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«Zwischendurch ist jeder mal ein Trottel»
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«Ich bin schon eher ein Beizen-Typ»: Henrik Belden mag es gerne gesellig. (Bild: Videos: Jakob Ineichen)

50 Fragen an Henrik Belden «Zwischendurch ist jeder mal ein Trottel»

10 min Lesezeit 24.06.2015, 18:27 Uhr

Der Luzerner Musiker Henrik Belden ist kein Kind von Traurigkeit – im Gegenteil. Er lacht gern, auch über sich selbst. Im Interview mit zentral+ erklärt der Vitznauer, was ihn mit Ländlermusik verbindet und was sein Nachbar besser kann als er – aber auch, was er mit Roger Federer gemeinsam hat.

Die Vögel zwitschern, die Sonne scheint, das Bier steht kalt. Wir treffen Henrik Belden bei der Volière im Luzerner Inseli. Das Wetter meint es gut mit uns, die Sommerbar ist geöffnet.

Mit On The Way To My Guiding Lights startete Henrik Belden 2008 seine musikalische Karriere. Im März dieses Jahres erschien nun Head Over Heels, das vierte Werk des 33-jährigen Musikers.

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In den letzten Jahren hat der Luzerner über 250 Konzerte in der Schweiz und im Ausland gespielt – und sich einen hervorragenden Ruf als Live-Act gemacht. Auch die Studioalben ernteten viel Lob. Songs wie CathleenFather und I’m Alive wurden im Radio rauf und runter gespielt.

1. Welches Lied läuft dir im Moment gerade nach?

Henrik Belden: Eine Melodie aus meinem Studio, wo ich derzeit gerade für einen jungen Künstler namens Dave Bennett aufnehme. 

2. Wann hast du dich das letzte Mal wie ein Popstar gefühlt?

Unterwegs in unserem Tourbus mit den getönten Fenstern. Oder letztes Jahr am Luzerner Fest vor 10’000 Leuten. Das war schon sehr beeindruckend.

3. Etwas, das die Leute nicht von dir denken würden?

Dass ich eigentlich sportlich bin. In meinen jungen Jahren spielte ich ziemlich gut Tennis, schaffte es unter anderem in die Nati C. An einem Turnier spielte ich damals sogar auf dem selben Tableau mit Roger Federer. Das ist jetzt allerdings eine Weile her. Heute kämpfe ich gegen meinen «Ranzen» und die paar Kilos. Er lacht.

4. Dein neues Album heisst übersetzt «Hals über Kopf». Bist du ein Draufgänger?

Es gibt verschiedene Varianten von Draufgängertum. Bei mir war es sicher der Entscheid, von der Musik zu leben. Da muss man schon etwas ein Draufgänger sein.

5. Wovor hast du Angst?

Eigentlich vor fast nichts. Seit ich aber Familienvater bin, sorge ich mich mehr um meine Gesundheit. Ich will nicht, dass meine Familie ihren «Guide» verliert.

Henrik Belden ist ein kleines bisschen zielstrebiger und ehrgeiziger als Lukas Linder.

6. Wie kamst du eigentlich zu deinem Künstlernamen?

Er lacht. Da muss ich jetzt etwas ausholen. Das ist jetzt rund zehn Jahre her. Damals spielte ich in einer Punk-Band. Dann habe ich meine erste CD aufgenommen. Und vor meinem ersten Konzert im Luzerner Werkhof suchten wir einen Namen für den Flyer. Luki Linder tönt doch ziemlich langweilig, nicht? Also habe ich etwas gegrübelt. Meine Mutter wollte mich immer Henrik nennen, weil ihr der skandinavische Name so gefallen hat. Vor der Taufe aber hat sich dann der Vorschlag meines Vaters durchgesetzt. Ich habe dann einfach darauf zurückegriffen und noch einen skandinavischen Nachnamen angehängt. Der stammt übrigens von einem Kabelhersteller.

7. Was unterscheidet Henrik Belden von Lukas Linder?

Nicht viel. Henrik Belden ist ein kleines bisschen zielstrebiger und ehrgeiziger als Lukas Linder.

8. Auf welcher Bühne möchtest du einmal stehen?

Er überlegt kurz. Der Gurten. Nein, da waren wir schon. Aber ein Auftritt am Paléo Festival oder am Jazzfestival Montreux, das wäre schon noch was.

