Michèle Graber zur Spange Nord
Spange Nord – krasses Missverhältnis von Aufwand und Ertrag

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So sieht der Kreisel Schlossberg heute aus. Mit der Spange Nord soll dieser einem Grosskreisel weichen, der um eine Überbauung führt. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Die Stadt Luzern hat vor wenigen Wochen beim Kanton Luzern wegen der geplanten Spange Nord interveniert – und dies völlig zu Recht, findet Michèle Graber, Fraktionsvorsitzende der glp.

Dass das Projekt Spange Nord nicht überzeugt, zeigen verschiedene Studien deutlich: So wurde beispielsweise berechnet, dass mit der Spange Nord sich der Durchgangsverkehr im Stadtzentrum um lediglich acht Prozent reduzieren wird.

Dieser geringen Entlastung stehen aber Kosten für das gesamte Projekt von rund 200 Millionen Franken gegenüber. Und auch die einschneidenden Verluste von Land und Lebensqualität kommen hinzu. Mit dieser Gegenüberstellung wird klar: Aufwand und Ertrag liegen bei der Spange Nord in einem krassen Missverhältnis zueinander. Aus diesem Grund fordere ich vom Kanton Luzern eine dringend notwendige Prüfung von Alternativen.

Eine vierspurige Strasse durch ein Wohnquartier ist im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäss.

Im Raum steht zudem die Variante einer Spange Nord ohne Tunnel. Spätestens seit der städtischen Intervention ist aber klar, dass diese Variante bei der aktuellen Sitzverteilung des Stadtrats mit einer deutlichen Mehrheit von SP, Grüne, CVP und Grünliberale keine Chance hat. Eine vierspurige Strasse durch ein Wohnquartier ist im 21. Jahrhundert nicht mehr zeitgemäss. Das Projekt der Spange Nord vernachlässigt und benachteiligt den Velo- und Fussverkehr.

Rot eingezeichnet: Auf dieser Strecke soll die Spange Nord eingetunnelt werden, fordern CVP und GLP. Dunkelrot markiert sind die 350 Meter, die der Kanton eintunneln will.

Rot eingezeichnet: Auf dieser Strecke soll die Spange Nord eingetunnelt werden, fordern CVP und GLP. Dunkelrot markiert sind die 350 Meter, die der Kanton eintunneln will.

 

Früher antwortete man auf Mobilitäts- und Verkehrsprobleme mit dem Bau von noch mehr Strassen. Für den Regierungsrat des Kantons Luzern ist dies offenbar leider auch heute noch so. Ich bin aber ganz klar der Meinung, dass die Zeit endlich reif dafür ist, von diesem Irrglauben wegzukommen. Es gibt heute  fundierte und vielversprechendere Lösungskonzepte wie beispielweise neue Technologien zur Steuerung, Nutzung und Verlagerung des Verkehrs sowie die Förderung des Langsamverkehrs.

Das Projekt der Spange Nord vernachlässigt und benachteiligt den Velo- und Fussverkehr. 

Das Projekt der Spange Nord hingegen vernachlässigt und benachteiligt bei genauer Betrachtung den Velo- und Fussverkehr. Zudem zeugt die erst letzte Woche bekannt gewordene klammheimliche Einführung einer Steuer für schnelle E-Bikes ebenfalls nicht von einem zukunftsgerichteten Mobilitätsverständnis der Luzerner Regierung.

In der ganzen Thematik muss sich der Kanton Luzern aber auch noch einen weiteren Vorwurf gefallen lassen. Es ist nicht das erste Mal, dass die kantonale Regierung eine Idee eigenwillig und ohne Einbezug der Bevölkerung umsetzen will. Die aktuellen Reaktionen zeigen erneut, dass ein solches Vorgehen nicht funktionieren kann.

Bei einem umfassenden Konzept wie der Spange Nord und dem Bypass müssen die Bevölkerung und die betroffenen Akteure – hier die Stadt und die Agglomeration – frühzeitig und in ausreichendem Masse mit einbezogen werden.

Eine bessere Koordination und die dringend notwendige Überprüfung von Alternativen ist deshalb angebracht. Denn die Verbesserung der angespannten Verkehrslage in Luzern ist auch mir ein Anliegen. Dabei darf aber weder das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag noch die neuen Technologien zur Verkehrsteuerung und der Langsamverkehr ausser Acht gelassen werden. 

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1 Kommentare
  1. Walter Albrecht, 16.02.2017, 23:02 Uhr

    Wann endlich kommt man von diesen nicht wirklich zukunftsgerichteten Strassen- und innerstädtischen Parkhausprojekten weg. Ein Metro Strang von Luzern Nord in den Bahnhof und eventuell sogar bis ins Matthofquartier scheint
    mir weitaus sinnvoller. Auch vom Obernau nach Ebikon könnte eine solche
    effiziente Schnellbahn die meisten Verkehrsprobleme der Agglomeration massiv entschärfen. Auf den Durchgangsbahnhof kann man noch sehr sehr
    lange warten – vielleicht ist das Projekt schon jetzt veraltet

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