«Bye-bye, Bypass»: Gegner fordern Stopp des Autobahnprojekts
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Dominik Hertach (links), Milena Hess und Felix Kaufmann fordern den Verzicht auf das Bypass-Projekt. (Bild: jal)

15 Organisationen gründen Nein-Komitee «Bye-bye, Bypass»: Gegner fordern Stopp des Autobahnprojekts

4 min Lesezeit 5 Kommentare 10.05.2021, 13:28 Uhr

In Luzern formiert sich Widerstand gegen das Bypass-Projekt. Ein Komitee aus Organisationen und Verbänden fordert den Verzicht auf den Autobahnausbau. Der neue Tunnel ist in ihren Augen nutzlos und unzumutbar.

Nach der Spange Nord gerät das Autobahnprojekt Bypass ins Visier der Kritiker: 15 Verbände und Organisationen fordern den Stopp des Milliardenprojekts. Es untergrabe die Klimaziele und sorge für massiv mehr Autoverkehr in der Region Luzern, begründeten sie am Montag an einer Pressekonferenz.

«Nutzlos, schädlich und unzumutbar»: So lautet das Fazit von Dominik Hertach, Geschäftsleiter des VCS Luzern und Koordinator des neuen Komitees «Bypass Nein». Statt Entlastung bringe der Autobahnausbau massiven Mehrverkehr in der Region. Bund und Kanton müssten angesichts von Klimanotstand und Verkehrsüberlastung die Notbremse ziehen.

Vor dem Hintergrund des fehlenden Nutzens seien auch die «Kollateralschäden» des Projekts unzumutbar, etwa die Aufhebung des Spielplatzes Dammgärtli oder der Luftschacht im Gütschwald. Inakzeptabel sei zudem, dass während der Bauzeit das Stadtzentrum während fast drei Jahren als Umleitung herhalten müsse (zentralplus berichtete).

Klima als Argument gegen Autobahnausbau

Ein gewichtiges Argument beim Neinkomitee ist die aktuelle Klimapolitik. Milena Hess vom Klimastreik Zentralschweiz wählte deutliche Worte angesichts der Pläne, in Luzern eine zweite Autobahn zu bauen, obwohl der Verkehr ein wesentlicher Treiber der CO2-Emissionen darstelle: «Das ist ganz einfach ein Verbrechen gegenüber allen heutigen und zukünftigen Generationen.» 

Daran ändert laut Jörg Häfliger auch die Tatsache nichts, dass immer mehr Elektroautos auf den Strassen unterwegs sind. Der Präsident des WWF Luzern bezweifelt, dass der technologische Wandel alleine ausreiche, um die Klimaziele zu erreichen, vielmehr brauche es ein Umdenken in der Mobilität. «Wer den Klimaschutz ernst meint, muss auf den Bypass verzichten.»

Felix Kaufmann von der Gegenbewegung Spange Nord sieht durch den Bypass auch die Lebensqualität in der Stadt Luzern tangiert. Das klare Resultat zur Spange-Nord-Abstimmung im Herbst 2020 habe ein grundsätzliches Unbehagen der Stadtbevölkerung mit der kantonalen Verkehrspolitik offenbart.

Velo und Busse statt mehr Strassen

Der Lead beim Grossprojekt liegt allerdings beim Bund, der letzten Sommer die öffentliche Planauflage durchführte. In diesem Zusammenhang sind rund 90 Einsprachen eingegangen, unter anderem aus den Städten Luzern und Kriens. Sie beziehen sich auf verschiedene Aspekte des 1,8-Milliarden-Vorhabens, dessen Kern ein Tunnel zwischen Ibach und Kriens darstellt (zentralplus berichtete).

Obwohl die Planungen also bereits fortgeschritten sind, ist das Komitee «Bypass Nein» überzeugt, dass der Widerstand nicht zu spät kommt. Zwar sei es richtig, dass der Bund bereits viel Geld investiert habe, sagte Dominik Hertach am Montag. Er verglich es aber mit einer Bergwanderung: «Wenn Sie einen Weg eingeschlagen haben, der zum Abgrund führt, werden Sie zurückgehen und einen anderen Weg suchen, auch wenn Sie bereits lange unterwegs sind.» 

Dass die Bevölkerung zunimmt und damit tendenziell auch die Mobilität, streiten auch die Bypass-Gegner nicht ab. Statt die Strassenkapazitäten auszubauen, verlangt das Komitee aber, dass der öffentliche sowie der Veloverkehr gefördert werden. Ebenso werden Mobility Pricing und der Ausbau von Sharing-Angeboten als Alternativen genannt.

SP und Grüne sind nicht dabei

Zum Komitee «Bypass Nein» gehören die Organisationen VCS Luzern, VCS Ob- und Nidwalden, WWF Luzern, Ärzte für Umweltschutz, Pro Natura Luzern, Klimastreik Zentralschweiz, Klimagrosseltern Luzern, Pro Velo Luzern, Gegenbewegung Spange Nord, Klimagruppe Bruchquartier, IG Reussport Nein, IG Hochbühl-Untergütsch gegen den Bypass-Lüftungsschacht im Gütschwald, Eltern fürs Klima Luzern, IG Stadtentwicklung und Psychologists for future.

