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EWL-Areal: Gassenküche und die Clubs waren zuerst da
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Das EWL-Gebäude soll einem Neubau weichen – doch was passiert sonst auf dem Areal? Das ist umstritten. (Bild: jal)

Wiederholt sich ein ärgerliches Kapitel Luzerner Geschichte? EWL-Areal: Gassenküche und die Clubs waren zuerst da

3 min Lesezeit 22.06.2017, 11:31 Uhr

Bei der Überbauung des EWL-Grundstücks muss zwingend die bestehende Nachbarschaft eine Rolle spielen, findet Kultur-Blogger Mario Stübi. Sonst wiederholt sich ein ärgerliches Kapitel Luzerner Geschichte.

Nach Monaten der Verzögerung hat der Luzerner Stadtrat Ende letzten Jahres das Heft in die Hand genommen und der EWL Beine gemacht. Es geht um die Entwicklung des Grundstücks zwischen Industriestrasse, Geissensteinring und Gleisfeld, welches Energie Wasser Luzern gehört, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Stadt Luzern (zentralplus berichtete).

Die Verzögerung hat mitunter damit zu tun, dass sich Stadt und EWL nicht einig waren über die Richtung der Entwicklung dieser mehrheitlich unternutzten Fläche – obschon die über 20’000 Quadratmeter unter dem Strich der städtischen Bevölkerung gehören. Manchmal kam es mir vor, als ob Mama die Tochter zurechtweisen muss, «nein, Schatz, es ist nicht okay, dass du dein Kinderzimmer untervermietest».

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Nächste Woche entscheidet sich Richtung der Entwicklung

Nun denn, nächste Woche sind wir schlauer, unter welchen Voraussetzungen das Areal in den kommenden Jahren entwickelt werden soll. Am Donnerstag entscheidet nämlich das Stadtparlament über den entsprechenden Bericht und Antrag, der diesen Prozess in die Wege leitet. Darin fehlt aus meiner Sicht aber ein relevanter Punkt. Zuerst aber eine kurze Geschichtsstunde.

Fehler aus Zeiten der Boa nicht wiederholen

Warum gibt es die Boa nicht mehr? Mitunter weil gleich daneben Wohnungen gebaut worden sind, deren Eigentümern Bassvibrationen und Bierflaschen nicht genehm waren. Ist es wohl den wenigsten von uns, aber die Boa war halt zuerst da, darum die Empörung seitens der Betreiber und Besucher des alternativen Kulturzentrums. Was der damalige Baudirektor Kurt Bieder (FDP) verbockte, wurde bei der ehemaligen Butterzentrale besser gelöst. Auch dort sind Wohnungen gebaut worden. Damit aber Konflikte mit dem nahen Treibhaus gar nicht erst entstehen, wurde im Grundbuch eingetragen, dass Bewohner dieser Liegenschaften das Treiben des Jugendkulturhauses akzeptieren müssen, solange sich der Betrieb seinerseits an die Regeln und Gesetze hält. Eine prima Lösung bislang, keine medialen Schwarz-Peter-Spiele weit und breit wie damals bei der Boa.

Konfliktpotenzial auch hier vorhanden

Was hat das jetzt mit dem EWL-Areal zu tun? Die Ausgangslage ist ähnlich: Das Grundstück wird dereinst neu überbaut, vor allem mit Infrastruktur für Blaulichtorganisationen wie Feuerwehr und Rettungsdienst, einem neuen Hauptsitz für die EWL, aber auch mit Wohnungen. Das Problem ist jetzt, dass mit Bar 59 und Uferlos unmittelbar neben dem Areal zwei Nachtclubs seit Jahren erfolgreich ein ausgehfreudiges Publikum anziehen. Ebenso charakteristisch für das Quartier ist die Gassenküche am Kopf der Industriestrasse, wo vor allem um die Mittagszeit Hochbetrieb herrscht, nicht selten unter Aufsicht einer Polizeipatrouille. Lange Rede, kurzer Sinn: Diese Institutionen bieten Konfliktpotenzial mit Mietern der neuen Wohnüberbauung auf dem Grundstück der EWL.

Zwei Lösungsansätze: kluge Gebäudeanordnung und Grundbucheintrag

Damit es aber nicht so weit kommt wie im Falle der Boa, wo das Kulturzentrum schlussendlich dicht machen musste, müssen schon jetzt die Weichen gestellt werden:

  1. Durch eine kluge Anordnung bzw. Ausrichtung der einzelnen Baukörper soll vermieden werden, dass die erwähnten Clubs eine Wand aus Schlafzimmerfenstern vor die Eingangstür gestellt bekommen. Dessen müssen sich Architekturbüros bewusst sein, die sich in den kommenden Monaten an eine Eingabe für den Projektwettbewerb machen. Stadt und EWL haben ihrerseits zu gewährleisten, dass dies nicht vergessen geht, sondern – im Gegenteil – aktiv berücksichtigt wird.
  2. Unabhängig davon muss eine Lösung analog Butterzentrale angestrebt werden. Die «Alteingesessenen» dürfen am Ende nicht von den «Neuen» verdrängt werden. Ein Grundbucheintrag drängt sich darum auch hier auf (was übrigens aufgrund der Gassenküche auch beim Areal auf der anderen Seite der Industriestrasse geplant ist).

Bitte keine Verlierer mehr

Aber wozu der ganze Aufwand? Gibt es nicht genug Ausgangslokale in der Stadt bzw. könnte die Gassenküche nicht auch woanders ihre Gäste empfangen? Die Frage muss anders lauten: Wer möchte sich nochmals das unschöne Hin und Her der Boa-Zeiten antun und am Schluss nur eine Meute stinksaurer Verlierer hinterlassen? Eben, lieber aus Fehlern der Vergangenheit lernen.

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