9. Du hast kürzlich zusammen mit Freunden eine eigene Eventagentur gegründet. Um Kosten für deine Promo zu sparen?

Er lacht. Das kommt vom Draufgängertum. Wir sind enge Freunde, kennen uns schon sehr lange. Da hatten wir mal die Idee, dass es doch noch toll wäre, wenn man nach einer durchzechten Nacht etwas später zur Arbeit kommen könnte. Naja, das können wir jetzt mit unserer Agentur «Die Eventheinis».

10. Du hast bis vor kurzem im «Parterre» gearbeitet. Kannst du jetzt von der Musik leben?

Jetzt besser als früher. Da war ein regelmässiger fixer Verdienst sehr willkommen. Seit etwa sechs Jahren aber lebe ich schon mehr oder weniger von der Musik. Das Parterre war aber schon immer ein Ausgleich. Ich bin in einem Hotel aufgewachsen. Vielleicht wurde ich da mit dem Gastronomie-Virus infiziert.

11. Wofür sparst du?

Sparen? Er stutzt. Wie soll das gehen? Als Musiker lebst du von der Hand ins Maul. Ferien vielleicht? Hmmm. Nein, brauche ich nicht.

12. Das Beste an Luzern?

Eine Stadt wie ein Dorf.

13. Hörst du dir deine Songs gerne an?

Bei Airplays im Radio bekomme ich bald den «Verleidi». Nicht sehr oft, aber grundsätzlich, ja: Ein bisschen Stolz bin ich dann jeweils schon. Er lächelt verlegen.

14. Wer war dein Held in der Kindheit?

Meine Mutter. Sie hat die Familie alleine durchgebracht, nachdem uns mein Vater früh verlassen hatte. Das verdient grössten Respekt.

Da kann man die Kinder etwas machen lassen – und ich einen Hamburger essen.

15. Reden wir über die Stadt: Hast du einen Luzerner Lieblingsplatz?

Überall, wos eine gute Beiz hat. Ich bin schon eher der Beizentyp.

16. Lido-Badi oder Ufschötti – wo trifft man dich?

Keines von beiden. Mit meiner Familie bin ich oft in der Tribschen-Badi. Da kann man die Kinder etwas machen lassen – und ich einen Hamburger essen.

17. Apropos baden … wie hast du es mit dem Sport?

Im April und Mai jeweils etwas Tennis im Rahmen der Interclub-Meisterschaft. Aber eigentlich würde ich gerne mehr Sport machen. Irgendwie komm ich nur nie dazu. Er lacht.

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Wollen Sie Henrik Belden mit seinem neuen Album «Head Over Heels» live erleben? zentral+ verlost zwei Tickets für die anstehende Show vom Freitag, 26. Juni, um 20.00 Uhr in der Rotsee-Badi in Ebikon.

Ganz einfach mitmachen: Schreiben Sie uns eine E-Mail an [email protected]
Wettbewerbsende ist der Donnerstag, 25. Juni, um 16.00 Uhr. Der glückliche Gewinner wird ausgelost und persönlich informiert.

18. Roger Federer oder Stan Wawrinka?

Puh, das ist jetzt so eine Frage. So «over all» würde ich aber schon sagen: Roger Federer.

19. Wie würde deine Karikatur aussehen?

Er überlegt. Also sicher ein «Ränzli», eine Kappe, ein Lachen im Gesicht. Wahrscheinlich sitzend. Mit Bart natürlich. Und Hemd und Gitarre.

20. Wer soll an deiner Beerdigung sicher nicht erscheinen?

Sepp Blatter, Vujo Gavric und Christoph Blocher.

21. Hörst du Musik ab Platte oder lädst du dir das Zeug runter?

Beides. Nur von Musik-Streaming und so Zeugs bin ich kein Fan. Physische Tonträger sind nach wie vor hoch im Kurs. Ich kaufe auch noch häufig CDs. Nur gibt’s die Dinger kaum mehr im Laden. Das ist schade.

22. Bist du vor und während Auftritten nervös? Wie spürst du die Aufregung und Nervosität?

Ja, und zwar vor den Auftritten. Dann bin ich etwas anfällig für Nervosität. Währenddem ich spiele, nicht. Auf der Bühne kann ich abheben, da erlebe ich den «Magic Moment».

23. Singst du unter der Dusche oder pfeifst du?

Weder noch. Ich bin ein stiller Duscher. Er schmunzelt. Lustigerweise dusche ich gar nicht so gerne. Vielleicht hat das einen Zusammenhang. Er lacht.

