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Alles Bernhard oder was?
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Bernhard Heusler in seinem letzten Präsidialjahr beim FC Basel, mit dem er sechs Meistertitel in Serie gewann: Ab sofort berät er FCL-Investor Bernhard Alpstaeg. (Bild: Martin Meienberger/freshfocus )

Der Leistungsausweis des neuen FCL-Beraters Alles Bernhard oder was?

5 min Lesezeit 01.07.2019, 05:05 Uhr

Es scheint so, als sei Kompetenz im Schweizer Fussball so rar wie Regen in der Wüste Gobi. Darum geniesst der frühere FCB-Präsident Bernhard Heusler mit seiner Firma HWH gerade den Ruf eines Heilbringers. Mit Beginn dieses Julis startet sein Mandat als strategischer Berater von FCL-Mehrheitsaktionär und -Investor Bernhard Alpstaeg. 

Einen gewissen Sinn für Unterhaltung hat man dem starken Mann im FC Luzern noch nie absprechen können. Auch sein neustes Projekt zeugt davon: Alpstaeg leistet sich mit dem 55-jährigen Heusler ja nicht den ersten Mann, der ihn in der Führung des Super-Ligisten unterstützen soll. Mit Philipp Studhalter hat er schon seit 2015 einen Statthalter installiert. 2015 als Präsident der Holding, 2016 als FCL-Präsident. Und seit 2018 ist der 43-Jährige nach der Entlassung von Markus Kälin auch noch CEO.

Kein Schelm, wer nun behauptet, dass Heusler so etwas wird wie der Aufpasser von Studhalter. Denn wäre Alpstaeg mit der DNA, der Ausrichtung und der Rentabilität des FC Luzern zufrieden gewesen, hätte er sich Heusler schenken können. Nun darf der frühere FCB-Präsident an VR-Sitzungen der FCL-Investoren parlieren, ohne Verantwortung übernehmen zu müssen. Und das zu einem Stundenansatz, der sich im Bereich eines Anwaltshonorars bewegt, Heuslers ursprünglichem Betätigungsfeld.

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Heuslers wohltuende Eloquenz

Alpstaeg leistet sich damit den vermeintlichen Zugang zum Machtzentrum im Schweizer Fussball. Gerade haben Heusler und sein Adlatus Georg Heitz überall ihre Finger im Spiel, verbrennen sich diese aber nicht. So steigen die beiden in diesen Wochen jeweils rechtzeitig wie Phönix aus der Asche des Chaos bei den Zürcher Grasshoppers und beim Schweizer Fussballverband. Dass ihr Wirken weniger überzeugt als ihr Wesen, spielt offensichtlich keine Rolle. Das nächste Mandat ruft.

Bernhard Heusler fällt mit seiner Eloquenz wohltuend auf in einem Business, in dem sich die Protagonisten ansonsten mit wohlgeformten Satzstellungen eher schwertun. Er ist ein Sonnyboy. Eine Art Doris Leuthard des Schweizer Fussballs.

Die Dreiecksbeziehung Studhalter, Heusler und Burgener

Die Frage beim FC Luzern wird nun sein: Finden die beiden Kapitäne Studhalter und Heusler einen professionellen Umgang miteinander? Dies vor dem Hintergrund, dass Bernhard Burgener, der präsidiale Nachfolger Heuslers beim FC Basel, geschäftliche Verbindungen zum älteren Bruder von Studhalter unterhält. Um die «Constantin Medien» im Februar 2018 übernehmen zu können, brauchte Burgener den finanziellen Support von Alexander Studhalter.

Burgener und Heusler waren vor zwei Jahren noch Käufer und Verkäufer des FC Basel. Doch heute, das förderte der jüngste Machtkampf in der sportlichen Führung der Basler zu Tage, sind sie sich nicht mehr grün. Auch wenn eine offizielle Bestätigung dafür fehlt: Sobald Burgener davon erfuhr, dass der als Nachfolger für FCB-Trainer Marcel Koller auserwählte Patrick Rahmen von Heusler, Werthmüller und Heitz (HWH) beraten wird, beorderte er alle Protagonisten zurück auf Feld 1. Sportchef Marco Streller reichte daraufhin seinen Rücktritt ein.

Die Legendenbildung beim FC Basel

Es ist dies weiter eine Episode, die dem Renommée Heuslers nichts anhaben konnte. Vom Verlagshaus Ringier mit «Blick» als Speerspitze wird der Basler gehätschelt und getätschelt, als sei Heusler sowas wie die Schweizer Antwort auf Franz Beckenbauer in dessen Blütezeit.

