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Beim Konzert mittendrin stehen oder liegen
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Osomo: Soloprojekt von Simon Baumann, der ansonst als Drummer für Schweizer Künstler wie Stephan Eicher spielt. (Bild: Nikola Gvozdic)

Vier Bands spielten gleichzeitig auf dem NF49 Beim Konzert mittendrin stehen oder liegen

3 min Lesezeit 11.06.2019, 11:57 Uhr

Ein Abend am Seetalplatz in der NF49 Emmenbrücke, zwei völlig unterschiedliche und doch ähnliche Konzerte: Osomo und La Colonie de Vacances, Liegekonzert und quadrophonisches Spektakel. Und das Publikum war mittendrin.

Als an diesem Sonntagabend die letzten Tropfen des Nieselregens fallen und unerwartet doch ein wenig blauer Himmel zwischen den Wolken hervorsticht, ja gar Sonnenstrahlen auf den Seetalplatz scheinen, genau dann beginnt ein musikalischer Abend auf dem Gelände der Zwischennutzung NF49, hinter dem Magazin. Gemeinsam von Südpol, Antonmusik und dem B-Sides co-organisiert.

Neues Soloprojekt von Simon Baumann: Osomo

Einen ruhigen Einstieg macht Osomo. Zwischen Zelten sind Stühle und Liegestühle im Kreis angeordnet. Gemütlich schlendern nach und nach Personen zu den Sitzgelegenheiten, bereit, sich völlig zu entspannen.

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Osomo ist der Name des neuen Soloprojektes von Simon Baumann. Jener ist in unter anderem als Drummer von Stephan Eicher, Hank Shizzoe und MC Kutti bekannt, oder als Mitbegründer von «Die Polstergruppe». Letztere zeichnet sich durch die so genannten Liegekonzerte aus, bei denen das Publikum sich, wie der Name erraten lässt, zum Zuhören hinlegt. Ausgehend von diesem Konzept erarbeitete sich Baumann einen eigenen Weg als Solokünstler.

Ohne Hektik und nie langweilig

Umgeben von acht Lautsprechern lässt sich das Publikum über etwa 70 Minuten von Osomo beschallen. Er erschafft dabei elektronische Klangwelten, in denen es tickt und dröhnt, mal eine Sitar erklingt oder ein House-Beat kurz Stimmung macht. Ohne Hektik und nie langweilig. Man fühlt sich wie in einer Blase, in der so etwas, wie eine Aussenwelt nicht mehr zu existieren scheint. Einige aus dem Publikum dösen dabei vor sich hin, andere lesen gemütlich in einem Buch, und wieder andere sitzen bloss entspannt da und hören zu. Bis Baumann seine Zuhörerschaft sanft in die Realität zurückholt.

Eine knappe Stunde später sind alle Sitzgelegenheiten vom Platz verschwunden. Wo vorher gesessen wurde, steht nun eine Traube von Menschen, die gespannt auf den nächsten Act warten.

La Colonie de Vacances: vier Bands spielen gemeinsam – von Indie bis Metal.

La Colonie de Vacances: vier Bands spielen gemeinsam – von Indie bis Metal.

(Bild: Nikola Gvozdic)

Intensive Beschallung von vier Bands – zwischen Indie und Metal

La Colonie de Vacances ist ein Musikprojekt, bestehend aus vier Bands, die gleichzeitig spielen: Papier Tigre, Pneu, Marvin und Electric Electric aus Frankreich. Zehn Musiker und eine Musikerin, die auf vier Bühnen rund um das Publikum eine Liveshow präsentieren. Vier Schlagzeuge, sechs Gitarren und Bässe, sowie Synthies und Gesang. Angepriesen als quadrophonisches Spektakel, zum ersten Mal im deutschsprachigen Raum.

Vor dem Konzert weiss niemand aus dem Publikum, wie man sich verhalten, was man erwarten, wo man sich hinstellen soll. Es gibt keine klare Grundausrichtung, da nicht einfach eine Bühne, sondern eben vier aufgestellt sind. Welcher schenkt man seine Aufmerksamkeit? Aber schon nach wenigen Tönen sind nur entspannte, zufriedene und begeisterte Gesichter zu sehen. Denn, was La Colonie de Vacances bietet, ist grossartig. Durch das perfekte Zusammenspiel der vier Elemente entsteht eine intensive Beschallung für alle, die mittendrin stehen.

Im Kreis gehen anstatt an der Stelle stehen

Es ist ein harter Einstieg, der sich wie ein Schlag in die Magengrube anfühlt, bei dem man trotzdem dankbar lächelt. Die Bands werfen mit harten Riffs um sich, treiben mit den Drums, zwischen Indie und Metal. Mal spielen alle das Gleiche, mal entstehen Konstellationen, Zweierpaare, dann drei oder nur eine der vier Bühnen erklingt, bis wieder alle einsteigen. Das Konzept verführt dazu, nicht an einer Stelle stehenzubleiben, sondern umherzulaufen, um eine Ecke zu finden, in der es vielleicht schon wieder anders, spezieller, klingt. Und dann eine andere und eine andere. Stets ist Bewegung im Publikum.

Am Ende glaubt man kaum, dass das Konzert bereits fertig ist. Ausgelaugt, aber euphorisch löst sich das Publikum langsam aus der Trance, allen bewusst, dass das eben etwas Einzigartiges war.

Nikola Gvozdic

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit null41.ch entstanden und kann auch hier gelesen werden.

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