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Fristenlösung rettet Leben, schützt Frauen und Ungeborene
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Ein Luzerner Betrüger zockte sogar seine Freunde ab. Nun droht ihm eine Gefängnisstrafe.

Stefan Gisler Fristenlösung rettet Leben, schützt Frauen und Ungeborene

3 min Lesezeit 2 Kommentare 03.01.2014, 15:22 Uhr

Abtreibungen sollen in Zukunft nicht mehr von den Krankenkassen übernommen werden, sondern von Frauen aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Nein zur Initiative «Abtreibung ist Privatsache», sagt der grün-alternative Zuger Kantonsrat Stefan Gisler.

Die Festtage sind vorüber – das neue Jahr beginnt. Mit beidem verbindet sich der Gedanke an Leben: Neu, frisch, voller Hoffnung und Perspektiven. Darum mag es befremden, dass ich über Gründe schreibe, wieso ich im Februar 2014 «Nein» stimme zur Initiative «Abtreibung ist Privatsache» aus dem Umfeld fundamentalistisch-religiöser Abtreibungsgegner. Ich halte die Initiative für menschenunfreundlich und lebensfeindlich.

Die Initianten verlangen, dass Abtreibungen sowie auch die dazu gehörenden obligatorischen und erwiesenermassen sinnvollen Beratungen nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt werden, sondern von den betroffenen Frauen selbst. Alle Parteien ausser der evangelikalen EDU und der SVP sagen Nein. Im Bundesparlament sagten selbst viele SVP-Politikerinnen und Politiker Nein. Der Ständerat lehnte diese Initiative mit 34:4 ab – der Nationalrat mit 130:29.

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Zur «extremen» Ja-Minderheit zählten die beiden Zuger Nationalräte Thomas Aeschi (SVP) und Gerhard Pfister (CVP). Wieso nur? Sparen kann dabei kein ernst gemeintes Argument sein. Selbst wenn alle abtreibenden Frauen kaum Selbstbehalt aufgrund einer tiefen Franchise zahlen würden, könnten so die Kassen jährlich nur um acht Millionen Franken entlastet werden – das sind gerade mal 0,03 Prozent der Gesamtkosten der obligatorischen Krankenversicherung. Hinzu kommt, dass vieles, welches im Leistungskatalog der Grundversicherung ist, in der Logik von Pfister und Aeschi ebenfalls als «Privatsache» erklärt werden müsste – allen voran auch Schwangerschaft und Geburt. Soll dies als nächstes von den Frauen selbst bezahlt werden? Und was ist dann mit der Verantwortung von uns Männern? Wir sind zwar für die Schwangerschaften (mit)verantwortlich, aber beim Zahlen nicht mehr?

«Die Initianten verlangen, dass Abtreibungen sowie auch die dazu gehörenden Beratungen nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt werden, sondern von den betroffenen Frauen.»

Nun – den Initianten geht es weder ums Sparen, noch um Eigenverantwortung. Es geht darum, irgendwie wieder zurückzukommen zu einem veralteten Frauen- und Weltbild. Sie greifen so die vom Volk 2002 mit 72% klar angenommene Fristenregelung zum Schutze von Frauen und Ungeborenen an. Damals wurde vom Schweizer Volk auch der Versicherungsschutz bei Abtreibungen bestätigt – dieser besteht nämlich schon seit 1981. Dieser bewährte Versicherungsschutz soll nun nach 32 Jahren aufgehoben werden.

Ebenfalls im 2002 wurde die Abtreibungsverbotsinitiative der ultrakonservativen Gruppierung «Mutter und Kind» mit 81,7% abgelehnt. Diese Gruppe – heute MAMMA genannt – steht auch hinter dieser neuen Finanzierungsverbots-Initiative. Bei einem Ja im Februar müssten Frauen Beratungen und Eingriffe künftig selber zahlen. Betroffen wären vor allem finanziell schlechter gestellte Frauen. Das Risiko ist hoch, dass diese allein gelassen und ohne Beratung eher abtreiben und im schlimmsten Falle zu billigen Kurpfuschern getrieben würden. Letztlich würde dies zu grossem menschlichen Leid sowie wohl auch zu höheren Gesundheitskosten führen.

