Eine kleine, wilde Liste an Ideen für alle Mütter Machen wir uns das Leben ein bisschen leichter

09.05.2021, 11:00 Uhr 5 min Lesezeit 2 Kommentare
Mami sein gibt viel zu tun. (Bild: Alexander Dummer, Unsplash)
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Mami sein gibt viel zu tun. (Bild: Alexander Dummer, Unsplash)

Eine sehr gute Freundin von mir erkrankte vor einiger Zeit – ihrerseits Mutter zweier Kleinkinder, Ehefrau eines schwer engagierten Mannes und in Teilzeit als Krankenschwester tätig. Was sie hatte? Ein Burnout.

Einige werden nun vermutlich die Augen verdrehen. Das ging mir bis vor Kurzem meist ähnlich, wenn ich dem Modebegriff «Burnout» begegnete, was ja dieser Tage gerne und oft passiert.

Fatal. Denn nun ist aus einer abstrakten Bezeichnung plastische Realität geworden. Zumindest für meine Freundin, für die ihr gesamtes Familiensystem stark ins Wanken kam. Für mich als Zuschauerin (und, wo es irgendwie ging, natürlich auch als Helferin) dieser traurigen Ausprägung unserer Gesellschaft.

Zu viel des Guten

Wir haben uns in einigen Teilen von Europa und in der Schweiz ganz besonders in einem sehr hohen Standard eingerichtet: Wir möchten toll wohnen. Ein sicheres Auto fahren. Gut gekleidet sein. Reisen. Und eine richtig gute Kita für unsere Zwerge muss her! Das alles kostet echt viel Geld. Und wo viel Geld ausgegeben wird, muss eben auch viel Geld erwirtschaftet werden. Die hohen Standards zwingen die meisten Menschen geradezu, auch echt viel zu arbeiten.

Und die Litanei der Standards geht in eine zweite Runde!

Dieses Kochen! Natürlich immer frisch, täglich. In Bioqualität, das Fleisch vom nahegelegenen Bauernhof, Demeterware aus dem Reformhäuschen, all so etwas. Fürs Zvieri sind urplötzlich die guten alten Apfelschnitze und ein bisschen Pfefferminztee nicht mehr gut genug. Es muss schon auch immer mal Superfood dabei sein und natürlich bizzli fancy aussehen. Selbstgebackenes Knäckebrot mit Blütenpollentopping.

Das Kind möchte Tennis spielen: kein Problem, ich fahre. Es muss natürlich zum Schwimmkurs, das ist wichtig. Schachclub! Was soll man tun, man will doch dem Kind nicht im Wege stehen, ausserdem ist’s ja bloss ein einziger, kleiner Termin mehr pro Woche. Mittwochs ist «Gwunderstund» im Naturmuseum? Da müssen wir hin! Bestimmt lernt der Zwerg dort viel. Heute aber zuallererst einen Speed in die Bibliothek hinlegen! Wir müssen die horrenden Mahngebühren bezahlen, für die wir den ganzen Stapel Kinderbücher bei Orell Füssli hätten kaufen können.

Der Grosse hat übermorgen einen Mathetest und checkt das Thema nicht? Kein Ding! Ich lese mich heute Abend kurz in die Analysis ein (bis 01.30 Uhr morgens, ist schliesslich echt schon lange her!) und unterrichte ihn morgen. Und die Kindergeburtstage! Von den eigenen Zwergen, Gotti- und Göttikindern, Nichten und Neffen. Geschenke müssen her! Aber nicht von der Stange. Am liebsten irgendwas ganz Bsundrigs! Vielleicht ein Wolljäckchen aus Bio-Baby-Alpaka-Wolle, das in Norwegen von blinden, sehr fair entlöhnten Ordensfrauen gestrickt worden ist?

Selbstverständlich hat auch der Osterhase nur pädagogisch wertvollen, fair produzierten Inhalt im Körbchen. So auch der Chlaus, by the way. Und das Christkind hält die Superlative an tollem Geschenkekram eh schlichtweg und unangefochten unerreichbar hoch. Dass ich als Mutter meist alle drei heiligen Geschenketräger im Jahreskreis höchstpersönlich inkorporiere, ist doch Ehrensache. Nun noch schnell staubsaugen, ehe der Besuch kommt! Und eine Tarte Tatin caramelisée backen, geht doch ganz schnell!

Als Subtext in der ganzen Geschichte das Mantra: «Für meine Kinder will ich die allerbeste Mama sein und dafür tue ich alles!»

