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Darum kostet die Umfahrung Cham–Hünenberg 22 Millionen mehr
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Die Umfahrung Cham–Hünenberg auf dem Plan. (Bild: zvg)

Baubeginn frühestens 2022 Darum kostet die Umfahrung Cham–Hünenberg 22 Millionen mehr

3 min Lesezeit 1 Kommentar 19.11.2019, 04:25 Uhr

Noch immer sind drei Beschwerden gegen die Umfahrung Cham–Hünenberg hängig – inzwischen vor Bundesgericht. Derweil erklärt die Regierung, wieso das Grossprojekt mehr Land braucht und entsprechend mehr kostet.

Schon über zwölf Jahre ist es her, seit die Zuger Bevölkerung über den Bau der Umfahrung Cham–Hünenberg abgestimmt hat. Das Marathon-Projekt soll die Ortszentren von Cham und Hünenberg entlasten und die Erreichbarkeit der Ennetseegemeinden sicherstellen. Aber vor 2022 wird nicht gebaut, Einsprachen sind noch vor Bundesgericht hängig.

Im Frühling haben Kantonsräte der Alternative-die Grünen (ALG) eine Interpellation eingereicht und forderten vom Regierungsrat Antworten über Änderungen am ursprünglich bewilligten Projekt. Vor allem der höhere Landverbrauch gab Anlass für Kritik.

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Die Forderung der ALG: Die umweltrechtliche und finanzielle Konformität des Projekts zum Zeitpunkt der Abstimmung im Vergleich zum heutigen Projektstand müsse unter die Lupe genommen werden.

Landerwerb führt zu 118 Prozent Mehrkosten

Tatsächlich erhöhte sich zwischen 2005 und 2015 der Landbedarf des Projekts um 2,2 Hektaren auf insgesamt 12,1 – das sind 22 Prozent mehr. Den Mehrbedarf erklärt die Regierung in ihrer Antwort hauptsächlich mit der Brücke Gibelfeld (+1,27 Hektaren) sowie verschiedenen «marginalen Projektanpassungen» (+0,93 Hektaren). Dazu gehören Fuss- und Radwege, ökologische Ausgleichsmassnahmen sowie der Bypass beim Kreisel Teuflibach.

Die Fläche der vorübergehenden Landbeanspruchung – etwa durch Lager- und Installationsflächen – habe sich hingegen von 10,3 auf 9,4 Hektaren reduziert.

Weil mehr Land beansprucht wird, wird das Projekt nun um einiges teurer: Die Kosten für den Landerwerb steigen von 5,6 auf 12,2 Millionen Franken – das entspricht einer Zunahme um 118 Prozent. Dies auch, weil die Quadratmeterpreise von 20 auf 80 Franken stiegen.

Insgesamt 22 Millionen mehr

Auch die Vereinbarung zwischen Kanton und der Gemeinde Cham für Anpassungen am Strassenraum für das Autoarme Zentrum (AAZ) verteuere das Projekt für den Kanton um 7,6 Millionen Franken.

Der Regierungsrat rechnet nun aus genannten Gründen mit Mehrkosten von insgesamt 22 Millionen Franken. Diese seien im bewilligten Rahmenkredit enthalten, aber noch nicht freigegeben.

Das bewilligte Projekt kostet 230 Millionen Franken, was teuerungsbereinigt 273 Millionen entspricht. Davon hat der Kantonsrat allerdings erst 195 Millionen freigegeben (teuerungsbedingt knapp 232 Millionen).

Der Kanton Zug hat sich verpflichtet, den Verkehr im Zentrum von Cham von auf 6’700 Fahrzeuge pro Tag zu senken.

Kantonsrat muss nächste Tranche bewilligen

Wegen der Mehrkosten wird die Regierung nun eine Verzichtsplanung durchführen – sobald das Projekt rechtskräftig ist und die Detailplanung startet. «Erst nach Abschluss dieser Phase wird eine genauere Endkostenprognose vorliegen», heisst es in der Antwort. Trotzdem werde der Kantonsrat wohl bereits im nächsten Jahr eine weitere Tranche des bewilligten Rahmenkredits freigeben müssen.

Auch wie viel Geld schon ausgegeben wurde, wollte die ALG wissen. Insgesamt belaufen sich die Vorinvestitionen auf rund 19,8 Millionen Franken, die zulasten des Projektkredits gehen.

Nun ist das Bundesgericht dran

Das Strassen-Grossprojekt ist derzeit blockiert, weil noch drei Beschwerden vor Bundesgericht hängig sind. Das Verwaltungsgericht hatte diese im Juli 2019 abgewiesen (zentralplus berichtete). Insgesamt wurden nach der öffentlichen Auflage 2015 ganze 124 Einsprachen gegen das Projekt eingereicht.

Im Januar 2018 hatte die Zuger Regierung grünes Licht für das Projekt gegeben – die drei Beschwerden richten sich gegen die Baubewilligung. Eine davon stammt vom VCS, weil die vor 12 Jahren gemachte Planung nicht mehr mit dem heutigen Stand übereinstimme.

Umstritten sind auch flankierende Massnahmen zur Beruhigung des Dorfzentrums von Cham und Hünenberg, damit möglichst viele Fahrzeuge den Weg über die neue Linie wählen. Es ist eine Auflage des Bundes, den Verkehr im Chamer Zentrum auf 6’700 Fahrzeuge pro Tag zu reduzieren.

Ein Mitwirkungsverfahren führte zur Variante des «Autoarmen Zentrums», daran hält der Regierungsrat auch jetzt fest.

Baustart wohl erst 2022

Der VCS verlangt eine Neuberechnung des Strassenprojekts und eine erneute Volksabstimmung – davon will die Regierung nichts wissen. «Es können keine Projektänderungen mehr vorgenommen werden, da die Baudirektion andernfalls die Projektauflage wiederholen müsste», sagte der Zuger Baudirektor Florian Weber (FDP) kürzlich zu zentralplus.

Der Regierungsrat rechnet damit, 2021 mit den Vorarbeiten und 2022 mit den Hauptarbeiten beginnen zu können. Vorausgesetzt natürlich, das Bundesgerichts erteilt eine rechtskräftige Baubewilligung.

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1 Kommentare
  1. jam, 19.11.2019, 12:40 Uhr

    Die Umfahrung Cham–Hünenberg ist nicht mehr zeitgemäss – und gehört so oder so nochmals vors Volk. Ein solches Mammutprojekt, dessen Nutzen noch immer stark umstritten ist und für etliche Bewohnerinnen und Bewohner von Hünenberg See mehr Lärm und viel mehr Verkehr bedeutet (zugunsten eines verkehrsärmeren Zentrums in Cham), hätte heute an der Urne keine Chance mehr. Schon vor zwölf Jahren ist die Umfahrung, die rund 230 Millionen Franken kosten soll, nur äusserst knapp vom Stimmvolk angenommen worden.