Und das hauptsächlich deshalb, weil der frühere FCB-Präsident mit Finanzchef Stephan Werthmüller und Sportchef Georg Heitz an seiner Seite zwischen 2012 und 2017 sechs Meisterkübel in Serie ans Rheinknie holte. Das ist aller Ehren wert – kann aber zugleich in die richtigen Relationen gerückt werden.

Zur erfolgreichsten Zeit des FCB muss man wissen:

  • Heusler übernahm 2012 einen von Gigi Oeri grosszügig aufgebauten und perfekt strukturierten Verein, der die Serie von insgesamt acht Meistertiteln schon 2010 eingeläutet hatte.
  • Heusler hat beim FC Basel das Fanproblem, das sich in der vergangenen Saison auch beim FC Luzern offenbarte, nie in den Griff bekommen.
  • Das Führungspersonal auf der Trainerbank wechselte in der Ära Heusler zügig, die Transfers des hochgehandelten Sportchefs Georg Heitz waren bei weitem nicht durchwegs gelungen. Und um einem Missverständnis vorzubeugen: Die Nati-Spieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri wurden zwar im Sommer 2012 verkauft, aber mit Heusler und Heitz hatte ihr sportlicher Aufstieg wenig zu tun.

Zur Legendenbildung von Heusler und Heitz trägt sicher auch bei, dass ihre Nachfolger zum einen mit ihrer Aufgabe im FC Basel überfordert sind. Zum andern hat sich mit den Young Boys ein Gegner aufgeschwungen, den es bis 2017 noch längst nicht in dieser Überzeugung und Stärke gab.

Eine prächtige Imagekampagne

Das kommunikative Versagen des Schweizer Nationaltrainers Vladimir Petkovic und dessen Vorgesetzten Claudio Sulser als Nationalmannschaftsdelegierter nach dem WM-Ausscheiden vor einem Jahr in Russland nutzte HWH zu einer prächtigen Imagekampagne in eigener Sache. Hatte Heusler davor einzig den polnischen Erstligisten Legia Warschau auf seiner Referenzliste, wurde er nun vom Schweizer Fussballverband (SFV) per Mandat dazu verpflichtet, der Nationalmannschaft eine sportlich moderne Führung zu verpassen.

Bis dahin sass Heusler notabene als Mitglied im SFV-Zentralvorstand und verantwortete damit genau jene Struktur, die er nun zu durchleuchten hatte. Nach der Mandatsvergabe trat er aus diesem Gremium zurück.

Grosses Tamtam um wenig Ertrag

Seine Strukturanalyse beinhaltete keine bahnbrechende Erkenntnis. Heusler riet dem SFV, sich künftig so aufzustellen wie etwa die deutsche Nationalmannschaft. Also mit einem sportlichen Manager. Hätte es für diese Neuausrichtung wirklich den Rat Heuslers gebraucht?

Äusserst bescheiden liest sich die von HWH zusammengestellte und finale Kandidatenauswahl für die Nachfolge von Claudio Sulser als künftigen Nati-Manager. Laut «Blick», der zufälligerweise immer dann, wenn HWH seine Finger irgendwo im Spiel hat, mit Internas auftrumpft, sind das Schalkes Nachwuchsschef Peter Knäbel, St. Gallens Sportchef Alain Sutter und die arbeitslosen Martin Andermatt und Pierluigi Tami. Diese biederen Namen hätte man am Stammtisch auch auf einen Bierdeckel kritzeln können. Ohne viel Brimborium. 

Ein SFV-Insider knurrte kürzlich: «Für die gut 70 Interviews, die Heusler mit möglichen Kandidaten geführt hat, wird der Verband sicher noch eine Rechnung in der Höhe von 200’000 Franken zugestellt bekommen.» Ein schöner Batzen, um letztlich vielleicht bloss Tami verpflichten zu können.

Man mag es Alpstaeg gönnen, wenn das Preis-Leistungs-Verhältnis von Heusler beim FC Luzern ein besseres sein wird. Und die Resultate nachhaltiger als bei GC und dem SFV.

Hinweis: Der Satz zu den Geschäftsbeziehungen zwischen Alexander Studhalter und Bernhard Burgener wurde auf Verlangen nachträglich präzisiert.

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