Seit der Einführung der Fristenregelung 2002 ist die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche stabil und bei 15- bis 19-Jährigen stark rückläufig (im 2012 0,45%; 2002 waren es noch 0,6%). Die Schweiz hat europaweit die tiefsten Abbruch-Zahlen. Wollen Aeschi und Pfister wirklich das Rad der Zeit zurückdrehen?  Not, Leid und Unsicherheit zurückbringen in das Leben von jungen Frauen? Gegen die Initiative sind nicht nur Ständerat, Nationalrat und die grosse Mehrheit der Parteien. Auch die SVP-Frauen sagen Nein zur Initiative. Ebenso wie der evangelische Kirchenbund SEK. Und die katholischen Bischöfe der Schweiz stimmen auch nicht zu. Ich bin überzeugt, auch die Zuger Bevölkerung wird die Initiative an der Urne ablehnen. Denn die von den Krankenkassen bezahlte Fristenlösung rettet Leben. 

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2 Kommentare
  1. Pirmin Meier, 04.01.2014, 17:25 Uhr

    “Muslime zahlen auch für den Schweinebauern, der im Stall verunglückt” ist hier ein unglückliches Argumentationsniveau. Herr von Mandach bringt drei bedenkenswerte Thesen, die aber zu wenig in die Tiefe gehen. Von “ermordet” kann man nämlich deswegen nicht sprechen, weil das ungeborene Kind, zumal der Fötus und der Embryo, noch keine Person im juristischen Sinn ist, aber von Herrn Mandach völlig richtig gesehen, das ist keine Glaubensfrage, ein Lebewesen. Mehr noch: Ein ungeborenes Kind ist ein Mensch, dem aber noch keine Personenrecht zukommen, es kann z.B. auch noch nicht erben oder verleumdet bzw. beleidigt werden. Ermordet werden können nur Personen, getötet aber alle Lebewesen, auch Menschen, die noch über keine Personqualifikation verfügen. Aber deswegen ist ein ungeborenes Kind trotz allem ein Mensch, so wie ein nicht eingebürgerter Ausländer, Asylbewerber usw. auch ein Mensch ist, wobei Ausländer bzw. Asylbewerber zusätzlich noch als Personen gelten, was wir nicht vergessen sollten. Aber noch nicht mit den Rechten eines Vollbürgers, wenigstens im derzeitigen System. Es ist nun eine im höchsten Grade ethische Frage, ob man Menschen, die juristisch noch nicht “gelten”, etwa Papierlose usw. eben doch als Menschen voll akzeptiert. So etwas würde auch ein Ungeborenes verdienen, das gemäss “pränataler Psychologie” schon relativ früh über ein Seelenleben verfügt und dem z.B. bei einer Abtreibung in der 14. Woche Schreckliches widerfährt.

    Die Argumentation “wieviel ein Kind den Steuerzahler kostet” missachtet Elementarstes, was unseren Vorfahren noch geläufig war. Ich erkläre es aus meinem Spezialgebiet, der Bruder-Klaus-Forschung. Bevor Klaus Pilger und Eremit wurde, zeugte er noch ein 10. Kind, den späteren Priester Klaus von Flüe, der als erster Obwaldner an der Sorbonne studierte. Aus damaliger Sicht war dies nicht eine zusätzliche Belastung, sondern ein zusätzlicher Beitrag für die Altersvorsorge von Gattin Dorothea, so wie es auch bei Kreuzrittern normal war, wenn möglich die Frau in schwangerem Zustand zu verlassen, wenn die Ritter ins Heilige Land fuhren. Ein Kind galt in diesem Sinn als Kapital, so wie auch nach Karl Marx die Armen kein anderes Kapital haben als ihre Kinder, Proles genannt. Die Proletarier sind die wahren Milliardäre, die nur ihre Kinder haben. So denkt übrigens Papst Franziskus.

    Kinderreiche Familien kommen uns nicht teuer zu stehen, eher schon zum Beispiel DINKS, double income no Kids, wenn sie vorsätzlich keine Kinder haben wollen und also für die Weiterexistenz der Gesellschaft und das System AHV usw. nichts tun, aber andere für sich arbeiten lassen, wenn sie dann mal alt sind. Dies müsste neu reflektiert und ein Kind zu haben bzw. zu erziehen wieder vermehrt als unersetzlicher Beitrag für die Gesellschaft anerkannt werden.

