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6000 Sans-Papiers in Luzern – was die Zahlen nicht sagen
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Rund jeder dritte Asylbewerber tauchte unter. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Monique Frey 6000 Sans-Papiers in Luzern – was die Zahlen nicht sagen

3 min Lesezeit 18.08.2016, 10:00 Uhr

Unsere Bloggerin setzt sich mit dem Asylthema auseinander und zeigt auch Probleme der Sans-Papiers auf. Die Zahlen und Fakten vom Kanton Luzern überraschen.

Die Zentralschweizer Kantone schaffen erfolgreich aus (zentralplus berichtete). Fast alle abgewiesenen Asylsuchenden verlassen anscheinend die Zentralschweiz fristgerecht. Auch die Zahl der nicht anerkannten Flüchtlinge, die in der Zentralschweiz bleiben und Nothilfe beziehen, sei konstant tief. Die Zahlen sind so genau aufgeschrieben, dass kaum Zweifel aufkommen.

Nur wer sich intensiver mit dem Thema auseinandersetzt, weiss, dass vor noch nicht so langer Zeit eine andere Meldung von der Schweizer Medienlandschaft aufgenommen wurde: Im Bundeszentrum in Zürich prüft das SEM (Staatssekretariat für Migration) in einem Testbetrieb seit Anfang 2014 das neue Asylverfahren. Die Asylbewerber erhalten eine Rechtsvertretung, die sie früh über die Chancen auf ein Bleiberecht informiert. Die Zahl der Beschwerden sank in einer ersten Testphase deutlich.

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Jeder dritte Asylbewerber tauchte unter

Die Kehrseite: Rund jeder dritte Asylbewerber tauchte unter. Im Bericht auf zentralplus wird erwähnt, dass die Hälfte der abgewiesenen Asylbewerber freiwillig abgereist sei. Das heisst, die Kantone wissen eigentlich nicht, wo sie sich nun aufhalten. Aus den Augen, aus dem Sinn und der Verantwortung. Eine vertiefte Recherche über das Thema wäre wünschenswert.

Klar ist, dass mit Härte in der Asylpraxis und mit Ausweisungen kein Asylbewerber weniger in die Schweiz kommt. Das Problem liegt in vielen Fällen bei der von den Industrieländern gesteuerten globalen Wirtschaftspolitik. Auf den Schultern der Ärmsten subventionieren wir uns ein angenehmes Leben mit billigen Waren und Bodenschätzen aus den Ländern des Südens.

Nicht nur in Luzern

Nicht die Entwicklungshilfe hat versagt, sondern die globale Wirtschaft, welche sich keine Sozial- und Umweltstandards gegeben hat. Vom globalen Handel profitieren die Firmenbosse, die korrupten Regierungen und wir.

Die «Kollateralschäden» werden sozialisiert bzw. der armen Bevölkerung aufgeladen, die zu Hungerlöhnen arbeiten muss oder sogar von ihrem Grund und Boden zu Gunsten von Minenabbaugesellschaften vertrieben wird. Mehr dazu kann auf der Homepage der Konzernverantwortungsinitiative gelesen werden. Solange keine fairen Wirtschaftsbeziehungen aufgebaut werden, werden nicht nur Waren weltweit gehandelt, sondern es werden sich eben auch Menschen auf den Weg rund um die Welt aufmachen.

Über 6000 Sans-Papiers im Kanton

Bei uns im Kanton Luzern leben nicht nur Asylbewerber, sondern auch über 6000 Sans-Papiers. Wie sich diese Zahl in Zukunft mit den vielen abgewiesenen Asylbewerbern verändern wird, wissen wir nicht. Klar ist, dass sich hinter dieser Zahl viele persönliche Schicksale verbergen. Dies konnten wir im Interview mit der Leiterin der Luzerner Kontakt- und Beratungsstelle für Sans-Papiers, Regula Erazo, lesen (zentralplus berichtete).

Handeln statt aussitzen

Es ist Zeit, dass sich der Kanton Luzern intensiver mit den Sans-Papiers auseinandersetzt und die Probleme nicht einfach aussitzt. Denn betroffen sind oft auch Kinder und Jugendliche, denen mittels einer Härtefallregelung eine Aufenthaltsbewilligung ausgestellt werden soll. Damit können sie wie alle Kinder Perspektiven in der Schul- und Berufsausbildung aufbauen.

Weiter muss für Personen, die schon lange Nothilfe beziehen, endlich ein ordentlicher Aufenthaltsstatus ausgestellt werden. Diese Personen sind ja nicht schuld an den miserablen politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen in ihren Herkunftsländern.

Diese Personen sollen in der Schweiz bleiben können und dann mit dem neuen Aufenthaltsstatus, der auch eine Arbeitsbewilligung beinhaltet, endlich die Möglichkeit erhalten, für sich selber zu sorgen.

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