick-Kreuzung? Die Erklärungsnot wächst.

Wolfgang Holz

«Was machen Sie denn dafür, dass der Verkehr künftig nicht völlig stillsteht an der Alpenblick-Kreuzung?» Marc Amgwerd, Leiter der Abteilung Verkehr und Sicherheit der Einwohnergemeinde Cham, wirkte etwas überrascht, ja geradezu überrumpelt von der Frage des besorgten Zuhörers in der «Amag Hall» am Dienstagabend.

Eigentlich war dort alles angerichtet, um den Neubau des Hauptsitzes der Amag zu feiern, den die Alfred Müller AG bis 2019 in der Städtler Allmend auf dem Sumpf errichtet (zentralplus berichtete). Die edlen Rotweinflaschen des zu erwartenden Apéros waren schon entkorkt und auf die Raumwärme des Gemäuers temperiert. Doch gleichzeitig sorgten immer kritischere, bohrende Fragen der geladenen Gäste dafür, dass die Fragerunde zum künftigen Verkehrskonzept immer heisser wurde.

Dabei hatte sich Amgwerd bemüht, mit ausführlichen Statistiken das Verkehrsverhalten der Schweizer im Allgemeinen und der Chamer im Besonderen zu dokumentieren. Doch der Schuss ging irgendwie nach hinten los.

Neuer Schweizer Rekord: 837 Fahrzeuge in Cham auf 1000 Personen

War es etwa der schweizweite Rekord der Chamer, die 837 Autos auf 1000 Personen besitzen, der die Gemüter der Zuhörer erregte? Oder war es die Zahl, dass um 18 Uhr im Gewerbegebiet Städtler Allmend die Verkehrspitze auf der Alten Steinhauserstrasse 451 Autos beträgt? War es die Nachricht, dass durch den Helix-Neubau der Alfred Müller AG neu 850 Mitarbeiter der Amag AG das Gewerbegebiet bevölkern? Oder die Ankündigung, dass das Gewerbegebiet langfristig bis zu 9000 Gewerbetreibende aufnehmen kann?

Die Zahlenflut sorgte jedenfall für Sorgenfalten unter den Zuhörern. Und die Hinweise Amgwerds, dass die Alpenblick-Verkehrskreuzung ja noch mit zusätzlichen Fahrspuren entlastet werden kann, verpufften irgendwie. Erst als Christoph Müller, Chef der Alfred Müller AG und Helix-Realisator, darauf hinwies, dass im zweistöckigen, unterirdischen Parkhaus der Überbauung nur 430 Parkplätze zur Verfügung stehen, beruhigten sich die Gemüter etwas.

84 neue Parkplätze für die Öffentlichkeit im Amag-Parkhaus

Ebenso beruhigend wirkte die Aussage von Amag-Geschäftsführer Beat Struchen, der erklärte, dass im neuen Amag-Parkhaus 480 Parkplätze gebaut werden – davon 84 für die Öffentlichkeit.

Das Konzert der Kräne: Hier wächst das «Helix-Projekt» der Alfred Müller AG in der Städtler Allmend in die Höhe. Die Amag AG verlagert zieht Ende 2019 mit ihrem Hauptsitz Import ein und schafft so 850 neue Arbeitsplätze in Cham.
Das Konzert der Kräne: Hier wächst das «Helix-Projekt» der Alfred Müller AG in der Städtler Allmend in die Höhe. Die Amag AG verlagert zieht Ende 2019 mit ihrem Hauptsitz Import ein und schafft so 850 neue Arbeitsplätze in Cham. (Bild: woz)

Verkehrskonzepte haben es in Cham anscheinend einfach nicht leicht. Das zeigte auch der Hinweis von Amgwerd, dass nach wie vor fünf Beschwerden – darunter die vom VCS – hängig sind beim Verwaltungsgericht. Diese betreffen die geplante Umfahrung Cham-Hünenberg. Der Chamer Bypass wurde ja bekanntlich 2007 an der Urne vom Souverän mit hauchdünner Mehrheit abgesegnet und fristet seitdem ein St. Nimmerleins-Dasein.

