Wohnen & Bauen
Stadt Zug steht auf die Bremse

Campingplatz Brüggli am Zugersee kann vorerst bleiben

Die ersten Dauermieter haben sich im Camping am Zugersee bereits installiert. (Bild: Beat Holdener)

Vom 9. April bis am 14. Oktober ist der Campingplatz im Zuger Brüggli wieder offen. Die Saison 2022 wird – anders als langfristig angekündigt – nicht die letzte sein.

Stammgäste und Dauermieter am Zuger Campingplatz dürfen sich freuen. Zumindest im nächsten Sommer können sie die idyllische Lage im Brüggli am See weiter geniessen. Die Korporation Zug als Eigentümerin hat vor, das Pachtverhältnis mit dem TCS für den Betrieb des Platzes zu verlängern. «Ein Jahr auf jeden Fall», signalisiert Korporationspräsident Urban Keiser, «unter Umständen auch noch länger.» Der bestehende Vertrag läuft Ende dieser Saison aus (zentralplus berichtete).

Details noch offen

Die Möglichkeit, den Campingplatz im Brüggli aufrechtzuerhalten, freut die TCS Training & Freizeit AG sehr. «Die Details werden wir noch mit der Korporation Zug besprechen und klären, wie und mit wem wir weiterarbeiten», teilt TCS-Sprecher Oliver Grützner mit. «Wir sind aber bereit und motiviert.»

Die Unsicherheiten bezüglich des Weiterbetriebs seien zwar nicht unbedingt gut für das Geschäft, weil keine Investitionen umgesetzt werden können. «Je nach Dauer des Vertrages werden wir weiterhin an Verbesserungen arbeiten», kündigt Grützner aber an.

Die Vorbereitungen für die kommende Campingsaison laufen auf Hochtouren. (Bild: Beat Holdener)

Wie wird der Campingplatz im Brüggli umgestaltet?

Trotz Gnadenfrist ist das Ende des bisherigen Campingplatzes im Brüggli kaum aufzuhalten. Die raumplanerischen Vorgaben müssen umgesetzt werden und das Studienverfahren für die Neugestaltung des Areals ist seit November im Gange.

Vorschläge von fünf Teams wurden in der Zwischenzeit zur Weiterbearbeitung empfohlen. Über die bisherigen Ergebnisse ist Urban Keiser sehr erfreut: «Wir haben ganz unterschiedliche Lösungsansätze erhalten: Vorschläge mit verteilten Einzelkabinen, zwei Gebäude an den Eingängen, einem zentralen Zugangspunkt oder alles unter einem grossen Dach.» Im August 2022 wollen die Korporation und die Stadt Zug über das Wettbewerbsergebnis informieren und das Siegerprojekt präsentieren.

Ziele der Umnutzung

Die Hauptziele der Neugestaltung sind klar. Der Zugang zum See wird verbessert, das Autochaos verschwindet. Nach dem jetzigen Stand der Planung wird der Veloweg auf dem Chamer Fussweg künftig entlang der Bahngleise geführt, die Zufahrt von der Chamerstrasse wird über eine neue Brücke gewährt.

Die Korporation legt Wert darauf, dass die Uferbepflanzung möglichst natürlich bleibt. Es ist keine Parkanlage geplant. Zudem soll das Gebiet das ganze Jahr attraktiv sein, nicht nur während vier Sommermonaten für Touristinnen.

Bei den Vorgaben für die Projektausarbeitung wurde zudem festgehalten, dass die Holzinstallationen des Künstlers Tadashi Kawamata integriert werden (zentralplus berichtete). Das Aufstellen von Zelten wird weiterhin möglich sein, nicht jedoch das Befahren mit motorisierten Campern und das Dauermieten von Standplätzen.

Vor oder mit der Stadtplanung?

Die Korporation möchte mit dem Projekt vorwärtsmachen und die notwendige Umzonung des Geländes möglichst rasch einleiten. Die Stadt Zug steht dagegen auf der Bremse. «Ob die zukünftige Nutzung eine Anpassung der Vorschriften bedingt oder eine Umzonung nötig sein wird, wird sich im Rahmen der Ortsplanungsrevision zeigen», schreibt Birgitt Siegrist, die stellvertretende Sekretärin des Baudepartements.

