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«Bei Zug habe ich den grössten Siegeshunger gespürt»
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Die spektakuläre Neuverpflichtung des EV Zug ist in der Stadt eingetroffen: Jan Kovar. (Bild: ain)

Titelsammler Kovar verstärkt den Titelanwärter EVZ «Bei Zug habe ich den grössten Siegeshunger gespürt»

5 min Lesezeit 24.07.2019, 19:54 Uhr

Jan Kovar ist der vielleicht spektakulärste Transfer aller National-League-Klubs: Der 29-jährige Tscheche ist ein brillanter Spielgestalter, der Teams auf ein höheres Niveau heben kann. Das beweist seine Titelsammlung.

Es ist Mittwoch. Die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel über Zug. Jan Kovar, der am Tag zuvor in Zug eingetroffen ist, steht im Schatten der Bossard-Arena. Unverzüglich geleitet er den Reporter von zentralplus ins kühlere Innere des Stadionbauches. Eine halbe Stunde später muss er seine kurzen Hosen und T-Shirt gegen die Eishockeyrüstung tauschen. Im Zuge der unmittelbaren Vorbereitung auf die nächste Saison ist ein erstes Eistraining angesagt.

Der Tscheche ist ein höflicher Zeitgenosse, darum bemüht, sich in Deutsch auszudrücken – bevor er doch darum bittet, das Gespräch in Englisch zu führen. Er wirkt fast etwas scheu. Dabei ist der 1,80 Meter grosse und 98 Kilogramm schwere Mittelstürmer eine grosse Nummer im internationalen Klubhockey.

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Kovar mit drei Meistertiteln seit 2013

Vor sechs Jahren, im Alter von 23, führt er seinen tschechischen Stammklub Pilsen zum ersten Titelgewinn der Klubgeschichte. Mit 11 Toren und 15 Assists in 20 Playoff-Spielen ist Kovar der beste Torschütze und der beste Vorbereiter. Er wird zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt.

Ein Jahr darauf wird er mit Magnitogorsk russischer Meister. 2016 wiederholt er den Gewinn der Meisterschaft. Die Metropole im Südural verlässt er 2018 nach insgesamt 368 Spielen und 377 Skorerpunkten. Bezeichnend, dass EVZ-Sportchef Reto Kläy schon vor dem ersten Bully der Saison 2019/20 nach einer Verlängerung des bloss ein Jahr gültigen Vertrags mit Jan Kovar strebt.

zentralplus: Jan Kovar, warum haben Sie sich nicht länger als ein Jahr von ihrem neuen Arbeitgeber verpflichten lassen?

Jan Kovar: Ich glaube, dass es besser für den Klub und mich ist, zu schauen, ob es für beide Seiten passt. Wenn dem so ist, können wir jederzeit gerne Gespräche über eine Vertragsverlängerung führen. Ich will mich erst mal in der Liga zeigen und vor allem Leistung bringen.

zentralplus: Sie waren auch auf dem Radar anderer Schweizer Topklubs. Warum haben Sie sich für Zug entschieden?

Kovar: Wir haben Gespräche mit allen Interessenten geführt. Aber bei keinem anderen Klub habe ich so einen grossen Siegeshunger gespürt wie beim Trainer und dem Manager des EV Zug. Ich wollte unbedingt Teil dieses Projektes werden.

zentralplus: Sie wissen genau, wie man Meister wird. Was ist der Schlüssel dazu?

Kovar: Die Basis dafür ist in den meisten Fällen ein qualitativ überdurchschnittliches Team, das in einen Lauf kommen muss. Es sind Details, die eine Mannschaft zu Siegern macht. Um das zu beschreiben, ist Glück ein unzureichender Begriff.

zentralplus: Nennen Sie uns doch bitte ein konkretes Beispiel.

Kovar: In Magnitogorsk hatte ich die perfekten Vollstrecker an meiner Seite. Wir bekamen viel Eiszeit, wir sind Freunde geworden. Wir kannten einander praktisch auswendig, wussten in jeder Situation, was der andere tun wird. Die Automatismen funktionierten perfekt.

zentralplus: Sind Sie der Spieler, der dem EV Zug noch zum Gewinn der Meisterschaft gefehlt hat?

