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Unternehmen hoffen auf Hilfe vom Kanton
Quarantäne: Luzerner Wirtschaft setzt Druck auf

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Die Luzerner Wirtschaft fordert eine kürzere Quarantäne-Dauer. So zum Beispiel AWG-Präsident Josef Wyss.
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Die Luzerner Wirtschaft fordert eine kürzere Quarantäne-Dauer. So zum Beispiel AWG-Präsident Josef Wyss. (Bild: Unsplash/Erik Mclean/zvg)

Die Dauer der Quarantäne wird in der Politik derzeit heiss debattiert. Die einen fordern eine Verkürzung, die anderen möchten die Dauer beibehalten und noch andere möchten sie ganz abschaffen. Zu Ersteren gehören die Luzerner Wirtschaftsverbände. Statt den zurzeit sieben Tagen soll eine Quarantäne nur noch deren fünf dauern.

Zehn, sieben, fünf – oder doch gar keine? Wegen der inzwischen dominanten Omikron-Variante steht die aktuelle Quarantäneregelung in der Politik auf wackeligen Beinen. Anfang Jahr haben die Zentralschweizer Kantone die Quarantäne bereits auf sieben Tage verkürzt (zentralplus berichtete). Nun fordert die Luzerner Wirtschaft bereits eine weitere Verkürzung auf fünf Tage.

Die Meinungen darüber gehen auseinander. Der Zuger Kantonsarzt, Rudolf Hauri, würde eine Verkürzung auf fünf Tage begrüssen (zentralplus berichtete). Dies mit der Begründung, dass Omikron-Infizierte weniger lang infektiös seien.

Für den Luzerner Gesundheitsdirektor Guido Graf macht eine weitere Verkürzung jedoch wenig Sinn. Statt den fünf Tagen sinniert er in seinem neusten Blogpost darüber, ob nicht gar die Aufhebung der Quarantäneregelung mehr Sinn mache (zentralplus berichtete).

Die wissenschaftliche Taskforce des Bundes hält derweil an den sieben Tagen fest. Gegenüber SRF sagt deren Vizepräsident Urs Karrer, dass eine Verkürzung auf fünf Tage «wissenschaftlich nicht zu begründen» sei. So bestehe dadurch die Gefahr, dass dann viele Personen nach der Quarantäne trotzdem noch positiv getestet werden.

Mit kürzerer Quarantäne Personalausfälle verhindern

Grösstenteils einig ist man sich bei den Luzerner Wirtschaftsverbänden. Sowohl die Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft Kanton Luzern (AWG) als auch die Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz (IHZ) fordern eine Quarantäneverkürzung auf fünf Tage.

Hingegen zeigt sich der KMU- und Gewerbeverband Kanton Luzern (KGL) etwas zurückhaltender. Dessen Direktor, Gaudenz Zemp, fordert eine «aus medizinischer Sicht wirksame, aber minimale Quarantänedauer.»

«Fristen für die Quarantäne oder die Isolation müssen ein flexibles Instrument im Umgang mit der Pandemie sein.»

Josef Wyss, Präsident Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Gesellschaft Kanton Luzern

Gemäss Josef Wyss, Präsident der AWG, steht ihre Forderung nicht im Widerspruch mit der Einschätzung der Taskforce. Diese hätten potenzielle weitere Corona-Varianten und allfällige Verschlechterungen der Massnahmen im Blick. «Unsere Einschätzung basiert auf den Erkenntnissen zur Omikron-Variante. Deren Krankheitsverläufe äussern sich relativ mild. Deshalb denken wir, dass wir die Quarantäneverkürzung riskieren können.» Dies jedoch nur, falls die Auslastung der Spitäler dies zulassen würde.

Als Hauptgrund für eine Quarantäne-Verkürzung nennt Wyss die vielen Personalausfälle. Trotz der «milden» Omikron-Variante stecken sich derzeit so viele Luzernerinnen an wie noch nie (zentralplus berichtete).

