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Siegerprojekt erkoren: So soll EWL-Areal in Luzern künftig aussehen
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Der geplante Quartierplatz mit dem bestehenden roten Haus in der Mitte sowie den Neubauten links und rechts. (Visualisierung: EWL Areal AG)

Bekanntes Team angelt sich den Auftrag Siegerprojekt erkoren: So soll EWL-Areal in Luzern künftig aussehen

5 min Lesezeit 2 Kommentare 02.07.2019, 10:00 Uhr

200 Millionen Franken, 72 Wohnungen, 1 Sicherheitszentrum: Auf dem EWL-Areal entsteht eine neue Überbauung. Nun ist klar: Das Siegerprojekt heisst «Rotpol» und stammt von der ARGE Halter und der Eberli Sarnen. Sie stehen in der Region bereits mit einem anderen Grossprojekt in den Startlöchern.

Nichts weniger als ein «urbanes, attraktives und ökologisches Vorzeigeprojekt» schwebt den Verantwortlichen des EWL-Areals in der Stadt Luzern vor. So formulierte es EWL-Chef Stephan Marty am Dienstag an einer Medieninformation. Auf dem 20’000 Quadratmeter grossen Gebiet entsteht zwischen 2022 und 2026 eine neue Überbauung. Dazu gehören einerseits Wohnungen, andererseits ein Sicherheits- und Dienstleistungszentrum. Investiert werden im Dreieck zwischen Geissensteinring, Industrie- und Fruttstrasse rund 200 Millionen Franken. 

Am Dienstag haben Energie Wasser Luzern (EWL), die Stadt und die Allgemeine Baugenossenschaft Luzern (ABL) das Siegerprojekt für die Überbauung bekannt gegeben: Das Team ARGE Halter/Eberli Sarnen AG habe mit seinem Projekt «Rotpol» die Jury überzeugt. Es hat sich insgesamt gegen 13 weitere Bewerber durchgesetzt und war zuletzt noch gemeinsam mit dem Team HRS Real Estate AG im Rennen (zentralplus berichtete).

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Ein öffentlicher Platz für ganz Luzern

Der Name des Projekts nimmt Bezug auf das rote Haus, das derzeit inmitten des Areals steht. Die Architektur kreiere rund um das rote Haus einen «charmanten Quartierplatz» im Herzen des Areals. Dieser Platz wird von drei unterschiedlich geformten Gebäuden gefasst, die sich in Struktur und Ausdruck stark voneinander unterscheiden – aber «eine übergeordnete Einheit» darstellten, wie Jurypräsident Mike Guyer sagte. Anstelle des heutigen EWL-Gebäudes wird ein dreieckiges Wohn- und Dienstleistungshaus entstehen, samt Innenhof. Im Südosten ist der neue EWL-Haupsitz geplant und gegen den Steghof hin ein Logistikgebäude mit industrietypischem Sheddach.

Die Verantwortlichen würdigen den Vorschlag positiv, weil damit die bauliche Vergangenheit und das industrielle Erbe des Gaswerkareals präsent bleibe. Der Quartierplatz dürfe zu einem gesellschaftlichen und kulturellen Treffpunkt für die gesamte Luzerner Bevölkerung avancieren – und das rote Haus zum sozialen und kulturellen Treffpunkt der Überbauung. Behutsam restauriert, wird diesem Haus eine neue Bedeutung zugesprochen – etwa als Raum für Veranstaltungen, Kulinarik und städtisches Leben. Stadtrat Adrian Borgula brachte zu einem früheren Zeitpunkt die Ideen eines Cafés, einer öffentlichen Kantine sowie eines Kultur- oder Quartierzentrums ins Gespräch (zentralplus berichtete).

