VBL verrechnen sich  beim Dieselölverbrauch um über eine Million Liter
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Die Betriebsangaben der VBL zum Treibstoffverbrauch geben Rätsel auf. (Bild: bic)

Ungereimtheiten bei Treibstoffangaben VBL verrechnen sich beim Dieselölverbrauch um über eine Million Liter

3 min Lesezeit 12 Kommentare 09.06.2020, 05:00 Uhr

Die Luzerner Verkehrsbetriebe weisen im Geschäftsbericht jährlich ihren Treibstoffverbrauch aus. Vergleicht man den aktuellen Bericht mit jenen der Vorjahre, stellt man Erstaunliches fest: Die Angaben klaffen weit auseinander.

In erster Linie verbindet man die Verkehrsbetriebe Luzern mit den grossen Elektro-Trolleybussen. Sie prägen das Stadtbild wie kaum ein anderes Fahrzeug. Im Wagenpark der VBL befinden sich aber auch noch zahlreiche Dieselbusse. Beispielsweise auf der Linie 24 nach Meggen.

Der Treibstoffverbrauch dieser Fahrzeuge wird im jährlichen Geschäftsbericht transparent und in mehreren Kategorien ausgewiesen. So wird etwa ersichtlich, wie viel Dieselöl pro Kilometer und wie viele Liter total verbraucht wurden. Im vergangenen Jahr waren es rund 2,44 Millionen Liter.

Direkter Vergleich wirft Fragen auf

Der VBL-Geschäftsbericht weist auch die Verbrauchszahlen der Vorjahre aus. Der aktuelle Bericht blickt bis ins Jahr 2014 zurück. Daraus lässt sich etwa herauslesen, wie sich der Dieselölverbrauch in diesen Jahren entwickelt hat. Auf den ersten Blick ist – im Vergleich der Jahre 2014 und 2019 – eine erfreuliche Abnahme von rund 180’000 Litern ersichtlich.

Nimmt man zum Vergleich jedoch einen der älteren Geschäftsberichte aus diesen Jahren zur Hand, fällt auf: Die darin aufgeführten Verbrauchszahlen weichen teilweise drastisch von den Zahlen im aktuellen Geschäftsbericht ab. Im Vergleich zum Geschäftsbericht 2014 beträgt die Abnahme des Dieselölverbrauchs beispielsweise nur noch rund 40’000 Liter.

Zahlen wurde gegen oben verändert

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Verbrauchszahlen nach oben verändert wurden. Ein Beispiel: Laut dem Geschäftsbericht von 2017 wurden damals rund 1,9 Millionen Liter Dieselöl verbraucht. Gemäss aktuellem Geschäftsbericht wurden damals aber 2,4 Millionen Liter verbraucht (siehe Tabelle). Das ist ein nachträglicher Anstieg um rund 500’000 Liter.

Gemäss aktuellem Geschäftsbericht wurden zwischen 2014 und 2019 insgesamt 15,4 Millionen Liter Dieselöl verbraucht. Rechnet man die Zahlen aus den Geschäftsberichten der Jahre 2014 bis 2019 zusammen, kommt man jedoch lediglich auf rund 14,2 Millionen Liter. Das ist eine Abweichung von über 1,15 Millionen Litern.

Controlling fiel Widersprüchlichkeit auf

Wie  ist das möglich? Wie kann eine Zahl, die den absoluten Verbrauch abbildet, sich nachträglich verändern? Gemäss den VBL handelt es sich bei der erwähnten Diskrepanz um frühere Ungenauigkeiten, die in den letzten zwei Jahren behoben wurden, wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt.

Demnach fiel dem internen Controlling 2018 aufgrund von internen Prozessen 2018 eine Unstimmigkeit zwischen den absoluten Personenkilometern und dem absoluten Dieselölverbrauch auf. Diese Differenz wurde letztlich auf die Transportfirma Heggli zurückgeführt.

Verbrauch von Heggli nachträglich deklariert

Die Firma Heggli, Kriens, ist im Auftrag der VBL auf mehreren Strecken in der Region Luzern unterwegs. Darunter etwa auf den Linien 14 (Horw Zentrum – Brüelstrasse) und 11 (Bahnhof – Dattenberg).

Der absolute Dieselölverbrauch dieser aktuell fünf von Heggli bewirtschafteten Linien floss nicht in den Geschäftsbericht 2017 ein. Die Anzahl Personenkilometer dieser Strecken allerdings schon. Genau dies fiel bei den internen Controllingprozessen auf. «Um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, haben wir die Zahlen im darauffolgenden Geschäftsbericht bereinigt», heisst es bei der zuständigen Stelle.

Im Geschäftsbericht 2018 ist zu dieser Bereinigung jedoch nichts zu lesen. Allerdings wurde der Titel der Angabe präzisiert, wie auf Anfrage erklärt wird: Statt «Treibstoffverbrauch in Litern» heisst es nun «Treibstoffverbrauch in Litern, konzessionierter VBL-Linienverkehr».

