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CS-Banker Suter: «Was man am häufigsten hört, ist Verwunderung und Freude»
  • Wirtschaft
Die Banken versprechen einfache Kreditvergabe für Corona-geschädigte Unternehmen. (Bild: Adobe Stock)

Luzerner und Zuger Banker über Corona-Kreditvergabe CS-Banker Suter: «Was man am häufigsten hört, ist Verwunderung und Freude»

5 min Lesezeit 1 Kommentar 31.03.2020, 05:00 Uhr

Innert 30 Minuten sollten kleinere und mittlere Unternehmen zu einem Überbrückungskredit kommen, versprach Bundesrat Ueli Maurer. Das klappt bisher ziemlich gut, wie der Regionenleiter der Credit Suisse für die Zentralschweiz sagt.

Am Donnerstag begann der Sturm auf die Banken. 20 Milliarden Franken hatte der Bund als Übergangskredite für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) bereitgestellt, die wegen dem Coronavirus in Schieflage geraten sind. Die Credit Suisse allein vergab seither landesweit bisher rund 1,2 Milliarden Franken, wie Roger Suter sagt. Bislang waren es über 8000 Kreditbegehren, am Wochenende hat man bei der Task-Force der CS durchgearbeitet.

«Wir haben in der Zentralschweiz bis Freitagabend rund 200 Anträge für Überbrückungskredite bis 500’000 Franken erhalten» sagt Suter. Im Schnitt wurden rund 250’000 Franken ausbezahlt.

Tourismusnahe Betriebe in Not

«Dies zeigt mir, dass viele unserer Firmenkunden derzeit noch in einer wirtschaftlich starken Verfassung sind», sagt Roger Suter. Von der CS wurden in den sechs Zentralscheizer Kantonen in den ersten zwei Tagen bereits 50 Millionen Franken für solche zinslosen Corona-Darlehen ausbezahlt.

Credit-Suisse-Regionenleiter Zentralschweiz Roger Suter.

Die grösste Niederlassung der Grossbank in der Zentralschweiz befindet sich in Luzern, dann folgt jene in Zug. Wenig überraschend ist denn auch die Zusammensetzung der Kreditnehmer: «Es lässt sich ein gewisser Schwerpunkt von Kreditbegehren aus der Tourismusbranche feststellen», sagt Suter.

Wem der Umsatz wegbricht

Auch tourismusnahe Betriebe, Reisebüros, Luxusgüterunternehmen, aber auch der kundennahe Detailhandel seien besonders betroffen. Er macht ein Beispiel: «Wenn Sie ein Gemüseproduzent sind, der die Produkte vorab an Hotels oder Sternerestaurants verkauft, dann geraten Sie angesichts der vielen geschlossenen Betriebe relativ schnell in Schieflage.»

Corona-Kredite haben demnach vorab Unternehmen beantragt, bei denen die Umsätze weggebrochen sind wegen der behördlichen Notstandsschliessungen. Suter erzählt auch von mindestens zwei wichtigen Kunden, die eigentlich noch produzieren könnten.

Bei ersten Firmen bricht die Lieferkette weg

Da bei ihnen aber wichtige Zulieferer ausgefallen sind, mussten sie die ganze Fertigung einstellen. «Wenn etwa wegen der Coronakrise benötigte Teile aus Norditalien ausbleiben, dann legt das unter Umständen eine ganze Lieferkette oder eine Herstellungslinie lahm», so Suter.

Bekanntlich können etwas grössere Unternehmen auch Kredite über 500’000 Franken beantragen. Nämlich bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes oder maximal 20 Millionen Schweizer Franken. Hier seien bei der Credit Suisse schweizweit 30 Kreditbegehren eingegangen, sagt Suter, der damit rechnet, dass die Zahl der grösseren Corona-Darlehen über 500’000 Franken noch ansteigen wird. «Wir erleben hier noch eine gewisse Zurückhaltung», so der CS-Banker. Verschiedene Firmen würden auch ihre Corona-Kreditlimite nicht ausschöpfen, sondern die Lage erst analysieren und abwarten.

Wettrennen um die schnellste Auszahlung

Das Versprechen von Bundesrat Maurer, wonach KMU bei ihrer Hausbank innerhalb einer halben Stunde zu einem Überbrückungskredit kommen, scheint meistens gehalten zu werden. Die Banken haben extra Personalressourcen für die Corona-Kredite bereitgestellt.

«Unser Rekord liegt bei 18 Minuten, zwischen dem Eingang des Kreditantrags und dem Moment, in dem das Geld auf dem Konto des Kunden war», sagt Roger Suter. Bei der Luzerner Kantonalbank spricht man gar von zehn Minuten, in denen richtig ausgefüllte Kreditanträge bearbeitet wurden.