72 Wohnungen, 1 Sicherheitspool

Im Wohnungsbereich plant die ABL insgesamt 72 Wohnungen mit zwischen 2,5 bis 5,5 Zimmern. Die Siedlung ergänzt laut den Verantwortlichen das benachbarte Projekt Kooperation Industriestrasse, an dem die ABL ebenfalls beteiligt ist. Zusammen mit dem 81 Zimmer umfassenden Pflegezentrum der Viva Luzern AG entstehe auf dem EWL-Areal Wohnraum für verschiedene Bedürfnisse und Lebensformen. «Es ist nicht nur Erweiterung unseres Portfolios, sondern ein Beitrag an die Entwicklung des Quartiers», sagte ABL-Präsidentin Marlise Egger Andermatt am Dienstag.

Die Bühne mit künstlichem Eisfeld auf dem EWL-Areal.

Das EWL-Areal, derzeit Schauplatz des Freilichttheaters «Was ihr wollt».

(Bild: zvg/ewl)

Auch für die Mitarbeiter der EWL und der beiden ebenfalls vor Ort ansässigen städtischen Dienstabteilungen Tiefbauamt, Geoinformationszentrum und Umweltschutz wird sich einiges ändern. Sie ziehen in neue Räumlichkeiten.

Die Feuerwehr der Stadt Luzern, die Zivilschutzorganisation Pilatus, die Stadtgärtnerei und Stützpunkte für das Strasseninspektorat werden künftig ebenfalls auf dem Areal angesiedelt. Als weitere mögliche Nutzer sind der Rettungsdienst des Luzerner Kantonsspitals, eine integrierte Leitstelle der Luzerner Polizei und des Sanitätsnotrufs 144 Zentralschweiz sowie die Leitstelle der Verkehrsbetriebe Luzern eingeplant. Das geplante Sicherheitszentrum sei schweizweit einmalig und wegweisend, lobte Stadtrat Adrian Borgula (Grüne). Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst, Zivilschutz und die EWL mit der Energie- und Wasserversorgung seien künftig an einem Standort vereint.

Energie aus Seewasser

Das architektonische Gesamtkonzept von ARGE Halter/Eberli Sarnen liefert laut den Verantwortlichen auf die wirtschaftlichen und ökologischen Anforderungen eine überzeugende Antwort. Ruhige, generationenübergreifende Rückzugsorte sollen zum Verweilen einladen. Ziel der Überbauung sei es, dass die Aussenräume sowohl von den Anwohnerinnen wie auch von den Mitarbeitern aller Bereiche gemeinschaftlich genutzt werden könnten.

Hier sind die Projekte zu sehen

Die sechs eingereichten Projektvorschläge zur Gesamtleistungsstudie sind vom Mittwoch, 3. Juli bis Samstag, 13. Juli 2019 bei der EWL an der Industriestrasse 6 in Luzern ausgestellt. Die Öffnungszeiten der Ausstellung sind:

  • Montag, Dienstag, Mittwoch und Freitag: von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 17 Uhr (am Mittwoch, 3. Juli 2019 endet die Besuchszeit bereits um 16 Uhr)
  • Donnerstag: von 9 bis 12 Uhr und 13 bis 19 Uhr
  • Samstag: von 9 bis 12 Uhr

Täglich von 9 bis 11 Uhr ist eine Fachperson für Auskünfte vor Ort.

Viel Eigenlob spricht sich die neu gegründete EWL-Areal AG auch betreffend Nachhaltigkeit zu. Das Projekt werde «einen Meilenstein im verantwortungsbewussten, nachhaltigen Städtebau darstellen». Die zukünftigen Nutzer sollen in der Lage sein, ihren Energiebedarf selber zu optimieren und so ihren Teil für die verantwortungsbewusste Gestaltung unserer Zukunft beizutragen.

Die Seewassernutzung nimmt im Projekt eine Schlüsselrolle ein. Das Zusammenspiel von thermischer Energieversorgung durch einen Mix aus Seewasser-, Solarenergie- und Abwärmenutzung soll den Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen decken. Die Überbauung strebt das Zertifikat für «2000-Watt-Areale» an. Ebenso geplant ist, dass entlang der Industriestrasse der Allmendlibach geöffnet wird und dadurch ein attraktiver Aussenraum entsteht (siehe Visualisierung unten).

