Baarer Gemeindepräsident: «Ein Nein wäre ein enormer Rückschritt»
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Das geplante Quartier Unterfeld Süd im Modell. (Bild: wia)

Unterfeld Süd: Zweiter Versuch fürs neue Quartier Baarer Gemeindepräsident: «Ein Nein wäre ein enormer Rückschritt»

4 min Lesezeit 15.09.2020, 20:37 Uhr

Neben Vaterschaftsurlaub und Begrenzungsinitiative steht Ende September ein weiteres wichtiges Thema auf dem Programm. Jedenfalls für die Gemeinde Baar. Ein neues Quartier soll aus dem Boden gestampft werden. Eines, das den Verantwortlichen schon zünftig graue Haare beschert hat.

Die Bagger sind bereits aufgefahren am Baarer Stadtrand. Haben wir etwas verpasst? Ist die Abstimmung zur Bebauung des Unterfelds schon vorbei? Nicht doch. Die Bauarbeiten angrenzend ans Industriequartier Neuhof sind jene fürs Unterfeld Nord.

Der Bau des neuen Wohnquartiers südlich davon hätte gemäss Planung der Gemeinden Zug und Baar schon längst starten sollen. Während die Stadtzuger dem Projekt beipflichteten, versenkten jedoch die Baarer Stimmberechtigten den Bebauungsplan kurzerhand mit 50,4 Prozent (zentralplus berichtete).

Woran scheiterte es? Zu wuchtig, so das Verdikt vieler. Ein ungünstiges Verhältnis zwischen Wohn- und Gewerbefläche, kritisierte man weiter. Unvorhergesehenes Verkehrsaufkommen, befürchtete man ausserdem. Die gescheiterte Abstimmung verdeutlichte: Man hatte der Gegnerschaft nicht genügend Gehör geschenkt. Hatte diese als Minderheit abgetan und dann die gesalzene Rechnung erhalten.

Die Gemeinde zog ihre Lehren

Nun, dreieinhalb Jahre später, stimmen die Baarer über das angepasste Projekt ab. Während die Stadt Zug mittlerweile einen eigenen Kurs fährt, mussten sich die Baarer Behörden sowie die Grundeigentümer in den letzten drei Jahren noch einmal gehörig reinknien und ein neues Projekt erarbeiten.

«Beim neuen Projekt, das wir ausgearbeitet haben, waren alle betroffenen Akteure involviert. Wir haben aus dem damaligen Nein an der Urne gelernt, dass wir die Leute mehr miteinbeziehen müssen», sagt der Baarer Gemeindepräsident Walter Lipp.

Heisst konkret: Ein vierstufiger kooperativer Planungsprozess wurde ins Leben gerufen. Workshops mit Expertinnen, Grundeigentümern und Vertretern aus der Gemeinde wurden durchgeführt. Es folgte die Erarbeitung eines Quartiergestaltungsplans, womit auch etwa die Freiräume und die Verkehrsführung definiert werden. Die Bevölkerung wurde mittels Informationsveranstaltungen ins Bild gesetzt. Bis vor einigen Tagen konnten sich die Einwohner ausserdem bei einer Ausstellung auf der Gemeindekanzlei ein Bild der Sache machen.

Weniger gigantisch, mehr günstiger Wohnraum

Statt wie vor drei Jahren über einen Bebauungsplan stimmen die Baarerinnen heuer über eine angepasste Bauordnung und den neuen Zonenplan ab (zentralplus berichtete). Aus den bestehenden Reservebauzonen soll die Bauzone mit speziellen Vorschriften Unterfeld Süd werden. Mit dieser Zonenplanänderung wird es auch möglich, drei Hochhäuser in der Höhe von 40 bis 60 Meter zu bauen. Die restlichen Gebäude sollen maximal 23,5 Meter hoch werden. Im Unterfeld Süd wird reichlich Platz zum Arbeiten geschaffen. 36’000 Quadratmeter, um genau zu sein. Daneben sind 400 Wohnungen geplant, wovon ein Viertel preisgünstig werden soll. Zum Vergleich: Im alten Projekt waren satte 700 Wohnungen eingeplant.

Drei Hochhäuser sind im neuen Quartier geplant.

Die Gemeinde hat also ihre Lehren gezogen und gut gelauscht, was die Bevölkerung bewegt. Was, wenn nun doch alle Stricke reissen und auch dieses Projekt bachab geschickt wird? «Dann ist es so, dass sich der Investor Implenia auf die Regelbauweise berufen muss. Dann entstehen einzelne, nicht zusammenhängende Blöcke wie etwa beim Neufeld. Die Frei- und Aussenflächen kann man damit weniger ausgeprägt gestalten», sagt der Gemeindepräsident Walter Lipp.

«Kommt die Regelbauweise zum Zug, ist der Investor bezüglich kostengünstigem Wohnraum zu gar nichts verpflichtet.»

Walter Lipp, Baarer Gemeindepräsident

Und er ergänzt gleich: «Ich fände es schön, wenn die Bevölkerung dem vorliegenden, gemeinsam erarbeiteten Projekt eine Chance geben würde. Nicht zuletzt, weil wir die kritisierten Punkte in diesem Projekt miteinbezogen haben.» So etwa wurden 10’000 Quadratmeter kostengünstiger Wohnraum eingeplant. Im Ursprungsprojekt waren es noch 6’000. «Kommt die Regelbauweise zum Zug, ist der Investor diesbezüglich zu gar nichts verpflichtet.» Bei der Erarbeitung des vorliegenden Projekts habe er ein gutes Gefühl, so Lipp. Nicht zuletzt, da keine Opposition dagegen aufgeflammt sei. Er sagt weiter: «Ein Nein wäre darum ein enormer Rückschritt.»

Wohnbaugenossenschaften sollen ins Boot geholt werden

Apropos preisgünstiger Wohnraum. Im aktuellen Abstimmungsheft ist noch relativ vage formuliert, wie dieser letztlich gewährleistet wird. Lipp erklärt: «Die 10’000 Quadratmeter sind für den Investor verpflichtend. Die Wohnungen werden an zwei Wohnbaugenossenschaften abgegeben, welche für diese zuständig sein werden», sagt Lipp.

Am 27. September wird über das Projekt abgestimmt. Geht alles glatt, soll frühestens im Sommer 2023 mit dem Bau begonnen werden. 2026 könnte er bestenfalls abgeschlossen sein.

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