Umfahrung Cham-Hünenberg kommt frühestens 2025

Im besten Fall kann nun damit gerechnet werden, das die Umfahrung 2025 fertiggestellt wird. Dann soll beim Alpenblick auch ein neuer Verkehrsknoten gebaut werden – der «Duggeli»-Knoten.

Ansonsten herrscht eitel Sonnenschein im 300'000 Quadratmeter grossen Gewerbegebiet, das zu zwei Dritteln zu Cham und zu einem Drittel zu Steinhausen gehört. Chams Gemeindepräsident Georges Helfensstein sprach von einem «aufstrebendem Arbeitsgebiet». Seine Steinhauser Amtskollegin, Gemeindepräsidentin Barbara Hofstetter, redete von einer «rasanten Entwicklung».

Fakt ist, dass die Amag AG ihren Hauptsitz für das Importgeschäft in zwei der vier fünfgeschossigen Neubauten der Helix-Überbauung verlagern wird. Damit werden die bisherigen Standorte in Schinznach, Buchs, Dällikon und Zürich aufgegeben und in Cham zentralisiert.

Nordstream AG kommt in den «Rigiblick»

Seit April 2017 wird an der Alten Steinhauserstrasse das Projekt Helix gebaut. Die vier Geschäftshäuser mit grünem Innenhof weisen eine Nutzfläche von rund 23'000 Quadratmeter aus. In zwei der Häuser wird, wie gesagt,  Ende 2019 die Amag Gruppe als Grossmieterin einziehen. Die beiden noch nicht vermieteten Gebäude mit insgesamt 11'615 Quadratmeter Fläche sollen ab 1. Februar 2020 bezugsbereit sein.

Auch die beiden Geschäftshäuser «Rigiblick» in Steinhausen, mit einer total vermietbaren Fläche von 4'048 Quadratmetern, konnten langfristig an zwei international tätige Firmen vermietet werden. Es sind die «Nordstream 2 AG» per 1. Januar 2019 sowie die «E.G.O.» per Februar 2019.

Das Gewerbegebiet Städtler Allmend, das rund 300'000 Quadratmeter gross ist und zu zwei Dritteln auf Chamer und zu einem Drittel auf Steinhauser Boden liegt.
Das Gewerbegebiet Städtler Allmend, das rund 300'000 Quadratmeter gross ist und zu zwei Dritteln auf Chamer und zu einem Drittel auf Steinhauser Boden liegt.

Und das ist noch nicht alles. Stephan Häusler, Mitglied der Geschäftsleitung der Heinz Häusler AG, gab derweil Details des Bebauungsplans Hinterberg Süd bekannt. Hier expandieren «Coop», die «Heinz Häusler AG» und «Holcim» in grossem Stil (zentralplus berichtete). Dieser Bebauungsplan über das letzte grosse «Filetstück» direkt am Alpenblick wird noch im laufenden Jahr abgeschlossen. Danach startet mit dem Siegerprojekt die Ausarbeitung des Bebauungsplans. Das Projekt soll 2019 an die Urne kommen.

Coop und Häusler planen auf dem Areal

Kurz zusammengefasst ist seitens Coop eine neuer Bau&Hobby-Markt geplant, ein Toptip (Möbel und Accessoires), ein Coop-Restaurant sowie ein Verkaufsladen. Es ist davon auszugehen, dass der jetzige Bau- und Möbelmarkt von Coop abgerissen wird. Es kann auch sein, dass die bestehende Coop-Tankstelle verlagert und neu gebaut wird.

Die Heinz Häusler AG wird ihrerseits dazu parallel Büro- und Gewerbeliegenschaften entwickeln, die für kleinere und grössere Firmen Platz bieten. Eventuell soll je nach Nachfrage auch ein neues Hotel errichtet werden.

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