Wer sich gegen Grippe impft, bekommt neu einen Ferientag
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Viele Leute lassen sich gegen die jährliche Grippe impfen. (Bild: zvg)

Wie Grossfirmen ihre Mitarbeitenden gesund halten wollen Wer sich gegen Grippe impft, bekommt neu einen Ferientag

4 min Lesezeit 3 Kommentare 28.12.2019, 05:01 Uhr

Die Wintergrippe hat uns im Griff. Viele Grossfirmen finanzieren ihren Mitarbeitenden die Impfung. Neue Motivationsspritze: Das SPZ Nottwil belohnt Präventionswillige mit einem Extra-Ferientag. Ein Trend? Umfrage bei den grössten Luzerner und Zuger Arbeitgebern.

Achtung: plötzlich hohes Fieber, Schüttelfrost, Husten, Hals- und Schluckweh, Kopfschmerzen, Schmerzen in Muskeln und Gelenken, aber auch Schnupfen, Schwindelgefühl und Appetitverlust. Das sind Symptome für eine Grippe. Bei Kindern können zudem Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten. Eine Grippe kann bis zu zwei Wochen dauern.

Schon das Lesen dieser Grippesymptome tut weh. Mehr noch, es drohen bei Infizierten bis zu zwei Wochen im Bett. Für Arbeitgeber bedeutet das teure Absenzen, was bei mehreren kranken Mitarbeitenden grosse Umsatzeinbussen in Grossfirmen mit sich bringt. 

Das Schweizer Paraplegikerzentrum (SPZ) in Nottwil hat deshalb beschlossen, nicht nur die Impfkosten von rund 35 Franken zu übernehmen. Als zusätzlichen Anreiz gibt es einen zusätzlichen Ferientag, wenn sich Mitarbeitende freiwillig präventiv impfen lassen. 

Mehrere Hundert Todesfälle

Das Nottwiler Spital hat erkannt, wie gefährlich eine solche Wintergrippe sein kann: In der Schweiz führt die Grippe gemäss dem Überwachungssystem Sentinella jedes Jahr zu 112’000 bis 275’000 Arztkonsultationen.

Aufgrund von Komplikationen kommt es ausserdem zu mehreren Tausend Spitalaufenthalten und zu mehreren Hundert Todesfällen. Davon betroffen sind vorwiegend Menschen mit einem erhöhten Risiko: also Schwangere, Frühgeborene, ältere Menschen und Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen und mit geschwächtem Immunsystem.

Erstaunlicherweise wehren sich viele Menschen gegen die Impfung. (Bild: Netdoktor)

Dennoch wehren sich viele Menschen gegen die Impfung. Also muss gut verkauft werden, was wehtut. Das hat bei diversen Grossfirmen im Gebiet von zentralplus Konsequenzen. In Nottwil, wo man seit der Eröffnung des SPZ 1999 die Prävention finanziell unterstützt, liessen sich dieses Jahr 320 der rund 1’500 Angestellten impfen. 

63 Prozent der LUKS-Ärzte liessen sich impfen

Auch am Luzerner Kantonsspital LUKS wird das Impfen allen Mitarbeitern seit zehn Jahren gratis angeboten. Die Impfrate bei den rund 7’000 Mitarbeitenden (das LUKS ist der grösste Arbeitgeber in der Zentralschweiz) steigt an. Im letzten Jahr haben sich 23 Prozent aller Mitarbeitenden geimpft – und 63 Prozent der Ärzteschaft. Denkt man da auch an einen zusätzlichen Bonus wie im SPZ? «Wir wenden bewusst kein Bonus-Malus-System an. Wir halten es nicht für nachhaltig zielführend», erklärt Edith Betschart, Leitende Ärztin Personalärztlicher Dienst des Luzerner Kantonsspitals. 

«Damit tragen wir indirekt zu einer Verminderung der Grippeviren-Übertragung in der Gesamtbevölkerung bei.»

