Vor 10 Jahren: Aus zehn Gemeinden wurden vier

3 min Lesezeit 19.02.2016, 10:09 Uhr

Was genau bringen Gemeindefusionen? Zum Zeitpunkt des Entscheids lässt sich diese Frage jeweils nur schwer und hypothetisch beantworten. So war es auch am 1. Januar 2006, als sich insgesamt zehn Gemeinden zu noch vier zusammengeschlossen: Dagmersellen, Ettiswil, Reiden und Willisau. Eine Dekade später schauen die meisten Beteiligten zufrieden zurück.

Neujahr 2006 war im damaligen Amt Willisau für vier Gemeinden ein besonderer Tag. Auf diesen Zeitpunkt hin legten sie an Grösse zu. Dagmersellen, Uffikon und Buchs wurden zu Dagmersellen. Ettiswil und Kottwil schlossen sich zu Ettiswil zusammen. Reiden, Langnau und Richenthal vereinten sich in der Gemeinde Reiden. Willisau-Land und -Stadt wurden zu Willisau. In einem Newsletter des Kanton Luzern schildern die Beteiligten ihre Erfahrungen mit den fusionierten Gemeinden und erklären, welche Feierlichkeiten anlässlich des 10-Jahre-Jubiläums geplant sind.

Willisau: Fusionsworkshops

In Willisau war dem Zusammenschluss eine hitzige Debatte voraus gegangen. Befürworter und Gegner äusserten darin ihre Hoffnungen und Befürchtungen. Bislang wurde nicht eruiert, ob eher die negativen oder positiven Prognosen eingetreten sind. Diese Frage möchte der Stadtrat aus Anlass des 10-Jahr-Jubiläums klären. Deswegen führt die Hochschule Luzern verschiedene Gruppendiskussionen durch und analysiert die dabei gesammelten Ergebnisse. Die Workshops sind nach inhaltlichen Themen gegliedert. Unter anderem diskutieren Vertreter aus der Wirtschaft, den verschiedenen Ortsteilen, Politik und Vereinen. Der Stadtrat und die Hochschule Luzern werden die gesammelten Erkenntnisse am 20. Juni 2016 präsentieren.

Dagmersellen: «Stärker geworden»

In den anderen Orten sind keine entsprechenden Auswertungen vorgesehen. Im Gespräch mit den heutigen Gemeindepräsidenten ergibt sich aber ein durchwegs positiver Tenor. So zieht Philipp Bucher aus Dagmersellen folgendes Fazit: «Insgesamt ist unsere Gemeinde stärker geworden.» Durch ihre heutige Grösse habe sie bei Verhandlungen mehr Gewicht. Aus finanzieller Sicht sei zwar die Administration gewachsen. «Dafür ist sie professioneller geworden», resümiert der Gemeindepräsident. Gerade die Verwaltungen der kleinen Orte Buchs und Uffikon würden heute mit den laufend komplexer werdenden Aufgaben wohl des Öfteren an ihre Grenzen stossen. In Dagmersellen finden keine Jubiläumsanlässe statt.

Reiden: «Angebot hat von Zusammenschluss profitiert»

Auch das benachbarte Reiden verzichtet auf Feierlichkeiten. Zudem sei es für eine Analyse analog jener in Willisau noch zu früh, sagt Gemeindepräsident Hans Luternauer. «In unserer Gemeinde mit ihrer speziellen Konstellation macht das erst in 20 Jahren Sinn.» Persönlich sei er aber überzeugt davon, dass sich der Zusammenschluss ausbezahlt habe. «Wir konnten über den gesamten Lebensraum der drei Dörfer eine stimmige Zonenplanung einführen.» Überdies seien gerade Langnau und Richenthal gewachsen. «Damit  sind die Standorte der Schulen gesichert.» Auch das Angebot von Verwaltung und technischen Diensten habe profitiert.

Das Vereinsleben hingegen habe sich nicht gross verändert. «Hier gab es keine Fusionen, die dorfeigenen Traditionen werden weiterhin gelebt.» Wie sieht es mit den Finanzen aus? Reiden ist derzeit nicht eben auf Rosen gebettet. Hat das mit dem Zusammenschluss zu tun? «Hier sind nur hypothetische Antworten möglich», sagt Luternauer. Fakt sei, dass eine grössere Gemeinde beispielswiese die Kosten für Altersversorgung oder Spitex besser auffangen könne. Dennoch: Wie es Langnau, Richenthal und Reiden im Alleingang gehen würde, könne er schlicht nicht beantworten.

Ettiswil: Feier im Juni

In Ettiswil findet am 3. Juni 2016 eine kleine Feier statt. «Wir wandern durch die beiden Ortsteile», sagt Gemeindepräsident Peter Obi. Danach werde bei Wurst und Brot auf das Jubiläum angestossen. Peter Obi zieht eine rundum positive Bilanz: «Ich bin seit fünf Jahren im Amt und habe in der Zeit nie gehört, dass der Zusammenschluss etwas Negatives bewirkt hätte.» Die beiden Ortsteile würden gut zusammenarbeiten. «Wir sind eine Einheit, es gibt keine Querkräfte.» Man lege Wert auf eine gleiche Behandlung. So finden die Gemeindeversammlungen abwechselnd in Kottwil und Ettiswil statt. Auch das Vereinsleben habe sich normal weiterentwickelt. Obis Fazit: «Die Fusion war für uns sehr positiv.»  

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