Lohn für die Anstrengung

Natürlich wird eingeräumt, dass anfangs zu Spitzenzeiten die Bearbeitung vorübergehend ein wenig länger gedauert hat. Aber auf ihren raschen Service sind die Banker wirklich stolz: «Die Reaktionen, die wir am häufigsten hören, sind Verwunderung und Freude», sagt Roger Suter.

Übrigens auch in andern Geldinstituten: «Die Erleichterung von Firmen über die unkomplizierte Kreditvergabe ist kein Medienhype», sagt etwa Matthias Brunner von der Raiffeisenbank Zug. «Sie ist echt und sie bestärkt uns in unserer Arbeit.»

Viele Anträge müssen nachgebessert werden

Bei der Credit Suisse wurden die allermeisten Corona-Kredite bewilligt. «Lediglich eine Zahl im niedrigen einstelligen Prozentbereich musste abgelehnt werden», sagt Suter. Der grösste Teil davon sei Formalitäten geschuldet. Zu Verzögerungen kam es indes, weil Anträge nicht richtig ausgefüllt wurden, weil nötige Angaben fehlten oder am falschen Platz standen. «Davon war rund ein Fünftel betroffen, sagt Suter. «Die Luzerner Kantonalbank (LUKB) retournierte gar 38 Prozent der Anträge wegen ungenügender Qualität oder weil sie gar mehrfach fehlerhaft ausgefüllt wurden.

«Schliesslich konnten wir die Anträge in Zusammenarbeit mit den Unternehmen in den meisten Fällen bereinigen», sagt Suter von der Credit Suisse. Und auch die LUKB betont, dass korrekt ausgefüllte Corona-Kreditbegehren in jedem Fall am selben Tag fertig bearbeitet würden.

Zuger KB: 300 Corona-Kredite

Sich ein genaues Bild darüber zu machen, wie viele Unternehmen nun in den Kantonen Zug und Luzern Corona-Überbrückungskredite beantragt haben, ist derzeit unmöglich. Die UBS, die bis Sonntagabend landesweit 15’000 Kreditanfragen von Kunden erhalten hat, schlüsselt ihre Zahlen nicht nach Regionen auf. Und die kleinen Sparkassen bereiten ihre Informationen nicht für die Medien auf.

Jedoch meldet die Zuger Kantonalbank bis Montagmorgen «etwas über 300 Anträge für einen Covid-19-Kredit und einen Antrag für einen Covid-19-Kredit Plus. «Alle diese Anträge sind bereits verarbeitet», sagt Mediensprecherin Carmen Wyss. «Gesamthaft haben wir ein Kreditvolumen von über 40 Millionen Franken ausbezahlt.»

LUKB schüttete bereits 93 Millionen aus – und mehr

Die Luzerner Kantonalbank meldet von Donnerstag bis Montagabend total 1546 Kreditanfragen. Nach den retournierten mangelhaften und ungültigen Anträgen blieben 827 Darlehen, die bereits ausbezahlt wurden. Insgesamt meldet der Mediensprecher Daniel von Arx ein Kreditvolumen von 112 Millionen Franken, das bislang vergeben wurde, die Durchschnittssumme beträgt bei der LUKB 135’000 Franken.

Daneben sei auch die LUKB-Soforthilfe von 50 Millionen Franken für vorteilhafte Überbrückungskredite, welche die Kantonalbank drei Tage vor der Ankündigung des Bundesprogramms – also am 17. März – bereitgestellt hatte, «auf starke Nachfrage gestossen». «Ein grosser Teil der Summe ist bereits ausbezahlt», sagt Daniel von Arx. «Wir führen das Programm unverändert weiter.»

Die KMU-Überbrückungskredite des Bundes sollen übrigens bei der Hausbank noch mindestens bis Juni erhältlich sein – sofern der Bürgschaftsrahmen des Bundes von 20 Milliarden Franken ausreicht. Am Montag waren allerdings bereits 6,6 Milliarden vergeben, wie an der täglichen Medienkonferenz der Bundesbehörden bekannt wurde.

Bundesrat und Finanzminister Ueli Maurer hat in den Medien mehrfach beteuert, die Hilfsmassnahmen nachzubessern, falls sie nicht ausreichen sollen.

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1 Kommentare
  1. Kasimir Pfyffer, 31.03.2020, 08:56 Uhr

    Clap, clap, clap.
    Die zahlreichen Konkurse des Kleingewerbes werden durch dieses Schlafsand-Paket einfach ein paar Monate hinausgezögert. Viele Leute sind auf Kurzarbeit, haben weniger Lohn und/oder Schiss und konsumieren darum schon jetzt weniger. Wenn der Lockdown irgendwann fertig ist, werden wir keine Frühlingsmode mehr brauchen und nicht 3x pro Tag Zmittag essen. Auch die Coiffeusen können uns allen nur einmal die Beatles-Frisur schneiden. Der Mehrumsatz, ganz zu schweigen vom Mehrgewinn, den es zur Amortisation der Covid-Kredite bräuchte, ist dann eher schwierig zu holen.

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