Wirtschaft
Neue Antennen

Mobilfunklöcher sollen gestopft werden

Zwei Mobilfunkantennen auf dem Dach des Parkhauses beim Kasernenplatz. (Bild: zod)

Ausgerechnet wenn man dringend telefonieren muss, befindet man sich in einem Funkloch. Diese Erfahrung teilen die Luzerner und Zuger Kunden von Swisscom, Orange und Sunrise. Die drei grossen Schweizer Mobilfunkanbieter wollen das ändern. Allein Sunrise plant im nächsten Jahr 20 neue Standorte in Zug und Luzern. Diesen Plänen stellen sich jedoch viele Gegner in den Weg.

Stichproben bestätigten: Funklöcher gibt es in der Stadt Luzern überall. Orange-Kunden haben in der Nähe des Spitals kaum Empfang. Störungsfreies Telefonieren über das Netz von Swisscom im Wesemlin-Quartier und im Unterlöchli ist fast unmöglich. Bei Sunrise sieht es mit dem Empfang an gewissen Standorten nicht besser aus: Studenten beklagen sich über das mangelnde Netz an der Uni Luzern.

Christopher Valkovsky ist Swisscom-Kunde und wohnt an der Bireggstrasse in Luzern. Aufgrund seines Themenvorschlags hat zentral+ Recherchen zu den Mobilfunknetzen in Luzern gemacht (siehe Kasten). «Es kann nicht sein, dass man ein teures Abo bezahlt und dann mitten in der Stadt nicht einmal Empfang hat», erklärt Valkovsky seine Idee für einen zentral+ Artikel. Vor Swisscom sei er bei Orange gewesen: «Da war der Empfang noch schlimmer.» Die ambivalente Einstellung zu neuen Antennen beschreibt er so: «Jeder will zwar Empfang, aber niemand möchte eine Antenne in der Nähe seines Hauses haben.»

Gewinner des zentral+ Ideenwettbewerbs

Anlässlich seines ersten Geburtstags hat zentral+ einen Ideenwettbewerb veranstaltet. Am «Tag der offenen Tür» am 17. Januar konnten die Besucher Themenvorschläge machen. Gewonnen hat der Luzerner Christopher Valkovsky. Er beauftragte die Redaktion von zentral+, die Mobilfunknetze in Luzern einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Schwierige Standortsuche

Die Mobilfunk-Anbieter kennen das Netzproblem: «Sunrise hat in Luzern und Zug mehrere Gebiete identifiziert, in denen es noch Potenzial für Qualitätsverbesserungen gibt», so Roger Schaller, Mediensprecher von Sunrise. Auch Swisscom-Sprecher Konrad Merz gibt zu: «Es ist zutreffend, dass an einigen Orten in der Stadt Luzern und Zug die Nutzung von Mobilfunkdiensten nicht oder nur eingeschränkt möglich ist.» Der Grund dafür sei, dass die Standortdichte von Mobilfunkanlagen unzureichend sei. «Die Akquisition erforderlicher neuer Standorte gestaltet sich oftmals als sehr schwierig», so Merz. Für jeden neuen Antennenstandort sei ein Baugenehmigungsverfahren erforderlich.

Auch Orange sieht die strengen Schutzbedingungen, Bauvorschriften und komplexen Bewilligungsverfahren als zunehmende Behinderung des Ausbaus ihres Mobilfunknetzes.

Schaller ist der gleichen Meinung in Bezug auf Sunrise: «Die in der Schweiz geltenden Rahmenbedingungen erschweren, verzögern und verteuern die weitere Entwicklung der Mobilfunknetze deutlich.» Vom Start eines Projekts bis zur Baubewilligung können laut Schaller bis zu drei Jahre vergehen, manchmal sogar länger. Das Datenvolumen auf dem Mobilfunknetz verdopple sich derzeit jährlich. «Aufgrund der bestehenden Rahmenbedingungen im Bau-, Raumplanungs- und Umweltrecht ist der Ausbau von bestehenden Stationen nur beschränkt möglich.» In den meisten Fällen sei daher die Erweiterung und Optimierung des Netzes mit neuen Mobilfunkstationen verbunden.

«Hässliche Fremdkörper im Stadtraum»

Einsprachen und Gegner der Mobilfunkantennen gibt es viele: Anfang Februar wurde die Volksmotion «Stopp dem Wildwuchs von Antennenanlagen in Wohnquartieren» eingereicht. Auslöser ist ein Baugesuch von Sunrise für eine Antenne im Imfang-Quartier. Die Motion fordert den Stadtrat auf, Vorschriften für die Nutzungsplanung der Antennen auszuarbeiten. Antennen auf gut einsehbaren Dächern in Wohnquartieren, wie dies im Imfang-Quartier geplant sei, sollen grundsätzlich nicht mehr möglich sein.