Tellbus fälschlicherweise dazugerechnet

Irritierend ist die Tatsache, dass sich die Verbrauchszahlen zwischen den Geschäftsberichten 2018 und 2019 erneut unterscheiden – diesmal ist eine leichte Abnahme der Zahlen erkennbar.

Dies sei auf eine weitere interne Erkenntnis zurückzuführen. Konkret geht es dabei um den Tellbus, der zwischen Altdorf und Luzern verkehrt. Die Konzession dieser Linie gehörte früher der SBB und heute der Auto AG Uri. In deren Auftrag fahren die VBL einige Tellbus-Kurse. Deren Dieselölverbrauch sei bisher fälschlicherweise zum VBL-Verbrauch hinzugerechnet worden.

Der aktuelle Geschäftsbericht ist dementsprechend angepasst worden. Da es sich nur um eine leichte Korrektur handelte, habe man von einer Kommunikation im Geschäftsbericht abgesehen, heisst es seitens der VBL dazu.

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12 Kommentare
  1. sandroluzern, 09.06.2020, 14:31 Uhr

    Sehe ich das richtig, Sie kritisieren, dass man inzwischen den Verbrauch eines Dritt-Unternehmens für die Statistik berücksichtigt? Verständlicherweise macht dies für die Aussagen bezüglich Verbrauch auf allen konzessionierten Linien der vbl Sinn.
    Es ist aber so, dass der entsprechende Treibstoff nicht bei den vbl sonder bei Heggli getankt wurde und somit für andere Abrechnungen mit Abgrenzung nach agierendem Unternehmen (z.B. Mehrwertsteuer) nicht relevant ist?

  2. Paul Bründler, 09.06.2020, 10:07 Uhr

    In diesem Artikel fehlt eine Information, inwiefern das für die Öffentlichkeit von Interesse ist.
    Hat das irgendwie mit Steuergeldern oder Billetpreisen zu tun?
    Falls nicht, muss ich sagen, dass mich die VBL „Buchhaltung“ nicht sonderlich interessiert.

    1. Redaktion Ismail Osman, 09.06.2020, 10:59 Uhr

      Guten Tag Herr Bründler
      Besten Dank für die kritische Rückfrage.
      Die VBL gehört zur 100 Prozent der Stadt Luzern. Das Unternehmen erhält denn auch Subventionsgelder aus der öffentlichen Hand. Entsprechend sollte ein transparenter und korrekter Geschäftsbericht durchaus im Interesse der Öffentlichkeit sein.

    2. Paul Bründler, 09.06.2020, 11:29 Uhr

      Danke für ihre Antwort, Herr Osman.
      Ich verstehe aber das Ausmass bzw. Problem trotzdem nicht genau.
      Einfach gefragt: „Was kostet uns das“?
      Z.B. Bei Frau Sommarugas umstrittener „Impfspende“ werden 30 Millionen an Steuergeldern verpulvert.
      Um wie viel geht es hier? Ist es strafrechtlich relevant?
      Buchhaltung ist immer ein Stück weit Interpretationssache, muss ich das als Bürger/Leser beurteilen?

    3. Redaktion Ismail Osman, 09.06.2020, 12:35 Uhr

      Vielen Dank für die kritische Auseinandersetzung mit dem Artikel. Es freut mich, dass der Bericht auf grosses Interesse stösst und das Bedürfnis besteht, noch mehr zu erfahren. Die Frage was die Unstimmigkeiten die Stadt kosten, kann ich so nicht beantworten. Ich weise im Artikel zunächst mal auf inhaltliche Unstimmigkeiten der Geschäftsberichte hin, die ich im Text belege. Wie erwähnt, sind die VBL im Besitz der Stadt Luzern. Diese hat sich Energieziele gesetzt. Insofern dürfte es auch für die Stadt – und somit der Öffentlichkeit – relevant sein, wie viel Dieselöl eines ihrer Unternehmen jährlich verbraucht. Letztlich liegt es aber an der Stadt zu entscheiden, wie sie mit der Information umzugehen gedenkt.

      Es ist nicht an mir, die Frage zu beantworten, ob die fälschlichen Angaben in den Geschäftsberichten der Vorjahre strafrechtlich relevant sind. Die Recherche zeigt schlicht, dass in den vergangenen Jahren eine Diskrepanz im Dieselölverbrauch von über einer Million Liter besteht. Das sind nicht Peanuts, sondern eine Abweichung, die im Geschäftsbericht hätte transparent erklärt werden können und sollen.

