Über 400 Kilometer, um den EVZ spielen zu sehen
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Sie vertraten beim Spiel gegen Ambrì die Bündner Fraktion: Clubpräsident Heinz Schmid (rechts) und sein Vize Remo Caderas. (Bild: lob)

Auch im Bündnerland schlagen Herzen blau-weiss Über 400 Kilometer, um den EVZ spielen zu sehen

6 min Lesezeit 23.01.2018, 17:40 Uhr

Dass der EVZ über die Kantonsgrenzen hinaus – beispielsweise in Luzern – Fans hat, dürfte allgemein bekannt sein. Die Fanliebe geht aber noch viel weiter: Auch im Bündnerland gibt es eine Sektion, für die es «nur Blau und Wiiss» gibt.

Freitag, 19. Januar – der EVZ spielt am Abend gegen den HC Ambrì Piotta. Die Statistik ist auf der Seite der Zuger: Die letzten vier Duelle gegen die Leventiner konnte der Eissportverein allesamt für sich entscheiden. «Trotzdem ist es oft ein ‹Chrampf›, gegen sie zu spielen», bemerkt Heinz Schmid. Der 50-Jährige präsidiert den im Jahr 2000 gegründeten EVZ-Fanclub Bündnerland. Auch der Vize, Remo Caderas, und dessen Freundin Nadia Ibernini treffen wir vor dem Spiel in der Sportsbar 67 an.

Zu Heimspielen treffen sich die Clubmitglieder immer im Stadion, haben dort ihren fixen Platz. In der Sportsbar seien sie selten anzutreffen – heute gibt’s für uns eine Ausnahme. «Im Schnitt besuchen sechs bis sieben Leute aus unserem Club die Heimspiele», erzählt Remo Caderas. Auch wenn sein Weg ein kurzer ist – er wohnt in Rotkreuz. Knapp 30 Mitglieder zählen sie insgesamt.

Alle gegen den HCD

Was sie verbindet: der Bezug zum Bündnerland und die Liebe für den EVZ. «Nicht zu vergessen die grosse Rivalität zum HCD», bemerkt Heinz Schmid. Die Hälfte wohnt etwa in Landquart, Churwalden oder im Bergell, der Rest sind Heimweh-Bündner, wenige auch Sympathisanten. So wie Nadia Ibernini. «Seit ich zwei Jahre alt bin, bin ich an den EVZ-Spielen dabei und war schon in diversen Fanclubs», erzählt sie. Zwei Jahre lang unterstützt sie nun schon die Bündner Fraktion – mit aufs Foto will sie aber nicht.

«Die GV findet immer in Chur statt, einmal im Jahr gibt’s ein Schiffszmorge auf dem Zugersee, oft auch noch einen Ausflug», erzählt uns der 36-jährige Caderas.

Schon seit fast 30 Jahren blau-weiss im Herzen

Jetzt wollen wir aber natürlich wissen: Wie wird man als – vor allem als nicht in Zug wohnhafter – Bündner denn EVZ-Fan? «Ich war früher vergifteter Arosa-Fan», erzählt Schmid. In der Saison 1985/86 kam für sie der Abstieg. «Ein paar Jahre tingelte ich so zwischen 1. und 2. Liga, aber ich wollte mir wieder NLA-Spiele ansehen – und so machte ich mich auf die Suche nach einem neuen Verein.»

Das Auswahlverfahren? Er habe sich ins Auto gesetzt und sei vom Wohnort in Vicosoprano Richtung Norden gefahren. Als Arosa-Supporter sei der HCD sowieso kein Thema gewesen – zwischen beiden herrschte zumindest früher grosse Rivalität.

Ein Teil der Fanclub-Mitglieder in ungewohnter Montur – bei einem gemeinsamen Ausflug. Ein gemeinsames Gruppenbild werde erst nach der nächste GV entstehen.

Ein Teil der Fanclub-Mitglieder in ungewohnter Montur – bei einem gemeinsamen Ausflug. Ein gemeinsames Gruppenbild werde erst nach der nächste GV entstehen.

(Bild: zvg)

«Da kam also erst mal Rappi, aber davon war ich nicht restlos überzeugt. Dann die beiden Zürcher Clubs. Sagen wir’s mal so: Die mögen wir eigentlich nur als Touristen im Winter», bemerkt Schmid und lacht. Am Ende ging die Fahrt über den Hirzel, Schmid landete beim EVZ. «Und da bin ich geblieben, in der alten ‹Gemüsehalle›», schmunzelt er. Zirka 1989 sei das gewesen – seither ist Schmid glühender Anhänger des Zuger Eissportvereins.

Anfängliche Skepsis

Obwohl die anderen Zuger Fans anfänglich etwas misstrauisch waren. Zum Beispiel, wenn Schmid mit dem Bündner Kennzeichen vorfuhr. «Bis sie beim Vorbeilaufen dann den Zuger Wimpel sahen», lacht der Grenzwächter. Mit dem Bündner Dialekt blieb er nie lange unentdeckt. «Ich bin schon aufgefallen, aber das legte sich bald mal und wir gehörten rasch dazu», erklärt Schmid. Als im Jahr 2000 der EVZ-Fanclub Bündnerland gegründet wird, gehören die Mitglieder schon längst fest zur Zuger Fanszene.

