Es braucht endlich eine Debatte über den Wert unserer Gesundheit
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Die Gesundheit ist uns teuer, jedes Jahr etwas mehr. (Bild: Adobe Stock)

Überdurchschnittlicher Prämienanstieg in Luzern Es braucht endlich eine Debatte über den Wert unserer Gesundheit

2 min Lesezeit 1 Kommentar 23.09.2020, 11:30 Uhr

Haben Sie Ihre Krankenkassenprämie für 2021 schon verglichen? Wieder steigen unsere monatlichen Gesundheitskosten, im Kanton Luzern sogar überdurchschnittlich um 1,4 Prozent (zentralplus berichtete). Seit 1996 hat die Schweizer Durchschnittsprämie jedes Jahr um rund 3,7 Prozent zugenommen. Dass das kaum mehr Empörung auslöst, ist erbärmlich für unser Land – gerade in Pandemiezeiten.

Was kriegen wir für dieses Geld? Bestimmt eine der weltweit besten gesundheitlichen Versorgungen. Jedoch sind in den letzten 20 Jahren die Krankenkassenprämien im Vergleich zu den Löhnen und Renten geradezu explodiert. Es gibt Familien, die monatlich höhere Prämien- als Mietkosten haben.

Mehrkosten fliessen den Falschen in die Tasche

Wenn dieses Geld wenigstens bei denen auf dem Konto landen würde, die es verdient hätten; beispielsweise beim Pflegepersonal, das in den Frühlingsmonaten wegen Covid-19 Sonderefforts leisten musste. Aber nein, die jährlich wiederkehrenden Mehrkosten fliessen zum Beispiel in die Dividenden der Pharmabranche, ins Marketing der Krankenversicherer und auf die Lohnkonti von Chef- und Fachärzten; dorthin, wo hohe sechsstellige Jahresgehälter Standard sind.

Für die Pflegenden gab‘s bekanntlich Applaus, was den Entscheidungsträgerinnen und -trägern in der Politik offenbar genügt.

Gesundheit an erster Stelle, nicht Geld

Die Krankenversicherer tun gut daran, ihre milliardenschweren Reserven abzubauen. Nicht nur, weil dieses zu viel bezahlte Geld uns Prämienzahlerinnen und -zahlern gehört, sondern um die Wogen der Bevölkerung geglättet zu halten. Bald wird das Thema Gesundheitskosten nämlich auf nationaler Ebene Konjunktur haben, wenn die Volksinitiativen zur Umwälzung des Gesundheitssystems von CVP und SP in die eidgenössischen Räte und später vors Volk kommen.

Wir müssen endlich eine Debatte darüber führen, wie wir die Kosten für unsere Gesundheit in den Griff bekommen, ja, was uns unsere Gesundheit wert ist. Denn nicht erst seit Corona ist es offensichtlich: Oft steht nicht die Genesung des Patienten im Fokus, sondern das, was man an ihm verdienen kann. Das muss sich sofort ändern und das bedingt tatsächlich einen Systemwechsel, den es aber ohne neues, unbefangenes Politpersonal in Bern nie geben wird.

135.60 Franken gespart

Übrigens: Gemäss dem Prämienvergleichsdienst des Bundes spare ich 2021 135.60 Franken, wenn ich zur günstigsten Grundversicherung wechsle. Das bedeutet ein Essen zu zweit auswärts bei minimalem Aufwand, nämlich einen eingeschriebenen Brief an meine jetzige Versicherung. Immerhin lässt sich so im Kleinen etwas gegen den persönlichen Prämienschock unternehmen.

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1 Kommentare
  1. Zimmermann, 23.09.2020, 14:42 Uhr

    ich kann mich noch an die Abstimmung zum neuen KVG erinnern. In einer Randnotiz wurden schon damals Erhöhungen erwähnt. Niemand interesserte dies. Ich erlebte gleich nach der Abstimmung eine Erhöhung um 100 Prozent! Auch die Hürden für Prämienverbilligungen wurden schrittweise erhöht, insbesondere für Singles. Heute stehe ich deshalb finanziell schlechter da als ein IV-Rentner welcher Ergänzungsleistungen braucht. Ich fühle mich ausgeraubt. Nicht nur Chefärzte und Pharma sind Abzocker, sondern auch Firmen welche medizinische Geräte produzieren. Dazu eine kleine Anekdote: Einmal kam jemand mit 2 Kupferdrähten mit Stecker zu mir. Ursache: Kabelbruch. Der Kunde erzählte, ein neuer Kabelsatz koste 120 Franken. Ich ging das Kabel nachlöten, Aufwand: 5 Minuten

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