    4. CScherrer, 09.06.2020, 12:40 Uhr

      Diese Berichterstattung von Zentralplus ist äusserst wichtig, denn gerade der Dieselverbrauch der vbl muss die Öffentlichkeit interessieren. Hier geht es nicht nur um die Kosten sondern um den Verbrauch von Diesel per se. Warum hat sich der Verbrauch über die Jahre nicht merklich verändert? Welche Strategie verfolgt die vbl in diesem Zusammenhang? Dies sind wichtige Fragen. Dabei geht es u.a. auch darum, dass die vbl ökologischer und nachhaltiger wird.

    5. Paul Bründler, 09.06.2020, 17:25 Uhr

      Danke für die Antworten.
      Ich tue mich einfach schwer, solche Petitessen wichtig zu nehmen, so lange andere, mir wirklich wichtig erscheinende Dinge durch die Mediean weg-geframed werden.
      Z.B. Gibt es in der kleinen Schweiz schätzungsweise 250’000 Illegale Einwanderer, aka „Sans Papiers“.
      Darüber und über die Frage, wie man diesen Missstand beheben will, wird ziemlich tösend geschwiegen. Stattdessen soll ich mich (Framing) über die Verbuchung von ein paar Litern Diesel aufregen?
      Sorry, da ist die Verhältnismässigkeit für mich nicht gegeben. Ich fühle mich dadurch im Gegenteil ziemlich veralbert.

    6. Felix Baron, 09.06.2020, 17:54 Uhr

      @Paul Bründler: Jetzt machen Sie aber mal halblang. Wenn der Artikel für Sie nicht wichtig ist, ist das eine Sache. Aber was bitte hat falsch verbuchter Treibstoff mit Sans Papiers zu tun? Die haben ihn kaum getrunken… Ihre Gesinnung dürfen Sie gerne bei einem Thema ausleben, bei dem es passt. Und dann anderen Framing vorwerfen!

    7. Paul Bründler, 09.06.2020, 19:01 Uhr

      > „Ihre Gesinnung dürfen Sie gerne bei einem Thema ausleben, “
      Was für eine Gesinnung unterstellen sie mir? Illegal heisst ungesetzlich. Nicht nach den Gesetzen. Also nicht so, wie wir das in unserer Gesellschaft miteinander abgemacht haben.
      Braucht man eine besondere „Gesinnung“ um da nachzufragen?
      Ich glaube eher, es braucht eine besondere Gesinnung, um das totzuschweigen.
      Aber ja, VBL-Dieselbuchhaltung und Illegale Einwanderung haben natürlich nichts miteinander zu tun.
      Es geht nur darum, was wichtig ist und was nicht. Und was von den Medien zum Skandal stilisiert wird und was unter den Teppich gekehrt wird.
      Fällt ihnen das nicht auch auf?

    8. Felix Baron, 09.06.2020, 19:54 Uhr

      @Paul Bründler: Wer bei einem Thema wie der VBL, die unrechtmässig Subventionen kassiert haben und offenbar auch beim Treibstoff eine kreative Buchhaltung betreiben, auf „illegale Anwesende“ kommt, scheint durchaus ein bestimmtes Thema zu haben. Da ist der Verdacht auf eine bestimmte Gesinnung des Autors nicht gar abwegig. Oder wollten Sie einfach ablenken? Ich verstehe einfach nicht, wie diese beiden Themen zusammen hängen. Den Kommentar zu den ach so bösen Medien,, die ja alles totschweigen wollen, könnten Sie ja in jedem beliebigen Artikel posten.
      Davon abgesehen habe ich durchaus eine Meinung zu den Sans Papiers. Aber die gehört hier einfach nicht hin.

  3. Der Maihöfler, 09.06.2020, 09:55 Uhr

    Es kommt mir so vor, als sei bei den vbl eine grosse Hektik ausgebrochen. Seriöse Geschäftsführung ist etwas Anderes. Es wird gemauschelt, getrickst und unter den Teppich gekehrt.
    Wann wird endlich der Stadtrat aktiv und setzt dem Ganzen ein Ende ?
    Die sofortige Freistellung der Verantwortlichen ist Eine Pflicht der Politik. Dann eine knallharte Revision der Geschäftsführung und aller Rechnungen.
    Das Gemauschel und die nur allzu pflegliche Behandlung der vbl Führung stinkt zum Himmel.

  4. Hans Hafen, 09.06.2020, 07:14 Uhr

    Schon wieder! Schon VBL! Schon wieder Ungereimtheiten! Schon wieder falsche Angaben! Wann geschieht endlich etwas liebe Verantwortliche? Die Kernkompetenzen genau dieser Verantwortlichen liegen offenbar vorallem beim Wegschauen, ignorieren, aussitzen. Falsch verstandene Loyalitäten kommen noch erschwerend hinzu! Stellt euch endlich eurer Verantwortung und zieht die Verantwortlichen zur Rechenschaft. Das ist kein Wunschkonzert sondern der Auftrag der Öffentlichkeit! VBL wieder verstaatlichen jetzt!

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