Die Motionäre schreiben weiter: «Es ist eine falsche Entwicklung, in Wohnquartieren die Kommunikation über das Mobilfunknetz zu fördern, denn Mobilfunk hat gewichtige Nachteile.» Neben möglichen gesundheitlichen Folgen durch die nichtionisierende Strahlung seien die Antennen auch «hässliche Fremdkörper im Stadtraum». Die Grundversorgung für mobiles Telefonieren sei zudem längst abgedeckt.

Bei Sunrise nimmt man die Motion ernst, lässt sich davon jedoch nicht bremsen: «Die grosse Mehrheit der Bevölkerung verbindet die Mobilfunktechnologie primär mit dem Nutzen.» Die Motion widerspreche dem Nutzungsverhalten der Kunden: «Wir müssen die Antennen in der Nähe der Kunden, sprich im Stadtzentrum und in Wohngebieten aufstellen. Dort wo Mobilfunk primär genutzt wird und die Kapazitätsnachfrage ständig steigt.»

Der Gesundheitsaspekt, der in der Motion angesprochen wied, kommentiert Schaller so: «Die vom Bundesrat verfügten Grenz- und Vorsorgewerte gewähren einen umfassenden Schutz der Bevölkerung.» Auch aus wissenschaftlicher Sicht gäbe es inzwischen klare Hinweise, dass die Exposition durch Mobilfunkstationen das Wohlbefinden kaum negativ beeinflusse.

Auch an der Zugerstrasse in Cham machen knapp 200 Bewohner seit Ende Januar mobil gegen eine geplante Sunrise-Antenne, berichtete die «Neue Luzerner Zeitung». Die Gemeinde reagiert nun auf den Protest der besorgten Bürger und hat ein baldiges Hearing angekündigt.

Die aktuelle Lage der Antennenstandorte

Swisscom verfügt über die meisten bestehenden oder geplanten Antennenstandorte in der Stadt Luzern. Dies zeigt eine Mobilfunkstandort-Karte des Geoportals des Kantons Luzern mit Stand Dezember 2012. Sunrise folgt an zweiter Stelle: «Sunrise hat im Stadtgebiet von Luzern und Zug zirka 80 Standorte in Betrieb», so Schaller. An dritter Stelle folgt Orange.

Nebst dem Bau von Antennen lassen sich die Anbieter noch andere Dinge einfallen: «In gewissen Häusern, zum Beispiel Minergie-Standard-Häusern, kann das elektromagnetische Feld nicht in das Gebäude gelangen», erklärt Schaller. Deshalb bietet Sunrise die «Indoor Box» an. «Das Handy macht die Verbindung zur Box und diese läuft über den Internetanschluss», so Schaller. Auch Orange bietet zukünftig die «Booster Box» an, die ein bereits bestehendes Netz verstärkt. Swisscom will laut der «Schweiz am Sonntag» auch nachziehen. Swisscom prüfe zurzeit die Einsatzmöglichkeiten der Antennen «Femtocells» für die eigene Wohnung.

In der Stadt Zug gibt es rund 50 Antennen, wie eine aktuelle Übersichtskarte des Bundesamts für Kommunikation aufzeigt. Zwischen verschiedenen Mobilfunkanbietern wird auf der Karte nicht unterschieden.

20 neue Standorte für Sunrise

Ein Blick auf die Baugesuchsstatistik zeigt, dass in Luzern die Gesuche für neue Antennen je nach Jahr variieren. Im Jahr 2009 wurden acht Gesuche für neue Anlagen eingereicht, 2010 und 2011 nur drei respektive vier. Während 2012 kein einziges Baugesuch für eine neue Antenne eingereicht wurde, waren es im Jahr 2013 wieder sieben Baugesuche. 2014 wurde bisher ein Baugesuch eingereicht. «Fünf Baugesuche aus dem Jahre 2013 und natürlich das aus dem Jahre 2014 sind noch hängig», sagt Markus Hofmann, Leiter Ressort Baugesuche der Stadt Luzern.

«Im Stadtgebiet von Luzern und Zug sind alleine dieses Jahr zirka 20 neue Standorte geplant», sagt Schaller zu den Bauplänen von Sunrise. Sie setzen auf den Ausbau des 4G/LTE- Netzes, genau wie Swisscom und Orange, um dem rasanten Wachstum an zu übertragendem Datenvolumen gerecht zu werden. Bei der Swisscom werden im Jahr 2014 in Zug und Luzern die Standorte im einstelligen Bereich wachsen. «Rund zwei Drittel der bestehenden Mobilfunkanlagen wurden bereits mit der 4G/LTE- Technologie ausgerüstet. Der Ausbau der restlichen Anlagen ist in vollem Gang», erklärt Swisscom-Sprecher Merz. Man wolle zusätzlich mit kleinen Antennen auf Strassenniveau, sogenannten Small Cells, die Abdeckung in Städten erweitern.

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