    Abschliessend möchte ich noch sagen, dass die Strafen früherer Generationen für Abtreibungen und Kindermord (v. geborenen Kindern) unverhältnismässig und grausam waren. Darum war der Kampf für Entkriminalisierung gerechtfertigt. Aber objektiv ist eine Abtreibung immer noch eine grössere Beraubung bedeutender Lebenschancen als beispielsweise ein sexueller Übergriff in einer Sakristei. Letzteres wurde noch um 1900 in der Innerschweiz kaum geahndet, und als der Priester und Schriftsteller Heinrich Federer wegen eines möglichen Uebergriffs im Hotel Stanserhorn vor Gericht kam, wurde er aufgrund eines Gesetzes betr. uneheliche Kinder verurteilt, wiewohl es sich um einen mutmasslichen Uebergriff an einem Knaben handelte. Dafür wurden damals Abtreibungen und Kindsmorde massiv verfolgt. Heute ist es umgekehrt. Es scheint also sehr relativ, was man für strafbar ansieht. Der Marquis de Sade forderte Straflosigkeit nicht nur der Abtreibung, sondern auch der Vergewaltigung und sogar des Mordes, weil er glaubte, es gebe dann weniger Übeltaten, weil die Lust am Verbotenen wegfalle. Diese Vorstellungen sind natürlich sehr fragwürdig.

    Herr Mandach kann ein moralisch reines Gewissen haben bei dieser Abstimmung. Was politisch richtig oder falsch ist, kann man zur Zeit der Stimmabgabe in der Regel nicht wissen. Das gilt auch für die Masseneinwanderungsinitiative. Es ist wohl besser, wenn sich kirchliche Kreise zu beiden Fragen zurückhalten. Die Wirkung einer Stellungnahme wäre ohnehin kontraproduktiv. Persönlich finde ich aber den gesellschaftlichen Schaden einer Abtreibung einer gesunden Frucht langfristig noch höher als zum Beispiel den Schaden einer Steuerhinterziehung, welches Vergehen nach neueren Auffassungen zum Verbrechen “aufgewertet” werden soll. Immerhin hat die Abstimmung nichts mit einer Neukriminalisierung der Abtreibung zu tun, will eher an mehr Verantwortung, hoffentlich auch der Väter, appellieren.

  2. Louis von Mandach, 04.01.2014, 01:18 Uhr

    Es gibt zweifellos ein paar gute Gründe für die Initiative:
    1) Auch ungeborene Kinder sind Lebewesen, welche mit einer Abtreibung “ermordet” werden
    2) “Gratis-Abtreibung” kann für Männer und Frauen zu weniger Verantwortungsbewusstsein beim Sex führen
    3) Die Allgemeinheit muss die Kosten für eine vermeidbare Ursache tragen

    Aus meiner Sicht reichen diese guten Gründe jedoch nicht um ein JA in die Urne zu legen. Ich kenne zwar die Statistik nicht, aber ich gehe davon aus, dass es heute viele Abtreibungen gibt nach Vergewaltigungen oder bei gesundheitlicher Gefährdung der Mutter. In beiden Fällen ist aus meiner Sicht ein frühzeitiger Schwangerschaftsabbruch moralisch legitim und sollte von der Allgemeinheit bezahlt werden. Abgesehen davon, darf davon ausgegangen werden, dass sich die allermeisten Mütter eine Abtreibung sehr gut überlegen und keine “Sex&Abort”-Lebensweise pflegen, gerade nachdem die Verhütung heute einfach und günstig ist. Und für alle, die Finanzen sparen wollen, die sollen sich mal überlegen, wieviel ein Kind den Steuerzahler kostet (Geburt, Kinderarzt, Krippenplätze, Kindergarten, Schulen, Studium, Spielplätze, etc.), speziell wenn die Mutter/Eltern für den Unterhalt auf staatliche Unterstützung angewiesen ist…
    Und für alle mit den religiösen und moralischen Bedenken: Könnte der Sonntagsfahrer, der aufs Glatteis kam, seinen Unfall nicht auch vermeiden? Der Raucher? Die Gebärende? Der Sportler? Muslime zahlen auch für den Schweinebauern, der im Stall verunglückt… Die Grundversicherung funktioniert (nur) nach dem Solidartätsprinzip und das bedingt ein gewisses Mass an Toleranz für und Vertrauen in die Mitversicherten.

    Aus diesen Gründen werde ich mit einem moralisch reinen Gewissen ein überzeugtes NEIN in die Urne legen.