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Stadt Luzern unterstützt Tests von Pillen und Pülverchen
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Verunreinigte Substanzen stellen ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar. (Bild: Dmitry Volochek)

Steigender Konsum von Partydrogen Stadt Luzern unterstützt Tests von Pillen und Pülverchen

4 min Lesezeit 03.09.2019, 16:03 Uhr

Ein Qualitäts-Check für Partydrogen – das tönt erst einmal nach einer Einladung zum Konsum illegaler Substanzen. Dahinter steckt aber Präventionspolitik. Das erkennt nun auch die Stadt Luzern. Noch diesen Herbst soll es losgehen.

«Partydrogen sind eine Realität», sagt der Luzerner Sozialdirektor Martin Merki (FDP). Das bestätigt auch ein soeben veröffentlichter Bericht zum Drogenkonsum im Luzerner Nachtleben (zentralplus berichtete). Dieser zeigt etwa, dass besonders der problematische Mischkonsum illegaler Substanzen mit Alkohol unter Partygängern weitverbreitet ist. «Wir wollen das Informations- und Beratungsangebot in diesem Bereich verbessern», so Merki.

Der Luzerner Stadtrat will rund 32’500 Franken für den Pilotversuch eines Drogen-Checks in der Stadt Luzern einsetzen. Das Luzerner Informationszentrum für Substanzen (LIZ) geht auf ein Konzept der kirchlichen Gassenarbeit zurück und soll in den kommenden drei Jahren erprobt werden. Die Kosten für die gesamte Pilotphase belaufen sich auf rund 82’500 Franken plus rund 5000 Franken für die externe Evaluation. Hinzu kommen die Kosten für die einzelnen Proben, die sich zwischen 100 bis 150 Franken bewegen.

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«Wer seine Ware testen lässt, hat die Entscheidung zum Konsum schon getroffen.»

Franziska Reist, Geschäftsleiterin Verein kirchliche Gassenarbeit Luzern

Dies geht aus der Antwort zu einer Motion von Gianluca Pardini und Nora Peduzzi (beide SP) zur städtischen Suchtpolitik bzw. zum Konsum von Partydrogen hervor. Damit sind neben Alkohol vor allem Ecstasy, Cannabis, Amphetamine (Speed) und Kokain gemeint. Deren Konsum ist nicht nur in Luzern in den vergangenen Jahren stetig steigend.

Lücke im Angebot schliessen

Mit der Unterstützung des Projekts will der Stadtrat insbesondere die Beratung verbessern. Er anerkennt in seiner Stellungnahme, dass es im Bereich der Drogen-Checks für Partydrogen aktuell eine Lücke im Suchthilfeangebot gibt. «Das in mehreren Schweizer Städten erfolgreich eingeführte Drug-Checking bietet sich als geeignete Massnahme an», heisst es im Bericht weiter.

Das Konzept der kirchlichen Gassenarbeit beinhaltet dabei eine mobile Station, wo Konsumenten ihre Ware direkt im Club testen lassen können. Laut Franziska Reist, Geschäftsleiterin beim Verein kirchliche Gassenarbeit Luzern, soll es auch eine fixe Anlaufstelle geben, die je nach Ressourcen einmal wöchentlich oder 14-täglich geöffnet sein wird. Der definitive Standort für das stationäre Angebot wird  zurzeit noch evaluiert. Partner der Gassenarbeit sind unter anderen die Präventions- und Suchttherapiestelle Akzent Luzern sowie die Schweizerische Koordinations- und Fachstelle Sucht Infodrog. 

Schadensminderung statt Tabuisierung

Das Drug-Checking ist laut Reist nicht etwa als Qualitätslabel für besonders gute Substanzen misszuverstehen. «Es geht um Schadensminderung», sagt sie. Denn: «Wer seine Ware testen lässt, hat die Entscheidung zum Konsum schon getroffen.» Der Drug-Check schaffe die Möglichkeit, mit Konsumenten in Kontakt zu treten, die sonst für sie nicht erreichbar sind. Im Gegensatz zu den Drogenkonsumenten «auf der Gasse» ist der Freizeitkonsument für Fachpersonen nur schwer zugänglich. 

«Wer seine Substanzen testen lässt, verpflichtet sich, einen anonymisierten Fragebogen auszufüllen, der Auskunft über sein Konsumverhalten gibt.» Problematische Konsummuster – wie etwa Mischkonsum mit Alkohol – sollen durch geschultes Personal frühzeitig erkannt und thematisiert werden. Betroffenen Personen können weitergehende Beratungs- und Therapieangebote empfohlen werden. 

Missbrauch soll vorgebeugt werden

Mit dem Test, der für die Konsumenten gratis angeboten wird, soll verhindert werden, dass etwa verunreinigte oder falsch deklarierte Substanzen verbreitet werden. So könne auch das Risiko von Vergiftungen, Unfällen, Gewalt sowie die Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten sinken. Die Möglichkeit eines Missbrauch des Angebots – wenn etwa ein Drogendealer die Qualität seiner Ware testen möchte – soll einerseits durch die Auskunftspflicht gesenkt werden. «Zudem wird die Anzahl der Tests begrenzt sein und das Personal wird geschult, häufige Anfragen zu erkennen.» Wie viele Tests tatsächlich durchgeführt würden, hänge auch von der Nachfrage ab.

Dass der Stadtrat nun grünes Licht für das Projekt gibt, freut Reist. «Es geht nicht nur um die finanzielle Unterstützung, sondern auch um die Anerkennung der Politik für das Thema», präzisiert sie. Noch muss das Stadtparlament das Budget genehmigen.

Das Fundraising für die weitere Finanzierung der dreijährigen Pilotphase bei Stiftungen, Kirchen und privaten Spendern sei aber bereits auf guten Wegen. Ziel sei es, dass bei Bedarf anschliessend der Regelbetrieb vom Zweckverband für institutionelle Sozialhilfe und Gesundheitsförderung (ZiSG) übernommen wird. Gestartet werden soll das Angebot noch in diesem Spätherbst.

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