Konkret: wenn die Richt- und Nutzungsplanung nach Mitwirkung, politischer Beratung und Volksabstimmung in Kraft ist, also frühestens 2026. Auf Nachfrage gab das städtische Bauamt bekannt, dass man doch schon nach Abschluss des Studienauftrags prüfen wolle, ob eine Umzonung erforderlich wäre und ob diese dringlich sein könnte.

Unterführung entlang der Lorze

Ein kantonales Teilprojekt im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Brüggli wird hingegen bald realisiert: Der Ersatzbau für die Unterführung des SBB-Trassees entlang der Lorze. Gemäss Baudirektor Florian Weber wird nach der Planauflage Ende 2022/Anfang 2023 im Kantonsrat der notwendige Kredit beantragt. Der Baubeginn ist im darauffolgenden Herbst/Winter geplant.

Campen weiterhin sehr beliebt

Die Nachfrage nach Campingferien wird auch in der Saison 2022 am Zugersee sehr hoch sein. Trotzdem bleiben die Mietgebühren auf dem bisherigen Niveau. Die Buchungen waren laut TCS Anfang Jahr sehr gut – sogar höher als 2021. «Im Moment stellen wir eine gewisse Zurückhaltung fest», sagt Oliver Grützner. «Wir gehen davon aus, dass die verschiedenen Einflüsse – wie Krieg, Benzinpreise oder Währungssituation – sich auch auf die Buchungslaune auswirken.» 2021 war das absolute Rekordjahr: «Der kleine Campingplatz in Zug hatte seine Logiernächte um über 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesteigert und wir erreichten knapp 16’000 Logiernächte.»

«Das Ziel des Ersatzbaus sind breitere, behindertentaugliche und velofreundlichere Rampen beidseits der bestehenden Unterführung», so Florian Weber. «Dank der landschaftlichen Gestaltung, soll die neue seeseitige Rampe optimal ins Brüggli-Areal eingebettet werden.» Die Gesamtkosten belaufen sich auf zirka 4,35 Millionen Franken. Dabei kann der Kanton mit einem Beitrag des Bundes aus dem Agglo-Förderprogramm von rund 950’000 Franken rechnen.

Neue Lorzenbrücke und Flossanlegestelle

In enger Abstimmung mit der geplanten Velounterführung plant die Stadt Zug, die Lorzenbrücke des Chamer Fussweges neu zu bauen. Allerdings anders als von der Korporation gewünscht mit einer Gewichtsbegrenzung auf 8 Tonnen. Dies, damit keine grossen Lastwagen fahren können – aus Rücksicht auf die Anwohnerschaft und die vielen unübersichtlichen Ein- und Ausfahrten.

Die Unterführung von der Bushaltestelle zum Brüggli wird für Velofahrende und Menschen mit eingeschränkter Mobilität leichter passierbar. (Bild: Beat Holdener)

Auch das hohe Aufkommen an Fussgängerinnen und Velofahrern hat den Entscheid beeinflusst. Ein Bauprojekt liegt vor. Diverse Punkte zur Umgebungsgestaltung müssen noch mit der Anwohnerschaft geklärt werden. Die Kosten belaufen sich auf rund 350’000 Franken. Wegen der Gewichtsbeschränkung können künftig Lastwagen nicht mehr zu den dort angelegten Bauflössen bei der Lorzenmündung fahren. Im Zuge der Aufwertung des Erholungsraums Brüggli muss für die Ladestelle ein Alternativstandort gesucht werden.

In Sachen Brüggli ist einiges am Laufen, bis zum Abschluss der Neugestaltung des beliebten Naherholungsgebiets wird jedoch noch viel Wasser die Lorze hinunterfliessen. Die angestammten Campingplatz-Traditionalisten im Brüggli dürften darüber nicht traurig sein.

Verwendete Quellen
  • Gespräch mit Korporationspräsident Urban Keiser und Korporationsschreiber Daniel Schwerzmann
  • Mailverkehr mit TCS-Medienstelle
  • Mailverkehr mit Baudepartement der Stadt Zug
  • Interview mit Regierungsrat Florian Weber
  • Ergebnisse des Mitwirkungsverfahrens www.stadtzug.ch

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