24. Die Songs auf dem neuen Album sind breiter und rockiger. Wo liegen deine musikalischen Wurzeln?

Mein Vater spielte lange in einer Unterhaltungsband. Von ihm kommt sicher die musikalische Ader. Vom Stil er aber bin ich schon sehr bald bei AC/DC, Nirvana und Co. gelandet.

25. Auch textlich hast du dich mit «Head Over Heels» verändert. Die Songs handeln weniger von Ängsten und Zweifeln des Lebens, sondern mehr von den schönen Seiten des Lebens. Wie kommt das?

Mit meiner Frau, meinen beiden Kindern sind viele Träume in Erfüllung gegangen. Ich bin schon etwas zufriedener mit mir selber geworden.

Ich habe mehr zu mir selber gefunden. Ich würde sogar sagen, dass die letzten fünf Jahre die besten meines Lebens waren.

26. Wann schreibst du deine Songs? Setzt du dich aber auch hin und nimmst dir vor: Jetzt schreibe ich einen Song?

Im Moment gar nicht mehr. Am Abend und in der Nacht, wenn die Kinder im Bett sind und Ruhe eingekehrt ist im Haus, kommt manchmal die Inspiration. Dann verzieh ich mich in mein kleines «Studiöli» im Dachstock und brüte über Melodien und Songtexten. Musikmachen ist eine «moodige» Sache, dazu muss man in der Laune sein. Sonst kommt da nicht viel. Kreativität «auf Knopfdruck» gibt es nicht.

27. Wann hast du deinen ersten Song geschrieben?

Das war mit 14 Jahren in Vitznau, wo ich aufgewachsen bin. Wir hatten eine Band mit dem etwas merkwürdigen Namen «Swiss Bulldogs». Der Song hiess auch ganz nett: «Who the fuck is Fritz?»

28. Welches sind denn so deine Luzerner Musik-Helden?

Die Monotails, die fand ich schon immer geil. Und sie sind auch heute noch super. Unser Bassist Andy spielt auch bei denen. Cool finde ich auch Alvin Zealot, die haben eine tolle Klangästhetik. Und Martina Lynn ist eine gute Singer-Songwriterin.

29. Worüber würdest du nie einen Song schreiben?

Politik. Die hat in meinen Liedern nichts verloren. Was aber nicht heisst, dass ich mich nicht für die Materie interessiere. Politik ist komplex, aber wichtig. Ich will aber nicht missionieren, sondern bin der Meinung, dass sich jeder für sich persönlich damit auseinandersetzen muss.

30. Du hast gesagt: «Endlich kann ich für ein paar Songs wieder meine elektrische Gitarre hervorholen und mich ein bisschen wie mit 20 fühlen.» Macht dir das Alter zu schaffen?

Nein, eigentlich nicht. Ich habe mehr zu mir selber gefunden. Ich würde sogar sagen, dass die letzten fünf Jahre die besten meines Lebens waren.

31. Wie sieht deine Lieblingsgrimasse aus?

Meine Lieblingsgrimasse? Er denkt angestrengt nach.


32. Was kannst du am besten?

Grillieren. Er lacht. Und Musikmachen natürlich. Aber da bin ich sicher nicht der Einzige.

33. Du und Seven seid Nachbarn. Was kann Seven besser als du?

Tanzen. Und technisch ist er der bessere Sänger. Er ist ein fantastischer Sänger.

Für ein einzelnes Bier gehe nicht aus dem Haus.

34. Bevor du Familienvater warst: Wie stehts bei dir mit Sex, Drugs and Rock’n’Roll?

Ach, das ist ein Märchen. Das Leben funktioniert so nicht. Ich bin allerdings schon ein eher exzessiver Mensch. Für ein einzelnes Bier gehe nicht aus dem Haus.

35. Wenn du eine Zeitmaschine hättest: In welches Jahrzehnt würdest du dich beamen?

In die Zukunft eher nicht. Auch nicht in die 80er-Jahre, das war relativ «gruusige» Musik. Ende 60er-, rund um den Rolling-Stones- und Beatles-Hype wär noch cool. Aber mit 2015 bin eigentlich ganz zufrieden.

36. Bier oder Wein?

Beides. Und zwar in rauen Mengen. Er lacht schallend. Müsste ich mich entscheiden, würde Bier ganz knapp vor Wein gewinnen.

37. Das musstest du jetzt sagen. Heni ist Markenbotschafter für Baarer Bier. Suchst du dir deine Werbepartner aus oder ist es umgekehrt?

