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Als pädagogisch wertvolles Spielzeug meine Kinder fast das Leben kostete
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Spielzeuge sind für Kinder einfach zum reinbeissen. (Bild: PIxabay)

Ein Tag zwischen Bio-Kost und Gifttabletten Als pädagogisch wertvolles Spielzeug meine Kinder fast das Leben kostete

3 min Lesezeit 29.09.2019, 11:06 Uhr

Auch wenn das Mami noch so sehr auf Bio-Qualität achtet: Neben Lebensmitteln nehmen Kinder in gewissen Altersphasen fast alles in den Mund. Und auch die Benutzung von Spielzeugen wird anders interpretiert als dies der Hersteller vorgesehen hat. Beides kann das Kind fast das Leben kosten. Bloggerin Sabrina Forrer zieht ihre eigenen Konsequenzen aus solchen Erlebnissen …

Wir achten ja sehr auf Bio-Qualität, in diversen Lebenslagen. Die Kinder essen Bio-Banane auf Bio-Nature-Joghurt. Sie trinken ausschliesslich Bio-Milch. Sie werden in Bio-Schaum gebadet und mit Bio-Öl eingeschmiert. Also quasi bio von innen und von aussen.

Woran erkennt man bio?

Was für ein totaler Mumpitz das zuweilen ist, zeigt mir im Grunde immer mal wieder «just another day». Neulich war ich gerade unter der Dusche, als das Louloukind angerannt kam und mörderisch jaulte, die kleine Schwester hätte des Bruders Ball kaputtgebissen und verspeise nun dessen Inhalt. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus Slime und Gummiball, irgendeine saublöde Spielerei. Entsetzt riss ich den Duschvorhang zur Seite und rannte klitschnass ins Kinderzimmer.

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Als ich der Kleinen alle Kügelchen aus dem Mund entlockte und den Boden davon befreit hatte, musste ich mich hinsetzen. Auf den Kinderzimmerboden. Noch immer splitterfasernackt, eingeseift und bereits zum ersten Mal an diesem Tag ein bisschen fertig. Ob des skurrilen Widerspruchs von Bio-Banane zum Frühstück und des blauen Glibbertoxikums zum Znüni fand ich aber meinen Humor wieder.

Kinder und Erwachsene verpflegen sich vielfältig

Gut zwei Stunden später an diesem Tag war ich in der Küche mit Gemüseschnippeln beschäftigt, während meine Töchter spielten. Die Grosse streckte mir plötzlich ihren offenen Mund entgegen und zeigte mir, wie sie sich ein farbiges Bonbon auf der Zunge zergehen liess. Das farbige Bonbon war nichts Geringeres als eine Farbtablette aus dem Kosmos-Kristallzucht-Set meines Sohnes.

Einen hektischen Anruf beim Tox-Zentrum später konnte mich die freundliche Frau am anderen Ende der Leitung einigermassen beruhigen. Bald war also die Sache vom Tisch und machte dem Zmittag Platz: Ich servierte den Zwergen Reis, Zanderfilet und Randenschnitze – wovon immerhin zwei von drei Dingen in Bioqualität waren.

Aber immer wieder flammte auch hier der Gedanke an den bizarren Widersinn auf. Wir essen hier gewissermassen Bio-Zander auf Gifttablette. Fein.  

Spielen und Essen bringen das Kind ins Lot

Das dritte Schreckensbild an diesem Tag besuchte mich nur Momente später. Küche putzen stand auf dem Programm, als ich ein würgeähnliches Röchelgeräusch vernahm. Ich erblickte meine Tochter mit hochrotem Kopf, wie sie eine Filzschnur um den Hals gebunden hatte und sie offenbar selber nicht mehr lösen konnte. Vollkommen entgeistert rannte ich zu ihr, band in Windeseile die Schur los und behütete mein Kind vor seinem Erstickungstod. Nullkommaplötzlich dachte ich natürlich daran, dass die Kleine der Grossen im Grunde jeden Mist nachmacht, und fand sie Augenblicke später in einem anderen Raum, aber in exakt derselben Lebenslage wieder, aus der ich gerade ihre Schwester befreit hatte.

Nachdem ich auch die Kleine ihrer Filzschnur entledigt hatte, musste ich mich erneut hinsetzen. Wieder auf den Kinderzimmerboden. Diesmal angezogen, aber dafür ein bisschen fertiger als noch frühmorgens.

Man lernt nie aus …

Pädagogisch wertvolles Spielzeug – kennsch? Filzschnüre sind cool, total vielfältig bespielbar. Einziger, klitzekleiner Nachteil: Man muss ein bisschen aufpassen, dass die Kinder ob des Spiels nicht sang- und klanglos über den Jordan reisen.

Natürlich war das ein besonders krasses Exemplar eines Schiefgehtages. Nicht alle Tage sind bei uns so toxisch. Aber im Grunde habe ich mir dennoch überlegt, was mir das Leben damit sagen möchte.

Abends sehr spät war das Tagesfazit klar. Ich habe nun sehr bestechende Begründungen in der Hand, um bei meinem Mann für eine Haushaltshilfe zu argumentieren. Denn wenn ich zu viel Zeit mit dem Haushalt zubringe, sterben unsere Kinder gewiss eines kreativen Todes.

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