Kovar: So etwas zu behaupten, wäre doch viel zu einfach. Ich muss Ihnen ja nicht erklären, dass Zug schon letzte Saison ein starkes Team hatte. Und es wird auf nächste Saison hin noch besser mit dem besten Torhüter und dem besten Goalgetter der Liga. Das war für mich eine zusätzliche Motivation, in Zug zu unterschreiben.

zentralplus: Mit Ihrem aussergewöhnlichen Können als Spielgestalter und Ihrer erfolgreichen Vita werden die Fans Grosses von Ihnen erwarten. Ist das für Sie mehr Druck als Vergnügen?

Kovar: Beides, denke ich. Wenn die Zuschauer nicht über dich reden, bist du wahrscheinlich eher ein Nobody. Und das kann nicht mein Anspruch sein. Um sich selber aber auch nicht zu viel Druck zu machen, muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass es bloss Hockey ist, was wir als unseren Job bezeichnen dürfen. Und das macht mir vor allem Spass. Aber mir ist auch klar, dass es für eine Mannschaft, die in den letzten drei Saisons zweimal im Final stand, nur ein Ziel geben kann: den Titelgewinn. Und ich bin noch immer hungrig nach diesem grandiosen Gefühl, mit einer Mannschaft ein grosses Ziel zu erreichen. Dagegen verblassen Einzelehrungen wie zum Beispiel diejenige für einen Topskorer.

zentralplus: Sie haben mit den Tschechen im letzten Gruppenspiel der Weltmeisterschaft 2019 die Schweiz 5:4 besiegt und sind dabei auf ein paar Ihrer künftigen Teamkollegen getroffen. Wie haben Sie sich über den EV Zug informiert?

Kovar: Ja, ich schaute mich an der WM nach den Zugern im Schweizer Team um. Ich wusste, wer sie sind, ohne dass wir Kontakt geknüpft hätten. Mir zeichnete Dominik Kubalik ein überzeugendes Bild davon, dass Zug nächste Saison erst recht ein echter Titelanwärter sein wird mit Leonardo Genoni und Grégory Hofmann. Und wissen Sie was?

zentralplus: Nein. Sie werden es mir hoffentlich gleich sagen.

Kovar: (schmunzelt). Mein zweieinhalbjähriger Sohn liebt Hockey über alles. Er verfolgte die WM-Spiele im Stadion zusammen mit meiner schwangeren Frau. Vor allem die Goalieposition fasziniert ihn. Mein älterer Bruder Jakub ist ja Torhüter (zuletzt sechs Jahre in der KHL, Anm. d. Red.). Und nun bin ich mir sicher, dass mein Ältester schnell ein grosser Fan von Genoni werden wird.

zentralplus: Wann werden Sie zum zweiten Mal Vater?

Kovar: Voraussichtlich im Dezember. Meine Frau wird wieder einen Sohn zur Welt bringen.

zentralplus: Ist die National Hockey League für Sie künftig kein Thema mehr?

Kovar: Lassen Sie mich darauf wie James Bond antworten: Sag niemals nie. Aber ich brauche mir auch nichts vorzumachen. Ich werde im nächsten März 30, und in der NHL werden vor allem junge Spieler verpflichtet.

zentralplus: Warum hat es für einen hochbegabten Spieler wie Sie in der letzten Saison bei der NHL-Organisation New York Islanders nicht geklappt?

Kovar: Das kann ich mir selber nicht erklären. Der Cheftrainer sah mich als nicht geeignet an für eine der beiden offensiv ausgerichteten Linien. Ich erhielt nie eine echte Chance, um mich zu beweisen. Mein Vertrag wurde aufgelöst, bevor ich ein Spiel bestreiten durfte. Aber eine solche Erfahrung gehört zum Leben wie all die positiven.

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