Beides. Es muss ja auch gegenseitig passen. Ich bin ja auch Markenbotschafter von Mini. Man lernt sich an Anlässen kennen, meistens an Konzerten.

38. Kannst du gut zeichnen?

Zeichnen? Er lacht. Nein. Dennoch drückt ihm zentral+ Stift und Papier in Hand.

39. Wann hast du zuletzt über dich selbst gelacht?

Heute. Jeden Tag. Ich finde, über sich selbst lachen zu können, ist etwas sehr Wichtiges. Weil irgendwie  ja jeder zwischendurch mal ein Trottel ist. In Fettnäpfchen tritt jeder immer wieder mal. Das Über-sich-selbst-Lachen hat viel mit Selbstreflexion zu tun. Wer dazu nicht fähig ist, befindet sich schnell weg von der Realität.

40. Wie würde dich deine Frau beschreiben?

Ungeduldig. Er zögert etwas. Fürsorglich wahrscheinlich auch, ab und zu «ned ganz botzt», mit einem Hang zum Chaotismus, zufrieden.

41. Was legst du als DJ auf?

Stromgitarre bis zum Abwinken, «voll in die Fresse». Die Schickimicki-DJs gehen mir auf die Nerven. Aber leider sind heulende Gitarren heute im Ausgang nicht mehr so in.

42. Wo würdest du heute nicht mehr auftreten?

Das ist schwierig zu sagen. Jeder Gig hatte was für sich, auf seine Art. Ich lerne ja auch bei jedem Auftritt etwas. Live-Erfahrung bringt dich weiter, egal wie schwierig die Herausforderungen sind. Von dem her möchte ich keinen Auftritt missen.

«Ich kann nicht zeichnen»: Es ging dann aber doch. Klar und deutlich eine Fahrt ins Blaue. Und natürlich hat der Künstler sein Werk gerade signiert.

«Ich kann nicht zeichnen»: Es ging dann aber doch. Klar und deutlich eine Fahrt ins Blaue. Und natürlich hat der Künstler sein Werk gerade signiert.

(Bild: Lukas Linder)

43. Was hat dir am meisten geholfen, dahin zu kommen, wo du jetzt bist?

Meine Sturheit. Er nimmt einen Schluck. Das würde meine Frau sicher bestätigen. Meine Kindheit war schön, aber nicht immer nur einfach, da mein Vater schon sehr früh gegangen ist und meine Mutter Vollzeit arbeiten musste. Da habe ich gelernt, selbst- und eigenständig zu sein, was mir heute sehr hilft. Irgendwann habe ich mir dann in den Kopf gesetzt, Musiker zu werden – auf Biegen und Brechen. Und das bin ich jetzt auch, obwohl es nicht immer einfach war. Mit monatlich 1’500 Franken vom Plakataufhängen habe ich mir mein erstes Album finanziert. Heute sitze ich da und bin stolz auf das, was ich erreicht habe. Es braucht aber schon viel Durchhaltewillen, etwas Verrücktheit und Motivation.

44. Googelst du dich selber?

Wer nicht?. Er lacht laut.

45. Was wolltest du als Kind werden?

Musiker. Schon immer. Das kommt wohl vom Vater her. Mein Urgrossvater ist übrigens Alfred Leonz Gassmann, der bekannte Ländler «Vo Luzärn uf Wäggis zue» stammt von ihm.

46. Dein Lieblingsfilm?

Ich bin mehr der Fern-Seher.

47. Und dein Lieblingsfluchwort?

Es sind zwei: Fuck nomol.

48. Auf was bist du besonders stolz?

Dass ich relativ stur bin und genau deswegen meinen Traum verwirklicht habe. Und natürlich meine Familie, meine tolle Frau und meine Kinder. Sie sind mein grösster Stolz.

49. Und was bereust du am meisten?

Die Kanti würde ich nicht mehr abbrechen. Ich war immer ein guter Schüler, und das ohne grossen Aufwand. Dafür hatte ich umso mehr Zeit zum Rumhängen.

50. Wann erscheint das nächste Album?

Das ist noch offen. Nach sieben Jahren und rund 250 Konzerten bin ich ein bisschen müde geworden. Jedes neue Album ist wie die Gründung einer Firma – mit viel Aufwand, finanziellen Risiken und Verantwortung verbunden. Aber ich liebe meinen Job und die Musik über alles, so dass ich es sowieso nicht sein lassen kann. Es kommt dann, wenn die neuen Songs gut genug sind. Vielleicht nächstes Jahr? Er lacht spitzbübisch.


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