Ich könnte endlos weitere, alltägliche Wahnsinnsszenarien runterbeten. Ich glaube aber, dass sich die ein oder andere Mama bereits widererkannt hat und nun vielleicht etwas intensiver über die eigenen Ressourcen nachdenkt. Ich glaube wirklich, dass wir uns das Leben hin und wieder ganz bewusst ein bisschen einfacher machen dürfen. Und hierfür habe ich mir eine kleine, wilde Liste an Ideen ausgedacht. Vielleicht ist ja auch für euch etwas dabei.

  • Menüplan für die ganze Woche machen – benötigt etwas Initialaufwand einmal die Woche. Dann ist Ruhe.
  • Alle Zutaten für die Menüs können direkt bei Coop at home oder alternierend bei Le Shop bestellt werden. Ich rede aus Erfahrung, es spart so viel Einkaufszeit und -stress.
  • Eine Outdoormama braucht keinen schmissigen Bastelnachmittag zu reissen. Jede Mutti hat ihr Steckenpferdchen und das ist gut so. Macht einfach das, was euch gerade leicht fällt.
  • Für den Besuch tut es auch mal der Kuchen vom Bäcker. Man muss nicht immer alles selber herstellen.
  • Es gibt gefühlt eine Million Elternratgeber. Sie alle haben ihren eigenen pädagogischen Ansatz. Folglich können wir gar nicht allen entsprechen. Hört in der Erziehung einfach auf euer Bauchgefühl.
  • Achtsamkeit: Das Zauberwort! Es entschleunigt und entspannt. Einfach mal mit allen Sinnen das tun, was man gerade tut. Und nicht noch drei andere Sachen.
  • «Hüetimeitschi» suchen, das für ein Taschengeld gern einmal die Woche zwei Stunden Zwergendienst übernimmt. Oft werden diese von der örtlichen Mütter- und Väterberatungsstelle vermittelt.
  • Putzhilfe suchen! Ich weiss, das kostet echt was. Aber auch wenn’s nur einmal im Monat ein paar Stunden sind, ist dieser Betrag sicher goldrichtig angelegt.
  • Man muss die pädagogische Brille ja nicht 24 Stunden am Tag tragen: die Kinder nehmen keinen Schaden, wenn sie mal eine halbe Stunde vor einer sorgfältig ausgewählten Kinderserie parkiert werden.
  • Den Kindern ist es in aller Regel egal, wenn es während einer strengen Zeit dreimal die Woche Pasta gibt. Die aufwendige Kocherei bedient meist nur unsere Ansprüche.
  • Einfach mal einen Nachmittag nichts machen. Nur auf dem Sofa rumfaulen, heisse Schokolade trinken und maximal Bilderbücher angucken.
  • Bevor einem alles über den Kopf wächst: Termine absagen, einfach kurz aus dem Alltag aussteigen. Die Welt dreht auch ein Weilchen ohne uns weiter.

«Reduce to the max!» Oder so.

Wir sollen uns also aufs Wesentliche konzentrieren und nicht zu viel wollen. Und damit möchte ich hier nicht statuieren, dass man keine ausgefallenen Zvieri mehr backen und alle kulturellen Miniausflüge aus der Agenda herausstreichen soll. Denn wesentlich ist es auch, dass man Dinge macht, die das Energielevel erhöhen.

Wenn es Freude macht, einen Kuchen zu backen, dann tut es! Bastelmamas, immer ran an die Glitzertube! Theateraffine Muttis besuchen supergern mit dem Spross die samstägliche Vorstellung, ist doch toll!

Aber: Macht eben nicht alles. Wählt ruhig aus. Das ist unser Privileg.

In diesem Sinne wünsche ich euch allen das Händchen, eine wunderbare Life-Balance herzustellen.

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2 Kommentare
  1. Hans P., 09.05.2021, 21:25 Uhr

    Tipp Nr. 13: Den Vater einspannen!
    Irgendwie komisch dass «Verantwortung an den Vater abgeben» nicht aufgeführt ist. Wir sind ja nicht mehr im Jahr 1950!
    Emanzipation spielt auch in der Partnerwahl eine Rolle.

    E schöne gau
    Hans P.

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    1. Sabrina Forrer, 11.05.2021, 16:11 Uhr

      Lieber Hans P.

      Selbstverständlich ist meine Ideenliste, sich das Leben etwas leichter zu machen, für beide Elternteile gemeint. Also für Mama und Papa. Mein Fehler, dass ich nur Mama geschrieben habe. Ich habe einfach gerade sehr aus meiner Warte gesprochen. Für mich ist es jedoch eine Selbstverständlichkeit, dass beide Elternteile eingespannt sind – wie auch immer es dann als Familie ausgestaltet wird.

      Herzliche Grüsse
      Sabrina

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