Wir sind nicht alleine auf dieser Welt

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Rund ein Drittel der Schweizer lässt sich inzwischen nicht mehr auf Friedhöfen oder in Urnen bestatten, sondern zieht es vor, dass ihre Asche nach dem Tod etwa in der Natur verstreut wird. Über diese geänderten Beerdigungsrituale und über heutige Bräuche an Hochzeiten reflektiert Michel Ebinger in einem Leserbrief.

Es gibt zwei Dinge, welche mir oft zu denken geben. Beide hängen irgendwie zusammen.

Immer öfters lese ich, dass keine Beerdigung gewünscht wird und die Asche verstreut werden soll. Gut bis vor kurzem dachte ich auch so, aber sind wir uns bewusst, das wir so unseren Mitmenschen so die Möglichkeit genommen wird sich von uns zu verabschieden und uns ein letztes Mal zu geleiten.

Es gibt Menschen, die setzen sich jahrzehntelang für die Gemeinde ein, und wenn sie tot sind, soll plötzlich alles anders sein, und die Beerdigung soll still und heimlich erfolgen. Man kann dann nicht einmal ein letztes Mal danke sagen.

Ich persönlich finde das nicht mehr gut. Die Bestattung selber kann ja dann immer noch im engen Kreise geschehen, um den Trauernden die Prozession des Händeschüttelns zu ersparen. Wir sind, waren und werden nie alleine auf dieser Welt sein, also tun wir nicht so, als dies nach dem Tod so sei.

Wer keine Grabstätte will, nimmt den Hinterbliebenen die Möglichkeit zur Zwiesprache. Wenn die Mutter, der Vater oder sonst jemand einem stehenden im Wald oder auf dem See verstreut wird, ist er weg, und ich weiss, dass viele diese Zwiesprache am Grab (und sei es ein Gemeinschaftsgrab) schätzen, und das will ich ihnen nicht nehmen.

Ähnlich geht es mir mit der Unsitte die sich beim Heiraten eingeschlichen hat. Man übergibt die Organisation scheinbar professionellen Hochzeitsplaner, und die gebärden sich bürokratischer als der Staat.

Selbst für den Apéro muss man sich anmelden. Mein Gott, ertragen wir keine Spontanität mehr. Ich melde mich doch nicht für einen Apéro an, nur damit der Hochzeitsplaner mehr verdient. Wer sich nicht anmeldet ist nicht willkommen, danke, auf so einen Apéro verzichte ich gerne.

Und wenn wir nicht einmal mehr fähig sind so zu planen, das es auch für ein paar mehr genügt, dann können wir auch in Las Vegas heiraten, so wie wenn wir ganz alleine auf der Welt wären, und unser Leben niemanden was angeht. Aber wenn wir dann Hilfe brauchen, sind wir vielleicht auch alleine und niemand kommt spontan uns helfen.

Michel Ebinger, Rotkreuz

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