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Auf die Titanic und ab nach New York
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Eveline Suter als Kate im Musical Titanic, welches derzeit auf der Walensee-Bühne aufgeführt wird. (Bild: Andy Mettler)

Musicalstar Eveline Suter Auf die Titanic und ab nach New York

7 min Lesezeit 22.07.2015, 14:44 Uhr

Sie reiht Hauptrolle an Hauptrolle und nun wagt die Zugerin einen Versuch in New York. Denn dort ist «Musicaldarstellerin» kein Stempel wie in der Schweiz. Im Interview verrät sie, was sie in- und ausserhalb der Branche wirklich stört und wo das Alter dann doch Thema ist.

Eveline Suter bestellt sich als erstes einen Espresso mit Zitrone. «Seit es mir einmal bei einem fiesen Kater empfohlen wurde, trinke ich Espresso immer so. Er schmeckt einfach besser», sagt sie und lacht.

Suter ist derzeit das Aushängeschild der Musical-Produktion «Titanic» auf der Walensee-Bühne, wo es jetzt losgeht mit der Saison. Die 36-jährige Zugerin spielt dabei die weibliche Hauptrolle. Ihre Karriere hat die letzten Jahre immer mehr an Fahrt aufgenommen – auch international. Das bringt so einiges an medialer Aufmerksamkeit mit sich.

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zentral+: Welche Frage wird Ihnen derzeit immer wieder gestellt?

Eveline Suter: Privat ist es ganz klar: Die Frage nach der Familienplanung. Sie seufzt gespielt. Die kommt ständig. Nun. Also ich hätte gerne einen zweiten Hund. Und ja, vielleicht auch Kinder.

zentral+: Was ist beruflich Thema Nummer eins?

Suter: Zusammengefasst: Träume und Ziele.

«Ich will jetzt einfach ein Abenteuer erleben.»

zentral+: Und wie lautet Ihre einstudierte Antwort dazu?

Suter: Die gibt es eigentlich nicht. Es ist immer ein bisschen etwas anderes. Momentan ist vor allem New York Thema. Dorthin werde ich mit meinem Mann im September gehen. Erstmal für ein paar Monate, dann schauen wir weiter. Seinen Job hier hat er auf jeden Fall gekündigt. Wir sind total offen dafür, was passieren wird. Vielleicht tritt nach drei Monaten das heulende Elend ein und wir kommen zurück. Vielleicht sind wir in einem Jahr noch dort, ich am Broadway und mein Mann mit einem eigenen Restaurant. Sie lacht. Oder vielleicht sind wir dann auf Weltreise. Wichtig war uns einfach, dass wir es jetzt machen. Ich hatte auch langsam das Gefühl, dass ich jetzt doch etwas lange hier war. Seit 2010 liegt mein Lebensmittelpunkt in Zug. Ich will jetzt einfach ein Abenteuer erleben.

zentral+: Haben Sie keine Angst vor der grossen Veränderung?

Suter: Natürlich ist mir auch etwas mulmig zu Mute dabei Grosseltern, Freunde, Geschwister hier zu lassen. Seit meine Eltern verstorben sind, ist Familie noch wichtiger geworden. Da wird dir bewusst, wie endlich alles ist. So ist langes Reisen, langes Wegsein viel schwerer. Ich habe eigentlich immer Angst davor gehabt, bequem zu werden. Aber darum geht es jetzt nicht, sondern darum, dass ich meine Leute vermissen werde. Aber ich freue mich sehr auf die Herausforderungen.

zentral+: Wieso haben Sie sich eigentlich für Musical entschieden?

Suter: Keine Ahnung. Ich konnte mich nicht zwischen Tanz, Gesang und Schauspiel entscheiden. Da lag die Kombination nahe. Heute würde ich aber wahrscheinlich auf eine staatliche Schauspielschule gehen und daneben viel Tanz- und Gesangsstunden nehmen. Denn es ist leider so, dass Musicaldarsteller noch zu wenig Anerkennung bekommen. In den USA ist das ganz anders. Am Broadway treten dieselben Leute auf, wie in den Fernsehserien und Filmen. Jedoch muss ich dazu sagen, dass die Ausbildungen in den USA oft vielseitiger sind als hier in Europa. Schauspieler können dort singen und meist auch sehr gut tanzen. Hierzulande herrscht noch immer ein grosses Schubladendenken. Man muss sich für eines entscheiden.

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zentral+: Aber es findet doch ein ziemlicher Boom im Musicalbereich der Schweiz statt? Verändert das nicht auch die Sichtweise der Leute?

Suter: Es gibt einen Boom. Und ich hoffe, dass sich dieser längerfristig auch auf die Wertschätzung der Darsteller und der Sparte an sich auswirkt. Denn immer mehr Leute schauen sich Musicals an. Es braucht noch etwas Zeit – aber es ist definitiv im Kommen. Es ist dasselbe wie bei TV-Serien. Die Leute lästern, aber anschauen wollen sie es sich trotzdem. Als ich bei «Anna und die Liebe» mitspielte, wurde ich auch auf der Strasse erkannt. Es geht nicht ums Bekannt werden, aber ich wünsche mir mehr Anerkennung für Musicals und die Leistung der Darsteller.

zentral+: Ist Fernsehen noch ein Thema für Sie?

Suter: Grundsätzlich ja. Aber Dreharbeiten sind extrem schwierig mit Bühnenengagements unter einen Hut zu bringen. Man muss sehr flexibel und frei sein. Für wenige Drehtage muss man viel Zeit, Ausweichdaten und so weiter einberechnen. Das ist oft gar nicht möglich. Und ich will einfach arbeiten und nicht auf die Arbeit warten.

zentral+: Also liegt Ihr Fokus momentan auf der Bühne?

