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Zug sagt Nein zur Rebells-Halle
  • Politik
Der intensive Abstimmungskampf um die Rebells-Halle hat die Zuger Bevölkerung stark mobilisiert. (Bild: fam )

Abstimmungen Stadt Zug Zug sagt Nein zur Rebells-Halle

4 min Lesezeit 18.05.2014, 14:11 Uhr

Mit hoher Stimmbeteiligung sagt die Zuger Bevölkerung Nein zum Bau der Streethockeyhalle in Oberwil. Das Resultat sei überraschend, so Stadtpräsident Dolfi Müller: «Aber es ist keine Aussage gegen die Jugend oder gegen den Sport.»

Es wird in Oberwil keine Rebells-Halle gebaut: Das Volk hat mit 63.6 zu 37.4 Prozent Nein gesagt. Die Halle hat die Stadt ungewohnt stark mobilisiert: 63.8 Prozent der Stimmberechtigten haben abgestimmt.

«Das Resultat ist für mich überraschend», sagt Stadtpräsident Dolfi Müller. «Vor sieben Jahren haben noch 75 Prozent für einen Streethockey-Platz in Oberwil gestimmt. Da ist in der Zwischenzeit etwas passiert.» Der Abstimmungskampf sei emotional geführt worden. «Aber ich bin überzeugt, das Nein ist keine Aussage gegen die Jugend, oder gegen den Sport oder gegen Oberwil.» Es sei eher ein Ausdruck des Bewusstseins für die Finanzlage der Stadt. «Und es ist ein starkes Signal in Richtung Zuger Finanzausgleich. Die Zuger Bevölkerung ist haushälterisch mit dem Geld umgegangen.»

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Nach dem Nein gegen die Halle ist die Zukunft des Streethockey-Vereins Oberwil Rebells aber nicht ungesichert, sagt Dolfi Müller: «Die Korporation hat gute Signale gegeben.» Die Korporation ist die Besitzerin des Platzes, auf dem die Rebells momentan trainieren. Sie hat den Mietvertrag bis 2019 verlängert. «Die Rebells haben im Herti eine Heimat gefunden», sagt Müller. «Da müssen sie auch bleiben können.»

«Das bestätigt unsere Risiko-Analyse»

«Die Rebells sind ihrem Namen gerecht worden», sagt Bauchef André Wicki. «Sie haben sich stark für ihre Halle eingesetzt. Ich möchte mich bei allen Teilnehmenden für die Diskussion bedanken.» Das Resultat zeige, dass sich der Stadtrat in seinem Vorgehen richtig entschieden hatte, als er auf ein zweistufiges Verfahren verzichtete. Ohne Projektierungskredit habe man Beträge um mehrere 100’000 Franken sparen können. «Das Volk hat jetzt gesagt, dass es die Halle nicht wünscht, das bestätigt unsere Risiko-Analyse.»

«Möchte mich bei der Jugend bedanken»

«Ich möchte dem Gegnerkomitee gratulieren, das offenbar alles richtig gemacht hat», sagt Jürg Messmer. Der SVP-Gemeinderat hatte mit seiner Einzelinitiative dafür gesorgt, dass das Volk über den Bau der Halle abstimmen konnte. «Ich möchte mich aber auch bei der Jugend bedanken, die sich so für die Halle engagiert hat.»

Der Verein Oberwil Rebells hatte seine jungen Mitglieder motiviert, sich im Abstimmungskampf für die Halle einzusetzen. Die Jugendlichen haben jetzt ihren ersten demokratischen Frust erlebt, hat man ihnen nicht zu viel versprochen? «Nein, das glaube ich nicht: Man hat immer gesagt, die Halle kann auch abgelehnt werden. So ist das in der Demokratie, ein Mal verliert man, ein anderes Mal gewinnt man.»

Für die Jugendlichen sei das Engagement ein Leerstück in Sachen Demokratie, so Messmer: «Man hat sie und ihr Anliegen beachtet. Jetzt hat das Volk halt Nein gesagt, das muss man akzeptieren.» Die Frage bleibe allerdings, wie es mit den Oberwil Rebells jetzt weiter gehe: «Der Platz im Herti ist immer noch ein Provisorium. Jetzt ist die Politik gefragt: Entweder braucht es eine Fixierung des Platzes für die Rebells, oder der Stadtrat muss mit einer neuen Lösung kommen.»

Schon Motion eingereicht

Der CVP-Fraktionschef Hugo Halter hat zu dieser Frage schon eine Motion vorbereitet: Die Stadt solle mit der Korporation verhandeln und das Provisorium in eine definitive Lösung überführen. «Ich bin überzeugt davon, dass man die Korporation für so eine Lösung gewinnen kann», sagt er.

Auch Stefan Hodel vom Gegenkomitee ist der Meinung, dass die Halle für den Erfolg der Rebells nicht nötig sei: «Ich bin aber überzeugt, dass der bewundernswerte Aufwand der Befürworter nicht ohne Erfolg bleiben wird: Das war fantastische Werbung für den Streethockey, den Rebells wird der Nachwuchs bestimmt nicht ausgehen.» Der Alternative Gemeinderat freue sich, dass die Halle abgelehnt worden sei: «Oberwil ist von einem raumplanerischen Sündenfall verschont geblieben.»

Für die SP sei der Abstimmungssonntag ein Jubel-Tag, sagt der Gemeinderat Urs Bertschi: «Die SVP hat gezeigt, dass sie je nach Lust und Laune ihr eigenes Spar-Credo nicht ernst nimmt: Je nach Thema steigt sie da ein, wo es vielleicht Wählerstimmen zu gewinnen gibt. Wir sind überzeugt, das Oberwil auch so überleben wird, aber für Partikulärinteressen gibt es keinen Platz mehr.»

Auch die Grünliberalen sind zufrieden mit dem Resultat: «Die GLP war aus raumplanerischer Sicht gegen die Halle», sagt die Gemeinderätin Michèle Kottelat. «Solche Anlagen gehören dahin, wo es auch andere Sportanlagen gibt.»

Persönliche Angriffe im Abstimmungskampf

Dass die Diskussion auch nach der Abstimmung nicht einfach verebbt, hängt mit der hohen Beteiligung in der Stadt zusammen: «Es brauchte Mut, auf die Strasse zu gehen», sagt Kottelat, «die Diskussion wurde so emotional geführt, dass man in der Öffentlichkeit persönlich angegriffen wurde. Das war etwas schwierig.» Das sei den Befürwortern vielleicht zum Verhängnis geworden, sagt die CSP-Gemeinderäting Monika Mathers: «Der Abstimmungskampf kann auch ein Overkill sein. Vielleicht wäre es manchmal besser, etwas weniger zu machen. So etwas wie in Oberwil habe ich noch nie gesehen, da gab es ja nur noch Plakate.»

Der Stadtpräsident beschwichtigt: «Wir haben in Zug eine gute Streitkultur, und auch wenn es solche Wellen gibt, dann legen sie sich wieder.» Müller ist stolz auf die Art, wie das Geschäft behandelt worden ist: «Wir dürfen uns auf die Schulter klopfen, das Geschäft hätte gar nicht besser gehen können.»

 

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