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«Wir sind noch nicht am Ende»
  • Kultur
Auch bei Nachwuchsproblemen haben die Spielleute noch immer gut Lachen. (Bild: zvg)

Luzerner Spielleute «Wir sind noch nicht am Ende»

3 min Lesezeit 12.05.2014, 05:55 Uhr

Überalterung bei den Luzerner Spielleuten. Der traditionsreiche Verein kämpft mit Nachwuchsproblemen und mit der eigenen Spielstätte. Muss der Theaterverein sich zum 80-jährigen Jubiläum neu erfinden?

Thomy Büchler ist seit 20 Jahren Präsident der Luzerner Spielleute. Er und seine Partnerin Maggie Imfeld haben sich die letzten Jahrzehnte intensiv um ihr «Baby» gekümmert. Grundsätzlich sei es für sie an der Zeit loszulassen, doch die Nachfolge fehlt.

Der Theaterverein kämpft seit einigen Jahren mit einem Nachwuchsproblem. «Wir haben ein strukturelles Problem, wir sind überaltert», bedauert Büchler. «Spieler zu finden ist weniger schwierig, aber diese auch für eine Funktion im Vorstand zu begeistern, das ist schwer.» Er wolle neuen Mitgliedern mit frischen Ideen Platz machen, sagt Büchler. Doch diese Leute fehlen. Der Verein wirke nach aussen alteingesessen und verschworen, weiss Büchler. Das sei eine schwierige Voraussetzung. Und auch der Bau des eigenen Hauses hat die Spielleute stark gefordert.

Der Spielleute-Pavillon – Fluch oder Segen?

2008 wurde der Spielleute-Pavillon im Tribschenquartier in Luzern eingeweiht. Die Stadt hatte dem Verein das Land am Spelteriniweg neben dem Jugendkulturhaus Treibaus zur Verfügung gestellt. «Die Planung und die Geldsuche absorbierten während drei Jahren fast all unsere Ressourcen», erinnert sich Büchler. Während dieser Zeit realisierte der Verein keine grossen Projekte mehr.

Geplant wurde der Pavillon gemeinsam mit dem Verein Voralpentheater. Man wollte Synergien nutzen und mit den Jugend-Theaterkursen des Voralpentheaters Nachwuchs gewinnen. Das Ziel dabei war, die jungen Spieler durch eine langjährige Beziehung zum Theater und zum Verein für eine Funktion im Vorstand zu begeistern. Doch es kam anders. Die jungen Spieler des Voralpentheaters engagieren sich vor allem im «Theater Nawal» und produzieren seit 2012 jährlich erfolgreich ein Stück.

Die Spielleute müssen sich selber helfen. Viel Hoffnung setzen sie dabei in ihr neues Kinder- und Familientheater «Stachelbeere». Die erste Produktion diesen April war ein Erfolg, und Büchler sieht darin eine langfristige Überlebenschance der Spielleute. Die Mitglieder Urs und Yvonne Achermann haben sich dieser Aufgabe angenommen und planen bereits die nächste Produktion des Kinder- und Familientheaters.

Das Jubiläum als Chance

Aber nicht jede Produktion läuft so reibungslos an. Bei der diesjährigen Jubiläumsproduktion entsprach die erste Fassung nicht den Vorstellungen der Schauspieler. «Einige unserer Stammspieler sind wohl deshalb für die Saison 2014 bei anderen Gruppen engagiert», bedauert Büchler. Doch er sehe auch eine Chance darin. Es sei nun eine bunt gemischte Gruppe für das Jubiläum entstanden, da Leute dabei seien, die vorher noch nie bei den Spielleuten gespielt haben. «Die Probearbeit gestaltet sich dadurch sehr herausfordernd und spannend für die ganze Gruppe.»

Dass die Spielleute ihre aufwändigen Freilichtproduktionen, durch welche sie ursprünglich bekannt wurden, nicht mehr produzieren, liegt unter anderem am vorhandenen Angebot. Man wolle keine Konkurrenz zu den Luzerner Freilichtspielen beim Wagnermuseum aufbauen. Derzeit ist es das alljährliche Sternsingen in der Altstadt und die Produktionen im Pavillon, worauf sich die Spielleute konzentrieren. Bis vor kurzem aber musste der Fokus erneut stark auf den Pavillon gelegt werden.

Kein zweites Boa-Debakel

Denn 2011 begannen am Spelteriniweg wegen des dort geplanten Emmi Hauptsitzes und den dazugehörigen Wohnungen harte Verhandlungen. Die Kulturhäuser Treibhaus und Pavillon befürchteten eine Verdrängung durch Anwohnerbeschwerden – wie es beim Kulturzentrum Boa der Fall war – und erhoben Einsprache bei der Stadt. Nach mehr als zwei Jahren wurde der Entscheid letztes Jahr bekanntgegeben: Die Emmi und Anwohner der geplanten Wohnungen haben eine Duldungspflicht gegenüber der Kulturhäuser. Zusätzlich soll eine Schlichtungsstelle bei Beschwerden zwischen Kultur und neuen Anwohnern vermitteln. 

Büchler ist nun überzeugt, dass die Jubiläumsproduktion ein voller Erfolg wird. «Wir sind noch nicht am Ende», lacht er. Kraft und Motivation hätten sie noch genug, bis neue Mitglieder den Verein führen wollen.

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