Suter: Derzeit ja. Wenn es sich vereinbaren lässt, dann freue ich mich sehr darauf, wieder vor der Kamera zu stehen. Der Schweizer Tatort wäre dabei ein Traum.

«Ich finde es befremdlich, wenn Leute Entscheidungen am Alter festmachen.»

zentral+: Welche Musicalrollen möchten Sie unbedingt noch spielen?

Suter: My Fair Lady war eine, Mary Poppins wäre natürlich auch ein Traum – aber es gibt so viele schöne Rollen. In meinem Alter wäre es zwar eigentlich langsam ein Thema, das Register zu wechseln, bisher ist es bei Musicals aber noch nicht der Fall. Bei der Fernsehwerbung sehen die Caster das Alter – da werde ich nun langsam auch als «Mami» gecastet. Bei der Bühne ist es etwas anderes. Das Alter ist da kaum Thema. Die Frage ist, wie man wirkt. Mir selbst ist es auch völlig egal, ob ich jetzt 36 oder 46 bin. Was heisst das schon? Ich finde es befremdlich, wenn Leute Entscheidungen am Alter festmachen. Das gibt so einen Druck von aussen – das spürt man. Es ist wahnsinnig wie sehr sich die Leute vom Alter beschränken lassen – das ist dann auch Bequemlichkeit. Das macht mich richtig traurig. Dann ist man 70 und sagt: Hätte ich doch. Und dabei könnte man doch immer noch. Wenn man etwas machen möchte, sollte man es einfach wagen. Für einen Neuanfang ist man nie zu alt.

zentral+: Könnten Sie sich einen kompletten Neuanfang vorstellen? Einen neuen Job in einer anderen Branche?

Suter: Total. Ich kann mir ganz viel vorstellen. Ein Restaurant oder ein Cafe gemeinsam mit meinem Mann aufzumachen zum Beispiel. Ich werde meinen Beruf aber wahrscheinlich nie ganz aufgeben. Er erfüllt mich zu sehr.

zentral+: Was hat sich für Sie verändert, in den Jahren im Job – wie gehen Sie mit Angeboten um, wie mit dem finanziellen Druck?

Suter: Gerade während meiner Ausbildung in New York musste ich ziemlich unten durch. Da war ich wirklich grün im Gesicht. Da habe ich auch schwarz gekellnert und kaum geschlafen. Das war eine harte Zeit. Aber es ist immer gut zu wissen: Wenn es hart auf hart kommt, dann kann ich mich durchkämpfen. Heute mache ich nicht mehr alles zu jedem Preis. Man darf gewisse Jobs auch einfach nicht annehmen.

«Wenn vor allem beim Künstler gespart und rundherum gross aufgefahren wird – dann habe ich keine Lust mehr.»

zentral+: Welche denn?

Suter: 2010, als ich aus Deutschland zurückkam, hatte ich zwar Angebote, doch die Bezahlung war dermassen schlecht, dass ich mich dafür entschied zu kellnern. Das würde ich heute wieder genau so machen. Und nicht nur, weil ich dadurch meinen Mann kennenlernte. Sie lacht. Doch dann gibt es die Leute, die meckern, weil sie extrem schlecht bezahlte Engagements haben. Da muss ich sagen: Genau die Leute sind schliesslich schuld daran, dass die Gagen so mies sind. Die nehmen solche Angebote an und drücken damit die Löhne in der Branche für alle anderen Künstler in den Keller. Und danach kommen sie und beschweren sich. Da sollte man besser absagen und sich sonstwie durchschlagen.

Eveline Suter

Eveline Suter

(Bild: zvg)

zentral+: Aber manchmal fehlt das Geld bei einer Produktion ja wirklich.

Suter: Ich bin immer dabei, wenn es ein tolles Projekt ist und man sieht, dass es finanziell knapp bemessen ist. Wenn aber vor allem beim Künstler gespart und rundherum gross aufgefahren wird – dann habe ich ehrlich keine Lust mehr. Das ist mein Beruf. Ich habe das gelernt. Aber so ist das: Es braucht ja niemanden. Es geht ohne Kunst, aber es wäre Schade. Sie lacht.

zentral+: Wie sieht es denn finanziell gerade aus?

Suter: Jetzt gerade bin ich gut bezahlt. In einer Hauptrolle und einer dementsprechend medial gehypten Position finde ich das aber auch wichtig. Denn es werden irgendwelche Dinge über dich geschrieben. Das braucht echt Nerven. Wenn du deinen Leuten ständig erklären kannst, dass du das so nicht gesagt hast. Wenn da Dinge stehen wie: «Ihr Mann wird jetzt Hausmann oder das ist jetzt Ihre Traumrolle.» Ziemlich anstrengend. Sie lacht.

zentral+: Gibt es etwas, wofür Sie niemals Werbung machen würden?

Suter: Natürlich. Gerade hatte ich eine recht lukrative Anfrage für eine Datingportal-Werbung. Habe ich sofort abgesagt. Und für Fleischprodukte bestimmt auch nicht. Denn daheim lebe ich vegan und im Restaurant oder bei Freunden vegetarisch.

zentral+: Bei Titanic fängt die Saison jetzt an. Haben Sie den Film damals im Kino gesehen?

Suter: Ja, hier in Zug. Damals mit meinem ersten Freund. Sie lacht.

Eveline Suter (links) im Einsatz für Titanic. (Bild: Andy Mettler)

Eveline Suter (links) im Einsatz für Titanic. (Bild: Andy Mettler)

Eveline Suter in ihrer Rolle als Kate. (Bild: Andy Mettler)

Eveline Suter in ihrer Rolle als Kate. (Bild: Andy Mettler)

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