Karin Freyenmuth, Roche-Kommunikationschefin

Boni gibt es auch in der Roche in Rotkreuz nicht, wo sich rund 500 der 2’700 Pharma-Angestellten gratis impfen liessen. «Wir bieten die Gratisimpfung seit zehn Jahren an. Die Zahl der Grippeimpfungen wächst stetig», so Strategie- und Kommunikationschefin Karin Freyenmuth. Roche bietet die Grippeimpfung primär zur Gesundheitsförderung der Mitarbeiter an. Freyenmuth: «Damit tragen wir als Betrieb in der Region und darüber hinaus auch indirekt zu einer Verminderung der Grippevirenübertragung in der Gesamtbevölkerung bei.»

Ebenfalls seit zehn Jahren wird die Impfung bei Siemens in Zug bezahlt. Der Medienverantwortliche Benno Estermann erklärt: «In diesem Jahr haben wir unseren Mitarbeitenden empfohlen, die Impfung beim Hausarzt oder in der Apotheke durchführen zu lassen.» 400 der rund 2’150 Siemens-Mitarbeitenden machten dies. Die Kosten konnten sie via Spesenabrechnung zurückfordern. So geht auch die Trisa in Triengen vor: Mit 30 Franken pro Person ermöglicht die Bürstenfabrik ihren 950 Mitarbeitenden, den Winter grippefrei zu überstehen. 

Beim grössten Versicherer in Luzern, der CSS mit ihren 1600 Mitarbeitenden, kann man sich seit neun Jahren gratis impfen lassen. Allerdings mit eher bescheidenem Erfolg: Dieses Jahr hat sich die Rate im Vergleich zu 2018 halbiert: auf 30 Impfungen.

Migros und Hochschule Luzern fördern nicht

Einen anderen Weg beschreitet etwa die Genossenschaft Migros Luzern. Sie bietet keine Grippeimpfungen für ihre 6’600 Mitarbeitenden an. Lisa Savenberg von der Kommunikation erklärt: «Wir verfolgen mit unserem betrieblichen Gesundheitsmanagement einen ganzheitlichen Ansatz, der auf die Stärkung der physischen und psychischen Gesundheit unserer Mitarbeitenden setzt.» 

Auch die Hochschule Luzern kann keinerlei Angaben zum Impfstatus ihrer rund 1’700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen. Eine finanzielle Förderung von Grippeimpfungen gibt es bei der HSLU nicht. Und mit der Emmi unterstützt auch ein grosser Milchverarbeiter die Grippeimpfung seiner 1’100 Mitarbeitenden nicht.

Ob sie dadurch häufiger krank werden? Diese Frage ist nicht ganz leicht zu beantworten. Die Stiftung Warentest beispielsweise erachtet die Impfung für Kinder und Jugendliche als sinnvoll, sieht aber von einer generellen Empfehlung für Erwachsene und ältere Menschen ab.

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3 Kommentare
  1. CScherrer, 28.12.2019, 12:14 Uhr

    Unglaublich, dass sich die Wirtschaft einmal mehr so etwas erlauben kann. Jahrelang interessierte sich die Wirtschaft nicht, wie es um die Gesundheit ihrer Arbeitnehmer steht. Jetzt plötzlich sollen Arbeitnehmer einen Freitag für eine Grippeimpfung erhalten? Dafür dürfen die Arbeitnehmer aber vor den Haupteingängen rauchen, müssen Überstunden leisten und für Bewegung oder Fitness reicht die Zeit nicht mehr aus. Mann, Mann! Man kann auch noch offensichtlicher die Pharmaindustrie unterstützen und in der eigenen Kantine werden die Mitarbeitenden mit Junkfood gefüttert. Es kann nicht angehen, dass Arbeitnehmer nur wegen ihrer Überzeugung diskriminiert und benachteiligt werden.

  2. mebinger, 28.12.2019, 12:06 Uhr

    Und wenn er trotzdem die Grippe bekommt, muss er de Tag nachholen?Gesunde Menschen egal welchen Alters brauchen keine Impfung.

  3. stofe, 28.12.2019, 10:52 Uhr

    Nicht nur Fastnacht und Ostern werden immer früher angegangen. Nun sind die 1.Aprilscherze auch schon im Dezember fällig ….

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