Unterhalb des Gewerbegebiets Gisikon wird die Reuss auf der rechten Seite aufgeweitet. (Visualisierung: zvg)
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Unterhalb des Gewerbegebiets Gisikon wird die Reuss auf der rechten Seite aufgeweitet. (Visualisierung: zvg)

Ökologischer und sicherer: Wieso Reuss 195 Millionen verschlingt

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Die Reuss soll zwischen Emmen und Honau aufgewertet werden – für 195 Millionen Franken. Das lohne sich, findet der Kanton, denn die potenziellen Schäden durch Überschwemmungen seien höher. Er hat das Projekt nach Kritik nun überarbeitet – und hofft, mit den betroffenen Bauern eine Lösung zu finden.

Die Reuss soll zwischen Luzern/Emmen und Honau vor Hochwasser geschützt werden. Deshalb hat der Kanton das Projekt «Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss» lanciert. Doch bald kam Kritik an der Grösse des Projekts auf, im Kantonsrat wurde gar ein Marschhalt gefordert. Deshalb hat die Regierung eine externe Expertengruppe das Vorhaben überprüft – und die Richtung mehrheitlich bestätigt. 

Gleichzeitig gaben die Experten insbesondere zum technischen Bericht mehrere Empfehlungen ab. Der Kanton Luzern hat diese aufgenommen und präsentiert diesen Montag das überarbeitete Projekt.

In folgenden Punkten wurde das Projekt gemäss einer Mitteilung des Kantons verbessert:

  • Der Gewässerraum wurde leicht verringert. Für eine wesentliche Verkleinerung, wie das ein Postulat im Kantonsrat forderte, gibt es laut Regierungsrat aber keinen Spielraum – ansonsten würde der Bund das zusätzliche Geld für die ökologische Aufwertung nicht beisteuern. 
  • In Emmen wurde die Dammhöhe besser auf das Hochwasserschutz-/Renaturierungsprojekt an der Kleinen Emme abgestimmt. Der Damm zwischen Emmen und Schiltwald konnte so um rund 20 Zentimeter gesenkt werden. Der Hochwasserschutz ist damit immer noch gewährleistet.
  • Die Wegführungen wurden verbessert, beispielsweise in Emmen oder Honau.
  • Die Nutzung des Gewässerraums soll neu soweit möglich mit Dienstbarkeitsverträgen geregelt werden – also ohne dass der Kanton Luzern das Land erwirbt.
  • Das Projekt berücksichtigt die neuesten Grundlagendaten, zum Beispiel der amtlichen Vermessung.
  • Der technische Bericht ist übersichtlicher und verständlicher.
  • Für das Geschiebe-Management wie auch für die Kompensation der vom Projekt betroffenen Fruchtfolgeflächen liegen Konzepte vor.

Berufsbildungszentrum vermittelt zwischen Kanton und Bauern

Für das Reuss-Projekt wird allerdings Land beansprucht. Betroffen sind rund 30 Landwirtschaftsbetriebe, acht nicht selbst-wirtschaftende Eigentümer und deren Pächter sowie rund 20 Waldbesitzer. Um sie ins Boot zu holen, hat der Kanton Luzern eine Begleitplanung initiiert. Ziel ist es, gemeinsam mit den Direktbetroffenen Lösungen zu erarbeiten und dabei die Folgen des Projekts auf die Betriebe so gering wie möglich zu halten. Das Berufsbildungszentrum Natur und Ernährung Hohenrain ist mit dieser Aufgabe betraut und hat die entsprechenden Arbeiten bereits aufgenommen.

Beim Schiltwald entsteht ein Seitenarm und im Norden eine Entlastungstelle, wo das Wasser bei extremem Hochwasser dank Kippelementen in den Schiltwald gelenkt werden kann. (Visualisierung: zvg)
Beim Schiltwald entsteht ein Seitenarm und im Norden eine Entlastungstelle, wo das Wasser bei extremem Hochwasser dank Kippelementen in den Schiltwald gelenkt werden kann. (Visualisierung: zvg)

Voraussichtlich im Frühling 2019 wird das Projekt öffentlich aufgelegt. Bis dahin wird eine interne Vernehmlassung bei den kantonalen Dienststellen und beim Bundesamt für Umwelt durchgeführt. Nach der Auflage werden allfällige Einsprachen behandelt. Danach kommt der Sonderkredit in den Kantonsrat.

Das Projekt «Hochwasserschutz und Renaturierung Reuss» kostet schätzungsweise 195 Millionen Franken. Es ist deshalb eine Volksabstimmung nötig, die voraussichtlich 2021 stattfindet. Von dem grossen Brocken übernimmt der Bund allerdings einen massgeblichen Teil, voraussichtlich gegen 80 Prozent. Gleichzeitig rechtfertigt der Regierungsrat die Kosten damit, dass dank dem Projekt Schäden in dreistelliger Millionenhöhe verhindert werden könnten – wie sie etwa beim Hochwasser 2005 auftraten.

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