Die Kunst eines Duos
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Das Duo Amstad Inglin bei einer Performance. (Bild: zvg)

Fragile Zweierseilschaft der Zuger Musiker Linus Amstad und Jonas Inglin Die Kunst eines Duos

3 min Lesezeit 06.04.2021, 10:50 Uhr

Als aktive Mitgestalter der Zuger Kulturszene wurden wir – Linus Amstad und Jonas Inglin – schnell aufeinander aufmerksam. Da wir ähnliche musikalische Vorlieben haben und beide einen Hintergrund in der klassischen Musik und im Jazz, war eine Zusammenarbeit nur eine Frage der Zeit.

Jonas stampft sich mit seiner Bassposaune durch die Harmonien, Linus schreit sich mit seinem Saxofon die Seele aus dem Leib. Sein Solo hat den Höhepunkt bereits überschritten, aber was passiert als Nächstes? Ist die Geschichte schon zu Ende erzählt und wir widmen uns dem komponierten Ende oder lassen wir das Solo noch etwas weiter ausklingen?

Eine Entscheidung, die nur gemeinsam und ohne Worte getroffen werden kann. Es sind genau diese Momente, die für uns das Zusammenspiel im Duo ausmachen. Nicht selten passieren dabei auch Fehler und man muss darauf vertrauen, dass der andere die eingeschlagene Richtung erkennt und mitgeht. Aber je besser man sich kennt, desto präziser ist die gemeinsame Vorstellung vom grossen Ganzen.

Damit es zu diesen wunderbaren Momenten kommen kann, braucht es diverse Vorbereitungen. Zum vierten Mal soll eine kleine Konzertreihe mit eigenen Stücken im Raum Zug stattfinden. Die Proben sind geplant, Lokalitäten gebucht und das Budget steht. Damit wir im kommenden Juni auftreten können, brauchen wir also nur noch neue Kompositionen. Für uns ist diese Konzertreihe nämlich sehr wichtig, um regelmässig einen künstlerischen Output in Form von Kompositionen und Improvisationen generieren zu können.

Das Fehlende klingen lassen

Ein Duo besteht meistens nur aus zwei Menschen. In unserem Fall zwei Menschen, die Blasinstrumente spielen. Das bedeutet, es können im Normalfall nur zwei Töne gleichzeitig erklingen. Die Kunst besteht also darin, ein Konzentrat einer musikalischen Idee zu erstellen. Dieses Konzentrat kann von der Zuhörerin mit ihrer Hörerfahrung ausgefüllt werden und lässt viel Interpretationsspielraum zu.

Würde man sich beispielsweise das Stück «Technoid» unserer letztjährigen Konzertreihe anhören, ohne uns dabei zu sehen, nähme man den Grundpuls um einen halben Schlag verschoben wahr. Denn das Stück erinnert an einen Technosong, jedoch ohne Schlagzeug und somit ohne akustische Referenz des Zeitrasters, weshalb der konstante «Offbeat» des Basses als «Downbeat» gehört werden würde. Erst durch unser «Tanzen» zur Musik, wird der eigentliche Puls sichtbar.

Zwei Melodieinstrumente reichen auch aus, um Harmonien zu suggerieren. So ist in den meisten Improvisationsteilen die harmonische Struktur gegeben, auch wenn diese nicht konstant erklingt. Dadurch, dass sich auch der Solopart und die Begleitung oft verweben und wir beide für die Darstellung der Harmonie verantwortlich sind, wird das harmonische Muster deutlich hörbar.

Einander zum Fliegen verhelfen und nach Hause lotsen

Die musikalischen Grenzen auszuloten ist spannend, aber – insbesondere in einer fragilen Zweierseilschaft – immer auch mit Risiken verbunden. Doch genau in diesem Grenzbereich liegt der Reiz und da entstehen auch die schönsten Momente unserer Konzerte. Das Publikum kann die intime zwischenmusikalische Beziehung hautnah miterleben und Teil dieser Gratwanderung sein.

Wir haben uns entschieden. Linus spielt das Thema und signalisiert Jonas das Ende seines Solos. Jonas spielt noch einmal die zarte Melodie des Anfangs, ritardiert ein wenig und endet zusammen mit Linus in der Schlussfermate. Spannung halten. Lächeln. Applaus.

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