Sport

Luzerner Europameister im Profiboxen
«Wer sich prügelt, fliegt raus»

  • Lesezeit: 4 min
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Der Luzerner Tefik «Hurricane» Bajrami ist neuer Europameister im Profiboxen. (Bild: azi)

Tefik Bajrami ist seit Anfang Oktober Europameister im Profiboxen. Wie so viele erfolgreiche Schweizer Sportler hat auch er seine Wurzeln im Kosovo. zentral+ sprach mit ihm über sein Erfolgsgeheimnis. Soviel vorweg: mit dem Sport will er sich noch lange nicht zufrieden geben.

Der Trainingsraum ist noch leer, als wir Tefik Bajrami in der Kampfsportschule Bajrami in Littau treffen, die er seit elf Jahren gemeinsam mit seinem Bruder Xhavit betreibt. Die beiden gebürtigen Kosovaren sind keine Unbekannten: Insbesondere Xhavit feierte als Freund und Schüler der verstorbenen Kickbox-Legende Andy Hug internationale Erfolge. Doch Tefik braucht sich nicht hinter seinem älteren Bruder zu verstecken.

Der Profiboxer ist neuer Europameister nach Version WBU (World Boxing Union) im Schwergewicht. Vor 3’000 Zuschauern gewann er am 3. Oktober im Kosovo gegen den Ungarn Attila Makula durch einen technischen K.o. in der fünften Runde.

Auch Tefik Bajrami ist ein ehemaliger Schüler von Andy Hug, seinem Idol, wie er sagt. «Er war ein grossartiger Mentor, einfach ein einmaliger Mensch», erzählt er. Bei all der Bewunderung erstaunt es nicht, dass Hug auch 15 Jahre nach seinem Tod noch immer im Dojo der Bajrami-Brüder präsent ist. An der Wand hängt ein übergrosses Bild des Kampfsportlers.

«Die meisten Kosovaren geben sich Mühe und wollen etwas erreichen.»
Tefik Bajrami, Profiboxer 

Nomen est omen

Mittlerweile ist auch Tefik Bajrami zu einem Vorbild für den Nachwuchs geworden. «Hurricane» ist sein Kampfname und der Kampf, der ihn Anfang Monat zum Europameister machte und live im kosovarischen Fernsehen übertragen wurde, hat einmal mehr gezeigt, warum der 37-Jährige diesen Übernamen trägt (siehe Video).

Seine Kämpfe beginnen langsam und unscheinbar, bis er sein gesamtes Potenzial ausschöpft, um seine Gegner mit der Wucht eines Sturms zu besiegen. In neun seiner bisher zehn Profiboxkämpfe ist ihm dies gelungen – sechs Mal davon durch K.o.

«Kampfsport, das ist mehr als nur ‹Dreinschlagen›, 70 Prozent ist Kopfarbeit.»

Gemeinsam mit seinem Bruder trainiert er regelmässig rund 200 Personen in verschiedenen Kampfsportarten. «Von Kindern, Frauen bis hin zu Senioren haben wir alles hier», sagt Bajrami. Denn: «Kampfsport, das ist mehr als nur ‹Dreinschlagen›, 70 Prozent ist Kopfarbeit.» Man müsse Situationen innert Bruchteilen von Sekunden richtig einschätzen und dementsprechend reagieren können. «Das Training hat sehr viel mit Konzentration, Disziplin und Technik zu tun», erklärt er weiter.

Ein Ort zum Dampf ablassen

Zur Person

Der Luzerner Profiboxer Tefik «Hurricane» Bajrami ist seit Anfang Oktober Europameister WBU (World Boxing Union) im Schwergewicht. Der gebürtige Kosovare lebt seit 23 Jahren in der Schweiz, ist verheiratet und Vater einer 3-jährigen Tochter. Seit elf Jahren führt er gemeinsam mit seinem Bruder Xhavit Bajrami eine Kampfsportschule in Littau.

Der 37-Jährige blickt bereits auf eine erfolgreiche Karriere im Kampfsport zurück: Vor seinem Europameister-Titel im Profiboxen war er 2006 Schweizermeister im Amateurboxen, 2005 Thaibox Profi Schweizermeister, 2004 Thaibox Amateur Weltmeister, 2003 Thaibox Schweizermeister, 2000 Karate Vize-Europameister und 1998 Karate Schweizermeister.   

«Kampfsport ist für viele ein idealer Ausgleich, eine Gelegenheit, Dampf abzulassen», sagt Bajrami. Doch eines ist ihm sehr wichtig: «Was hier gelernt wird, das bleibt hier.» Er toleriere es nicht, dass sich seine Schüler auf der Strasse prügeln. «Da bin ich sehr konsequent», betont er. «Wer sich prügelt, fliegt raus.» Das sei in den vergangenen elf Jahren allerdings erst einmal passiert. 

Als Trainer sei er sich seiner Verantwortung gegenüber den jungen Leuten bewusst. «Ich versuche, das Beste aus ihnen herauszuholen», meint er. Dazu gehöre auch ein respektvoller Umgang mit Mitmenschen und Gewalt.

Als Profiboxer trainiert Bajrami auch selbst sehr hart. Zwei Mal täglich – und das bis zu sechs Mal in der Woche. Sein nächstes Ziel ist die Titelverteidigung als Europameister im kommenden Frühling in Luzern. «Egal, was ich mache, ich gebe immer alles», sagt er. Mit dieser Einstellung konnte er schon einige Erfolge in verschiedenen Disziplinen feiern (siehe Box).

Interesse an Politik

Somit ist auch Tefik Bajrami einer der vielen Kosovaren, die in der Schweiz eine erfolgreiche Sportlerkarriere begonnen haben. Was ist das Geheimnis seiner Landsleute? «Was soll ich dazu sagen», lacht der Boxprofi, bevor er wieder ernst wird. «Wir wurden in unserer Heimat unterdrückt, aber hier in der Schweiz sind wir frei und haben die Möglichkeit, das auszuleben, was wir vorher nie konnten.»

«Schwarze Schafe gibt es unter allen Volksgruppen, aber die meisten Kosovaren geben sich Mühe und wollen etwas erreichen.» So auch er selbst. Er könne sich gut vorstellen, in die Politik zu gehen. Und er hat ein Fernstudium in Politikwissenschaft begonnen. «Das hat mich von klein auf sehr interessiert», so Bajrami.

«Es ist besser, selbst aktiv zu werden, als nachher zu jammern.»

Seit 2010 ist er Doppelbürger und geht regelmässig abstimmen und wählen. «Ich schätze die direkte Demokratie der Schweiz und es ist mir wichtig, daran teilzunehmen», sagt er, «denn es ist besser, selbst aktiv zu werden, als nachher zu jammern.»

Darüber, welchem politischen Lager er zuzuordnen sei, schweigt Bajrami jedoch. Er habe bereits einige Parteiversammlungen der SP besucht, fände aber auch nicht alles, was die SVP macht, daneben. «Das ist das Schöne an der Schweiz, die Vielfalt – es braucht uns alle.»

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