Volksabstimmung 2021

Als nächste Schritte sollen der Gestaltungsplan, das Vorprojekt und das Bauprojekt erarbeitet werden. In der Stadt Luzern stimmt 2021 das Volk über die städtische Finanzierung dieses Projekts ab. Wie hoch diese ausfallen wird, ist noch nicht bekannt. Ebenfalls noch hängig ist eine Änderung der Bau- und Zonenordnung, die eine dichtere und höhere Bebauung bis zu 30 Meter erlauben wird (zentralplus berichtete). 

Die EWL-Areal AG rechnet mit dem Erhalt der Baubewilligung im Jahr 2021. Der Baustart der ersten Etappe ist für 2022 geplant – gebaut wird in zwei Etappen. Der Betrieb der vorhandenen Nutzungen auf dem Areal werde während der gesamten Bauphase ohne Provisorien gewährleistet, heisst es in einer Mitteilung. Der Baustart für die zweite Etappe ist im Jahr 2024 geplant. Die neuen Mieter können voraussichtlich 2026 die Wohnungen, Pflegeplätze und Büroräumlichkeiten beziehen.

Das Team ARGE Halter/Eberli Sarnen AG hat bereits die Swissporarena mit den beiden Wohntürmen gebaut. Auch beim Projekt Pilatusarena – das ebenfalls rund 200 Millionen Franken an Investitionen umfasst – sind die beiden Firmen beteiligt. Im Süden von Kriens sind eine Sport- und Eventhalle für 4’000 Zuschauer, zwei Hochhäuser mit 410 Wohnungen sowie Fläche für Gewerbe und Dienstleistungen geplant (zentralplus berichtete).

Entlang der Industriestrasse soll der Allmendlibach offengelegt werden. (Visualisierung: EWL Areal AG)

Entlang der Industriestrasse soll der Allmendlibach offengelegt werden. (Visualisierung: EWL Areal AG)

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2 Kommentare
  1. Wolfgang Grundmann, 07.07.2019, 18:46 Uhr

    Die Frage stellt sich, warum hat eine AG Gesellschaft den Zuschlag bekommen? Wenn ich mir das Projekt betrachte, so ist es weder ökologisch noch maßstäblich in die vorhandene Bebauung auch gegenüber der vorhandenen Bebauung hinter der Hauptstraße mit max. 3 Vollgeschosse deutlich überdimensioniert. Die Baumasse zeigt hier deutlich eine rein wirtschaftliche Ausrichtung. 7 Vollgeschosse zu einem Bestand der durch solch einen überdimensionierten Neubau erdrückt wird. Da kann auch nicht eine etwas kleinteilig gedachte linke Bebauung dieses Problem abmindern. Ein breiter Wettbewerb über die ganze Schweiz hätte bestimmt ein besseres Ergebnis gebracht. Auch wie das Verfahren in der Öffentlichkeit behandelt wurde, gibt Zweifel auf. Bei der Bevölkerung um Zustimmung bitten, ohne zu wissen, wie hoch die geschätzten Kosten sind, warum werden sie nicht nach BIM erfasst?
    Dipl.-Ing. Architekt

  2. Joseph de Mol, 02.07.2019, 15:07 Uhr

    Halter Eberli. Ein alter Bekannter. Hat schon den Zuschlag für die meiner Meinung nach nicht notwendige Pilatusarena erhalten. Der Baugrund – natürlich Land, das die Stadt massiv unter Wert verschachert hat. Schade. Man hat hier eine gute Möglichkeit vertan, um auf diesem Grundstück rund um das hübsche rote Haus (Zeitzeuge, Industrial-style), etwas mit Seele und Charakter zu erstellen. Mit Verlaub: Halter Eberli ist dazu nicht in der Lage. Sie zeichnen sich v.a. dadurch aus, dass sie ständig den Zuschlag in der Stadt Luzern erhalten, teuer sind und herz- und seelenlose Gebäude ab der Stange erstellen!