Dafür ist die Gruppierung bis über die Zuger Grenzen bekannt. «In Davos kennt man uns auch», bekommen wir erzählt. Kurz nach der Truppe um Schmid habe sich übrigens auch die Zugerland-Sektion der HCD-Fans formiert. «Bündner, die Davos-Anhänger sind, gibt es sowieso nur wenige», frotzeln die beiden. Für alle Clubmitglieder ist der HCD ganz klar der Hauptrivale.

6’600 Kilometer Fanliebe pro Saison

Für seine Leidenschaft nimmt Schmid – wie auch die anderen im Bündnerland beheimateten Fanclub-Mitglieder – lange Strecken in Kauf. Zwei Pässe müssen überquert werden, 220 Kilometer sind es gemäss Routenplaner pro Weg – über drei Stunden Fahrt. «Letzte Saison habe ich etwa 15 Heimspiele gesehen», erzählt Schmid. Macht 6’600 Kilometer pro Saison. «Ausserdem war ich öfters in Lugano, Ambrì oder auch mal an den Auswärtsspielen in Davos.»

Da der 50-Jährige als Grenzwächter auch am Wochenende arbeitet, gestaltet sich der Besuch von Spielen nicht immer einfach. Genauso, wie das Wetter dem Vorhaben oft ein Schnippchen schlagen oder die Fahrt weiter verzögern könne. «Schnee, Regen, Sonne – auf dem heutigen Weg hierhin war alles dabei», grinst Schmid.

Die Strecke von Vicosoprano nach Zug: Fast sechs Stunden Hin- und Rückweg nimmt Heinz Schmid für ein Heimspiel in Kauf.

Die Strecke von Vicosoprano nach Zug: Fast sechs Stunden Hin- und Rückweg nimmt Heinz Schmid für ein Heimspiel in Kauf.

(Bild: Screenshot search.ch)

Die in Zug lebenden Heimweh-Bündner sorgen indes sehr häufig für Unterstützung an den Matches: «Ich gehe wenn immer möglich an Heim- und Auswärtsspiele», sagt Remo Caderas. Er wurde in Chur geboren, kam aber bereits als Vierjähriger in den Kanton Zug und wuchs in Steinhausen auf. «Mit 9 Jahren war ich das erste Mal an einem EVZ-Match, und schon bald hat es mir den Ärmel reingezogen», erzählt der 35-Jährige. Besonders toll sei es gewesen, als mit Dino Kessler, Ralf Bundi, Duri Camichel und Patrick Fischer (nicht zu verwechseln mit dem Zuger Namensvetter) noch vier Bündner vertreten waren. «Fischer war bei der Gründung unseres Fanclubs sogar Pate», erinnert sich Caderas.

«Der Begriff Passivmitglied ist nicht angebracht»

Kurz kommen wir auch auf die nicht unumstrittene GV des EVZ zurück, welche für Ende Januar angesetzt ist. Bis jetzt wurden Saisonkarten-Inhaber auch automatisch Vereinsmitglieder und besassen ein Stimm- und Wahlrecht. Neu sollen die Dauerkartenbesitzer nur noch Passivmitglieder sein (zentralplus berichtete). Begeistert sind alle drei Anwesenden davon nicht sonderlich. «Vor allem der Begriff ‹Passivmitglied› ist störend», betont Caderas. «Ich gebe einen grossen Teil meines Geldes für mein Hobby, den EVZ, aus – ‹passiv› stimmt so überhaupt nicht.»

Aus alt wird neu: Seit Sommer 2017 hat der Fanclub ein neues Logo (links).

Aus alt wird neu: Seit Sommer 2017 hat der Fanclub ein neues Logo (links).

(Bild: zvg / Montage: lob)

Zwar sei die jetzige Situation – über 4’500 Fans sind an der GV tendenziell stimmberechtigt – schon speziell. Dann solle fortan aber zwischen Abo und Mitgliedschaft unterschieden werden, meinen unsere Gesprächspartner unisono. Sie seien nicht bereit, die zusätzlichen 100 Franken Betrag zum Abo für die Passivmitgliedschaft zu bezahlen.

Da ist noch Potenzial

Schnell geht es dann aber wieder um die laufende Saison. Nicht schlecht sei sie bisher gewesen, allerdings mit mehr Auf und Ab, als den Fans lieb ist. «Dass Bern vorneweg ist, ist momentan nicht verwunderlich», meint Caderas. Der EVZ habe da durchaus noch aufzuholen – besonders, wenn man um den Titel mitspielen möchte.

«Die erste Runde überstehen und weiterschauen», lautet die Devise der drei für die Playoffs. An Bern indes führe wohl kein Weg vorbei, will man den Meisterkübel holen.

Kurz darauf beenden wir das Gespräch, für die drei Fanclub-Vertreter geht’s zum Spiel. Und für den weit gereisten Schmid gibt’s als Entschädigung eine Torgala zu sehen: Mit 7:3 setzt sich der EVZ gegen den HC Ambrì Piotta durch.

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