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Zwei Tage Paris: Für Journalisten von Medela gesponsert
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Die Medela lädt Journalisten gratis an ein Symposium nach Paris ein. Das findet die Schweizer Lobbywatch bedenklich. (Bild: Montage wia )

Angebot des Baarer Unternehmens wirft Fragen auf Zwei Tage Paris: Für Journalisten von Medela gesponsert

4 min Lesezeit 15.03.2018, 14:31 Uhr

Das Baarer Unternehmen Medela lädt auf seiner Webseite Journalisten zu einem Symposium ein – die Kosten für den zweitägigen Ausflug nach Paris werden vollumfänglich übernommen. Dies führt zu Kritik. Ein Journalist, der auf eine solche Reise eingeladen sei, könne nicht mehr unabhängig berichten.

«Journalists attend the symposium at no cost», schreibt die Medela in ihren Informationen zum kommenden Still- und Laktationssymposium in Paris. Dass Medienschaffende von Firmen zu Reisen eingeladen werden, ist zwar nicht verboten und auch nicht unüblich, dennoch ist es nicht unproblematisch. Der entsprechende Wortlaut in den Rechten und Pflichten der Journalisten, die der Schweizer Presserat definiert hat, lautet: «Sie nehmen weder Vorteile noch Versprechungen an, die geeignet sind, ihre berufliche Unabhängigkeit und die Äusserung ihrer persönlichen Meinung einzuschränken.»

Und so hat das Angebot von Medela denn auch Kritiker auf den Plan gerufen. Konkret die Schweizer Organisation Lobbywatch, welche insbesondere die Interessenbindungen zwischen Politikern und Firmen ins Auge fasst. Im Zusammenhang mit besagter Medieneinladung der Firma Medela twitterte Lobbywatch am Montag: «Zwei Tage Paris, Unterkunft und Reisekosten für Journalisten bezahlt … Wer demnächst etwas über Muttermilch, Stillen und Medela liest, sollte sich nicht wundern. Wir sind gespannt, welche Medien sich einladen lassen.»

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Auf Anfrage von zentralplus erklärt Thomas Angeli, Journalist beim «Beobachter» und Co-Präsident von Lobbywatch: «Mit solchen Angeboten erhoffen sich die Unternehmen eine möglichst grosse Nähe zu den Journalisten. Wenn man privat irgendwo zu Gast ist, geht man auch nicht hin und kritisiert daraufhin das servierte Essen.» Und Angeli fährt fort: «Gerade bei solchen Kongressen sehe ich keinen Grund, warum Journalisten nicht für ihre eigenen Spesen aufkommen sollen. Die Redaktoren, die interessiert sind am Thema, gehen sowieso hin.»

Sind Journalisten derart käuflich?

Auf den Tweet von Lobbywatch reagierte eine Person mit der Frage, ob man denn den Journalisten nicht zutrauen könne, dass sie unabhängig berichten würden, indem sie etwa Zweitmeinungen zum Thema einholen würden. Hält Angeli Journalisten für derart käuflich? «Ganz einfach: Ja. Man schaue sich bloss einmal die Autoberichterstattung an. In einem Bericht über ein neues Auto liest man nie eine Stellungnahme des VCS. Oder aber die Reiseberichterstattung: Im Artikel über eine Kreuzfahrt werden keine entwicklungspolitischen Organisationen befragt, ob diese Art von Tourismus armen Ländern etwas bringt.»

Auf die Kritik von Lobbywatch hat die Medela denn auch prompt reagiert:

 

Auf die Frage, warum Medela die Journalisten gratis einlädt, erklärt die Mediensprecherin Olivia Coker-Decker: «Gesundheitsfragen von Frauen im Allgemeinen, besonders aber die Aspekte von Muttermilch und Stillen, erhalten erfahrungsgemäss nur geringen Raum in den Medien.» Das Symposium wird auf der Webseite des Unternehmens als «Medela Symposium 2018» bezeichnet. Dennoch handle es sich laut der Sprecherin ausdrücklich nicht um eine Veranstaltung von Medela. Es sei eine wissenschaftliche Veranstaltung zu Muttermilch und Stillen, welche neuste Ergebnisse aus der Forschung präsentiere. «Es ist das Ziel dieser Veranstaltung, Gesundheitsfachleuten und Frauen die Einflüsse des Stillens auf den Körper, die ernährungsspezifischen Eigenschaften der Muttermilch und den Einfluss für den Säugling zu vermitteln», so Coker-Decker.

Ein Angebot für die Journalisten, die es sich sonst nicht leisten könnten

Gerade weil diese wichtigen Themen rar seien in den Medien, wolle man Journalisten unterstützen, innert zwei Tagen direkt von den Wissenschaftlern die neusten Forschungsergebnisse kennenzulernen. Für Journalisten, denen es aus finanziellen Gründen nicht möglich wäre teilzunehmen, sei dies eine einzigartige Möglichkeit.

«Wir sind der vollen Überzeugung, dass guter Journalismus Wert auf Objektivität legt.»

Olivia Coker-Decker, Mediensprecherin der Medela

Und die Medela-Sprecherin betont, dass es keine Strategie des Unternehmens sei, mit diesem Angebot Journalisten von der kritischen Berichterstattung abzuhalten. «Wir sind der vollen Überzeugung, dass guter Journalismus Wert auf Objektivität legt. Wir erleben, dass Journalisten, die am Symposium teilnehmen, mit Sorgfalt Zweit- und Drittmeinungen zum Gehörten einholen und ihre Beiträge unbeeinflusst aufgrund der Fakten verfassen.»

Angemeldet seien bislang zehn Journalisten, die meisten von ihnen würden eigenständig aus Frankreich anreisen.

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