Inseli: Vom Lebens- zum Erlebnisraum?
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Der Freiraum auf dem Inseli wird von der Öffentlichkeit genutzt – soll dies eingeengt werden? (Bild: Christine Weber)

Linus Petermann Inseli: Vom Lebens- zum Erlebnisraum?

2 min Lesezeit 1 Kommentar 21.07.2016, 15:07 Uhr

Noch immer wirft der Standortentscheid für die «Salle Modulable» hohe Wellen, denn viele sehen das Inseli der Stadt Luzern in Gefahr. Unser Blogger Linus Petermann wirft der Stadt vor, nicht nachhaltig mit öffentlichen Räumen umzugehen.

Der Standortentscheid für die «Salle Modulable» wirft hohe Wellen, viele sehen die Oase Inseli in Gefahr. Dabei wird in der Argumentation der Stadt ersichtlich, wie in Folge eines Konzeptdenkens nicht nachhaltig mit öffentlichen Räumen umgegangen wird und diese falsch gedacht werden.

Freiräume sind per Definition unbebaute Räume oder Orte, die Entfaltungsmöglichkeiten und -freiheiten bieten. Mit dem Inseli hat Luzern – die Besetzung einer Teilfläche durch den Carparkplatz ausgenommen – einen öffentlichen Platz, der beides erfüllt und auch so von der Bevölkerung wahrgenommen wird.

Der Park soll sich nun mit dem Bau des Theaterhauses wandeln. Laut der Stadtregierung im Bericht und Antrag dazu bliebe dieser Freiraum zwar in veränderter, aber voller Grösse und Funktion erhalten, neu am Nordrand der ehemaligen Insel stationiert.

Der Inseli-Park wird zu einem Vorgarten

Es ist schwer vorstellbar, dass der Park zwischen den Aushängeschildern KKL und «Salle Modulable» der viel zitierten «Kulturstadt Luzern» seinen offenen Charakter behalten würde. Die Einengung aufgrund der Dimension der benachbarten Bauten alleine würde die Grünfläche zu einem Vorgarten dieser verkommen lassen.
Dazu spricht der Stadtrat selbst von einer Einbettung des Inselis in das «Erlebnis Luzern», das sich bekanntlich auf internationaler Ebene behaupten soll. Dass sich Hochglanzkultur und Freiraum in die Quere kommen werden, ist vorprogrammiert!

Die Stadt möchte sich mit einem Image als «Kulturmetropole» bewerben lassen, um Touristen anzulocken. Das allgemeine Problem dabei ist, dass sämtliche städtischen Räume optimiert werden müssen, um diesem Bild zu entsprechen. Die Nutzungsansprüche der Bewohner müssen sich nach diesem Konzept – im Falle Luzerns dem der «Kulturmetropole» – richten. Die Stadtbevölkerung verliert so ehemals von ihr definierte Lebensräume zugunsten von kommerzialisierten «Erlebnisorten».  

«Der Park wird räumlich wie charakterlich eingeengt. Luzern wird mehr Hülle als Inhalt.»

Die Gegenbewegung

Das Versprechen der Stadt, das Inseli als Freiraum bleibe bei einem Bau der «Salle Modulable» erhalten, ist eine Farce. Der Park wird räumlich wie charakterlich eingeengt. Luzern wird mehr Hülle als Inhalt. Doch dagegen hat sich bereits eine grosse Gegenbewegung gebildet, welche öffentliche Räume verteidigen und erweitern will.

Ihr bisher grösster Erfolg war der Erhalt der ZHB und des Vögeligärtlis. Der nächste wird der Schutz des Inselis vor Überbauung und die Erweiterung der Grünfläche durch eine Annahme der Initiative «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» sein.

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1 Kommentare
  1. Beat Stocker, 22.07.2016, 14:34 Uhr

    Unseren Stadt- und Regierungsraeten fehlt es einfach an Format – charakterlich und intellektuell. Anders ist es nicht erklärbar, dass sie sich bei ihrem unsäglichen Standortentscheid von der Stiftung und den sogenannten Experten der Arup- und Basler-«Studien» so willensschwach haben über den Tisch ziehen lassen. Sie hängen an der vermeintlichen Finanzspritze der oberfaulen Schenkung wie Junkies an der Nadel. Wie soll man Regierende respektieren, die nicht Kulturdiener des Volkes, sondern widerstandslose Steigbügelhalter der vermeintlichen Kulturelite sind, deren Kulturverstaendnis sich weitgehend materiell definiert – mehr Schein als Sein, mehr Huelle als Inhalt eben.

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