Hat die Arme offen für viele Kleinkunststile: Michel Gammenthaler bei seiner Premiere in Luzern. (Bild: Milena Koller)
Kultur Rezension

Hat die Arme offen für viele Kleinkunststile: Michel Gammenthaler bei seiner Premiere in Luzern. (Bild: Milena Koller)

Kampf der Geschlechter geistvoll in Szene gesetzt

3min Lesezeit

Good News, Zaubertricks und gute Unterhaltung: Die Premiere von Michel Gammenthalers neuem abendfüllenden Programm «Hä …?» im Luzerner Kleintheater versetzte so manchen Zuschauer ins Staunen. Es ging auch ohne Drogen.

Milena Koller

Michel Gammenthalers Interesse an der Zauberei trat nach eigenen Angaben schon früh zutage. Bereits als Kind hatte er sich mit dieser Kunst beschäftigt und liess den Berufswunsch «Zauberer» später Wirklichkeit werden. So ist er bereits seit den späten 90er Jahren auf der Bühne aktiv. Im Lauf der Jahre entstanden dabei sechs Soloprogramme.

Während die ersten vier von verschiedenen Rollenspielen geprägt waren, spielte der Aargauer Gammenthaler in «Scharlatan», seinem fünften Programm, sich selbst. Das sechste Solostück, dessen Uraufführung das Kleintheater Luzern die Ehre hat anzubieten, tendiert wieder in dieselbe selbstironisch gefärbte Richtung.

Comedy-Schwergewicht

Und Michel Gammenthaler ist ein Grosser, das bewies er nicht nur an der Premiere, sondern schreibt er auch selbstbewusst auf seiner Webseite: «Mit 194 cm ist Michel Gammenthaler einer der grössten Schweizer Kleinkünstler, mit 98 kg ein Comedy-Schwergewicht und als zaubernder Kabarettist und Moderator auf der Bühne, im Radio und Fernsehen ein wahrer Multitasker.»

Im gut gefüllten Saal präsentierte der Künstler seine Show vor einem ebenso gut gelaunten wie lebhaften Publikum. Qualitativ hochstehende und niveauvolle Comedy, die Esoterik- und Selbstfindungsdauerbrenner gekonnt auf die Schippe nimmt, führte zu immer wiederkehrenden Lachausbrüchen.

Die verblüffenden Zaubertricks versetzten die Zuschauer fortwährend in Staunen und Unglauben. Wie macht er das bloss, fragte man sich, als eine Buchseite auf rätselhafte Art und Weise transferiert oder Tarotkarten magisch erkannt wurden. Möglicherweise war der Hogwarts-Verweis auf die Harry-Potter-Schule für Hexerei und Zauberei zu Beginn der Show doch nicht ganz so aus der Luft gegriffen, wie es zuerst den Anschein hatte?

Ein gelungener Abend

Abgesehen von einem kurzen Durchhänger nach der Pause konnte der Zauberer-Kabarettist denn auch vollends überzeugen. Wer ihn noch nicht kannte, wusste nun, warum er bereits mehrfach ausgezeichnet worden war. So meisterte er das schwierige Thema «Gender» gekonnt und setzte die ewige Leier vom Kampf der Geschlechter geistvoll in Szene.

Das Abtauchen in allzu niedere Gefilde hatte er dazu nicht nötig. Sein mit Ironie und dunklen Tönen gespickter Humor gepaart mit cleveren Zaubertricks kreierte eine ganz eigene Magie und sorgte für heitere Höhepunkte. Die vielen Lacher am Premierenanlass dürften die Brust von so manchem denn auch mit genug Wärme erfüllen, um auch in der kalten Jahreszeit etwas davon an die Umwelt abzugeben.

Drogenkonsum hat gewaltige Vorteile

Wen interessiert, weshalb Frauen übersinnlicher als Männer sind, Aberglaube Ansichtssache ist und Drogenkonsum gewaltige Vorteile haben kann, schaue die weiteren Shows von Michel Gammenthaler im Kleintheater in Luzern an: Donnerstag bis Samstag, am 11. bis 13. Januar.

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