«Diese Personen und potenziell ihr Umfeld werden der Wirtschaft eine Weile nicht zur Verfügung stehen. Es gibt aber Infrastrukturen und Dienstleistungen, die man aufrechterhalten muss», mahnt Wyss. Viele öffentliche Dienste plagen derzeit Personalsorgen. Und die, die noch nicht davon betroffen sind, sorgen bereits vor.

Für Wyss müssen Quarantäne- oder Isolationsfristen deshalb ein «flexibles Instrument im Umgang mit der Pandemie» sein. «Je nach Entwicklung der Pandemie muss man dieses situativ anpassen», fügt er an.

Ins gleiche Horn bläst auch Adrian Derungs, der Direktor der IHZ: «In der Risikoabwägung müssen die Gefahr von Versorgungsengpässen und Produktionsausfällen, die psychische Gesundheit von Arbeitnehmenden sowie die Bedürfnisse der Steuerzahlenden in geeignetem Masse berücksichtigt werden.»

Härtefallgelder sollen weiter bezahlt werden

Nebst der Verkürzung der aktuellen Quarantäneregelung fordern die Luzerner Wirtschaftsverbände auch die Verlängerung der Härtefallgelder. Einreichen durften Luzerner Unternehmen ihre Unterstützungsgesuche bis zum 1. Dezember 2021.

Seither gelten jedoch wieder strengere Corona-Massnahmen und noch immer können viele Unternehmen ihrer normalen Tätigkeit nicht vollständig nachgehen. So beispielsweise die Tourismus-, die Gastro- oder die Eventbranche.

«Härtefallgelder sind stark wettbewerbsverzerrend. Die Kriterien müssen deshalb strikt gesetzt und eingehalten werden.»

Adrian Derungs, Direktor Industrie- und Handelskammer Zentralschweiz

Also solche, die gemäss Wyss «unverschuldet» ihrem Geschäft nicht nachgehen können. Für sie fordert Wyss auch weiterhin finanzielle Unterstützung. Dabei betont er: «Wir wollen damit keine Strukturerhaltung von Unternehmen, die auch ohne Pandemie Mühe hätten.» Auch KGL-Direktor Zemp möchte weiterhin Unterstützung für Unternehmen, «die coronabedingt mehr als 40 Prozent Umsatzeinbusse erleiden».

Der Kanton Luzern soll weiterhin nur nach strengen Vorgaben Gelder vergeben, betont Adrian Derungs in seiner Antwort: «Härtefallgelder sind stark wettbewerbsverzerrend. Die Kriterien müssen deshalb strikt gesetzt und eingehalten werden.»

Die Art der Beiträge könnte künftig noch eine Rolle spielen: «Je länger die Pandemie geht, desto mehr braucht es A-fonds-perdu-Beiträge. Irgendwann können die Unternehmen die Kredite schlicht nicht mehr zurückzahlen», fügt Wyss an.

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4 Kommentare
  1. Hegard, 12.01.2022, 17:13 Uhr

    Wenn der infizierte getestet wird ob er kein Spreader mehr ist,macht es Sinn die Quarantäne zu kürzen.Ansonsten bring es logisch kein Vorteil,im Gegenteil wenn er dann noch mehr infiziert und noch mehr Kranken Vakanzen erzeugt.

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  2. Fabrizio, 11.01.2022, 19:19 Uhr

    Sobald es um das liebe Geld geht, ist die Gesundheit der Menschen plötzlich zweitrangig.

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    1. Roli Greter, 11.01.2022, 19:33 Uhr

      Eben nicht, eine längere Quaräntänedauer verlängert die Pandemie nur unnötig

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    2. Fabrizio, 12.01.2022, 21:41 Uhr

      Ja klar, wer sucht findet immer eine Rechtfertigung. In dieser Pandemie ist es nichts Neues.

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