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Kinderbetreuung 2018 – wenn Mami tatsächlich arbeiten geht
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Wer betreut mein Kind während 13 Wochen Schulferien? Kinderbetreuung 2018 – wenn Mami tatsächlich arbeiten geht

4 min Lesezeit 17.02.2018, 10:54 Uhr

Über den Spagat zwischen Kinderbetreuung und Vollzeitstelle. Unsere Elternbloggerin wünscht sich mehr Unterstützung – insbesondere für Alleinerziehende.

Wochentags morgens um sieben. Das Mami weckt die statistisch 1,8 Kinder pro Haushalt, macht das Zmorge und hilft ihnen, sich für Kindergarten und Schule anzuziehen. Während der Papi danach zur Arbeit fährt, bringt das Mami das kleine Kind in den Kindergarten und verabschiedet das Schulkind mit einem gesunden Znüni im Rucksack.

Auf dem Heimweg kauft das Mami noch schnell ein und kocht zuhause – nach dem Betten-frisch-Beziehen und Kurz-Durchsaugen – ein feines Zmittag. Um 11.20 läuft das Mami wieder los, das kleine Kind vom Kindergarten abholen. Am Nachmittag hilft das Mami dem Schulkind bei den Hausaufgaben und bringt das kleinere Kind zum Spielen in den Sandkasten.

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Abends kommt Papi wieder nach Hause und das Mami stellt sogleich den Znacht auf den Tisch. Dann erzählt der Papi noch eine Gutenachtgeschichte, während das Mami den Geschirrspüler einräumt.  

Ausgeträumt

Aber wie sieht es denn aus, wenn das Mami auch erwerbstätig sein möchte oder muss? Immerhin hat sie drei Jahre lang Vollzeit in einer grossen Firma gearbeitet. Als sie dann schwanger mit dem Schulkind war, hiess es, sie könne nach den grosszügigen 14 Wochen Mutterschaftsurlaub sofort wieder zurückkommen. Da man «anderen Familienmodellen» gegenüber aufgeschlossen sei, dürfe sie ihr Pensum sogar auf 90% reduzieren. Vereinbarkeit in Reinkultur.  

Dabei wäre das ja noch irgendwie machbar gewesen, so lange ihre beiden Kinder noch im Kita-Alter (also vor Kindergarteneintritt) waren. So lange hätte sie ihre Kinder nämlich in einer Kita mit Öffnungszeiten von 7 bis 19 Uhr flexibel und gut betreut gewusst. Interessant wird es dann aber, wenn der Eintritt in den Kindergarten erfolgt. Dieser fängt in ihrer Wohngemeinde viermal die Woche um 8.20 an und dauert bis 11.45 Uhr. Einmal die Woche ist ganztags frei und einmal die Woche ist nachmittags von 14 bis 16 Uhr Kindergarten.

Zum Glück gibt es in der Gemeinde zusätzlich eine sogenannte Tagesschule, das heisst, Kindergarten- und Schulkind können nach dem Unterricht zum gemeinsamen Mittagstisch und werden auch am Nachmittag bis 17.30 Uhr betreut. Natürlich nicht gratis, aber das Mami verdient ja was und ist auch gerne bereit, für eine gute Kinderbetreuung zu investieren. Eine solche Tagesbetreuung ist aber keineswegs Standard. So gibt es durchaus auch Gemeinden, die nur einen Mittagstisch und keine Nachmittagsbetreuung anbieten. Da hätte unser Mami ja noch mal Glück gehabt. So weit, so gut.

«Tja, dann wird das Mami eben auf einen sehr verständnisvollen Arbeitgeber angewiesen sein.»

Doch nun stehen die ersten Schulferien an. Es gibt Weihnachtsferien, Ski- und Fasnachtsferien, Frühlings- und Osterferien, Sommerferien und Herbstferien. Ein durchschnittliches Schulkind kommt so auf rund 13 Wochen Ferien pro Jahr. Einem durchschnittlichen Arbeitnehmer sind 5 Wochen vergönnt. Und jetzt?

Zum Thema Ferienbetreuung hält eine Luzerner Gemeinde auf ihrer Homepage stellvertretend für viele fest: «In den Schulferien wird keine schulergänzende Betreuung angeboten.» Tja, dann wird das Mami eben auf einen sehr verständnisvollen, familienfreundlichen Arbeitgeber angewiesen sein, der Home Office und flexible Arbeitszeiten anbietet. Oder im Idealfall kann der Papi eine Pensenreduktion bei seinem Arbeitgeber erwirken.

Alleine

Das Mami in unserem Beispiel hier ist aber nur ein Fall von vielen. Dieses Mami arbeitet zwar den ganzen Tag, ist aber nicht erwerbstätig. Durch den Ehemann ist sie jedoch finanziell zumindest vorerst versorgt und die Grosseltern verschaffen ihr mit gelegentlichem Kinderhüten auch mal eine Verschnaufpause.

«Staatliche Betreuungsangebote während den Schulferien wären zu begrüssen.»

Nun gibt es aber Mamis, die sind alleine. Da gibt es keine finanzielle Absicherung. Sie müssen ganz einfach arbeiten. Sie verdienen in ihrem Teilzeitpensum gerade so viel, dass es knapp reicht. Sie haben keine Grosseltern in der Nähe. Sie sind auf sich allein gestellt. Für diese Mamis sind die 13 Schulferien-Wochen pro Jahr ein Drahtseilakt. Sie fehlen bei der Arbeit, müssen ein Netz aus hilfsbereiten Nachbarn, Freunden, Nannys oder Tagesmüttern bauen, damit sie in dieser Zeit irgendwie zur Arbeit können. Und die wenigsten Lösungen verursachen keine zusätzlichen Kosten. 

Wie weiter?

In der Schweiz wird das Thema ausserschulische Kinderbetreuung und Kinderbetreuung während den Schulferien also noch lange Kopfzerbrechen bereiten. Die Frage, ob hier der Staat den Eltern helfen soll oder ob man es jeder Familie selber überlässt, irgendwie eine Betreuung zu organisieren, wird wohl unterschiedlich beantwortet werden.

«Mami, ech wett au mol met der is Büro cho!»

Im Sinne einer funktionierenden Wirtschaft und der Gleichstellung von Mann und Frau wären staatliche Betreuungsangebote auch während den Schulferien (durchaus nicht kostenlos) zu begrüssen. Im Übrigen: In diesem Text muss nur das Mami den Vereinbarkeitsspagat machen und nicht der Papi, weil dies eben auch vielerorts den tatsächlichen Verhältnissen entspricht.

Auch bei uns wird das Thema ausserschulische Betreuung und insbesondere Ferienbetreuung in absehbarer Zeit aktuell. Irgendwie durchwursteln und herumorganisieren und dann wird es schon irgendwie gehen. Und sonst bleibt mir wohl nur noch, meinem Kind seinen grossen Wunsch zu erfüllen: «Mami, ech wett au mol met der is Büro cho!»

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