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Wie viele Zuschauer da waren? Interessiert mich nicht
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Am Luzerner Fest 2017 waren 100’000 Besucher. (Bild: Emanuel Ammon/AURA)

Quantität statt Qualität Wie viele Zuschauer da waren? Interessiert mich nicht

2 min Lesezeit 2 Kommentare 20.12.2017, 11:56 Uhr

Die Anzahl Besucher einer Veranstaltung sagt nichts über die Qualität derselben aus. Warum sie dennoch in jedem Rückblick steht, fragt Mario Stübi in seinem Beitrag.

Luzerner Fest 2017: 100’000 Besucher; Comix-Festival Fumetto 2017: 42’000 Eintritte; Funk am See 2016: 8’000 Besucher; Fasnacht in der Stadt Luzern: 157’000 Besucher (27’000 mehr als 2016). Woher ich das weiss? Wird von allen Veranstaltern nach ihren Anlässen so kommuniziert. Jedes Medium, das über den Abschluss einer Veranstaltung berichtet, nimmt solche Zahlen dankend auf und setzt sie mit Erfolg oder Misserfolg gleich. Diese Symbiose von Organisatoren und Medien («Ich liefere die Zahlen, du druckst sie ab») sollte endlich durchbrochen werden.

Platz 1 der Hitparade ist auch kein Qualitätssiegel

Warum? Weil sie langweilig ist. Was interessiert mich als Leser, der an einer entsprechenden Veranstaltung nicht anwesend sein konnte, die Tatsache, ob ich mich locker hätte durch den Raum oder die Wiese bewegen können oder ich in den Massen fast erstickt wäre? Mich interessiert doch, ob die Band ein geiles Konzert geliefert hat, das Theater gut inszeniert war, die Menschen eine künstlerische Botschaft mit nach Hause genommen haben. Schliesslich hat Platz 1 der Singlecharts auch noch nie etwas über die Qualität eines Songs ausgesagt. Beim Besuchererfolg ist es nicht anders.

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Einfach mal keine Zahlen kommunizieren

Es hat sich halt eingespielt zwischen Journalisten und Veranstaltern, dass die Besucherzahl der Aufhänger einer Berichterstattung wird. Und niemand auf der Redaktion hatte Zeit, den Anlass zu besuchen und sich vor Ort ein inhaltliches Bild des Programms zu machen. Ich könnte an dieser Stelle in eine allgemeine Abrechnung mit der Kulturberichterstattung einstimmen. Aber ich kürze ab und frage stattdessen: Welche/r Veranstalter/in macht 2018 den Anfang und gibt auch bei Nachfrage partout nichts zu den Besucherzahlen ihres/seines Events bekannt? Wer hält dem Druck stand, wenn Medien deswegen öffentlich über einen Misserfolg der Veranstaltung mutmassen? Ich würde ideell applaudieren.

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2 Kommentare
  1. Mario Stübi, 20.12.2017, 14:51 Uhr

    Liebe Leslie, da hast du recht, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass sich eure Sponsoren nur mit den Besucherzahlen zufrieden geben. Wem die Unterstützung einer Veranstaltung am Herzen liegt, will den Besuchern nicht nur Logo des Betriebs präsentieren, sondern bei ihnen etwas auslösen, damit die Gäste das Engagement des Sponsors mit diesem Erlebnis verbinden. Aber natürlich kann ich mangels Erfahrung nicht ausschliessend, dass es Firmen gibt, die ihre Unterstützung ausschliesslich von einer Mindestanzahl Besucherinnen und Besucher abhängig machen (und ich hoffe es vor allem nicht).

  2. Leslie Schnyder, 20.12.2017, 14:17 Uhr

    Lieber Mario, es sind ja nicht nur die Medien, die Zahlen verlangen. Auch die Sponsoren wollen wissen, bei wievielen Menschen ihr gutes Werk seine Wirkung entfaltet :-).
    Leslie vom Literaturfest