Was auffällt: Nicht an Bord beim neuen Komitee sind die linken Parteien. Die habe man vorerst bewusst aussen vor gelassen, sagt Koordinator Dominik Hertach. «Wir wollen zeigen, dass es ein parteiübergreifendes Projekt ist und nicht gleich in eine parteipolitische Schublade gesteckt werden kann.» Man freue sich natürlich auch auf die Unterstützung von Parteien. Laut Hertach ist es absehbar, dass SP und Grüne dem Komitee folgen werden.

Es ist nicht das erste Nein-Komitee gegen den Bypass. Bereits 2014 formierte sich unter dem Lead der lokalen VCS-Sektion eine Gegnerschaft, damals waren auch SP und Grüne dabei.

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5 Kommentare
  1. Marga, 12.05.2021, 01:42 Uhr

    Auch ein Projekt, das unter die Amtszeit von Alt BR Doris Leuthard fällt. Wir wollen kein Vorhaben, wie die 2. Röhre am Gotthard, die durchgeboxt wurde, bis heute jedoch nicht gebaut wurde. Wir wollen uns nicht schämen für ein Bauvorhaben, das teuer, mehr Verkehr anzieht und keine Probleme löst

  2. Josef Künzli, 10.05.2021, 21:20 Uhr

    Für 1,8 Milliarden eine Autobahn bauen wo schon eine Autobahn ist?
    Sorry, aber für diese Geld bauen wir eine Tramlinie von Kriens bis Ebikon, und eine zweiten von Rothenburg bis Schönbühl.

  3. Räto B. Camenisch / Präsident Allparteien-Komitee "ByPass so nicht" Kriens, 10.05.2021, 16:01 Uhr

    Der ByPass ist notwendig und eine «Dienstleistung» an den innereuropäischen Verkehr. Diese links-grüne Fundamentalopposition ist Verkehrsegoismus pur. Auch ich hätte lieber eine grosszügige weiterreichende Umfahrung der Stadt und Agglomeration Luzern gesehen, aber der Entscheid ist auf Grund zwingender Notwendigkeiten gefallen und muss durchgezogen werden. Aber eines wird immer wichtiger: dieses Werk muss Stadt -und Bevölkerungs-verträglich gebaut werden, und zwar so, dass die Erbauer sich in den nächsten Jahrzehnten nicht schämen müssen. Heute baut man einfach nicht mehr eine Autobahn offen mitten durch eine Stadt! Klar ausgedrückt, es braucht eine Stadt-verträgliche, genug leistungsfähige Spange Nord und eine Einhausung der offen geplanten Krienser Strecke vom Südportal aus. Eine «Stadtreparatur» im Rahmen des Projektes «Chance Kriens» ist das Mindeste !

    1. Gian Waldvogel, 10.05.2021, 17:16 Uhr

      Widerstand gegen den Bypass und andere Strassenbauprojekte ist kein Verkehrsegoismus – im Gegenteil: Egoistisch ist die Haltung, einfach so weiter mit dem Auto fahren als gebe es keine Klimakrise, keine Luftverschmutzung und keine Lärmkrise. Es gibt gute Alternativen zum Privatauto als Hauptverkehrsmittel. Ganz viele Menschen sind einfach aus Bequemlichkeit ständig mit ihrem Auto unterwegs (es gibt natürlich gewichtige Ausnahmen z.b. Lieferant*innen, Handwerker*innen oder Menschen mit Arbeitszeiten ausserhalb gängiger 9-5-Jobs). Einfach wegschauen und ständig wachsende Autokolonnen wie das Amen in der Kirche hinzunehmen ist rücksichtslos. Wir müssen das ändern, sonst zahlen wir und zukünftige Generationen in dramatischen Ausmassen dafür. Passend dazu ein aktueller Artikel, wie gross die Chancen des Klimaschutzes sind: https://www.republik.ch/2021/05/10/wie-viel-wuerden-sie-persoenlich-fuer-den-klimaschutz-zahlen

    2. Peter Bitterli, 10.05.2021, 23:00 Uhr

      Irgendeinmal kommt in diesem Zusammenhang dann wohl irgendeine Frage auf irgendeiner politischen Ebene zur Abstimmung, und persönlich werde ich zweifellos gegen diesen blitzdummen „Bypass“ und die Zumutungen während seiner Realisierungsphase stimmen. Beim Lesen der Waldvogelschen Ausführungen mit ihrer bevormundenden Argumentation, ihrer sturen Ideologie und ihrem klimakitschigen Abschweifen weit weg vom konkreten Tunnelprojekt ist mir dann aber auch wieder klar geworden, warum ich meine Stimme mit zugeklemmter Nase werde abgeben müssen.

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